Es gibt bei den Lobbyisten des WLV einige Personen, die „eine Überbevölkerung der Erde lieber mit Produkten aus der Massentierhaltung angehen möchten anstatt mit sinnvoller Geburtenkontrolle und Bildung“,..so könnte man die Worte, die auf diesbzgl. Versammlungen gefallen sind, im Jahresrückblick auch interpretieren.

Anscheinend sind ihnen mittlerweile die Argumente ob der weiteren Akzeptanz der Bevölkerung für eine noch größere Intensivierung der Landbewirtschaftung – wie diese Lobbyisten sie fordern – ausgegangen. Jede weitere regionale Verdichtung der Produktion wird zudem das Problem der umweltverträglichen Verwertung der tierischen Exkremente und das Krankheits-und Seuchenrisiko verschärfen. Die regionalen Verschiebungen der Getreide-Warenströme führen zu einer noch stärkeren Abhängigkeit von Futtermitteln und risikoreichen Marktschwankungen. Anstatt erst die lokalen Probleme in den Griff zu bekommen, wird der Weltbevölkerung unterstellt: „Immer mehr Menschen möchten auch so essen wie wir Deutschen“ und dieses auch mit all den bekannten negativen Begleiterscheinungen.

Hierzu sollte man aber wissen, dass die Möglichkeiten weiteren Wachstums ohne gentechnisch-manipulierter Pflanzen bereits jetzt schon in den westlichen Industrienationen an ihre Grenzen stoßen. Solange Agrarprodukte auf den Weltbörsen gehandelt werden und mit ihnen spekuliert wird, werden die ärmeren Länder nicht in der Lage sein, ihre Bevölkerung vor Hunger zu bewahren. Das heutige Agrarsystem fördert und begünstigt weiterhin den Zustand, dass weltweit einerseits ca.1 Milliarde Menschen unter Hunger und als Diskrepanz dazu ca.1 Milliarde Menschen unter Fettleibigkeit (Adipositas) leiden.

Die Landwirtschaft, so wie sie heute betrieben wird, gilt als Hauptverursacher des Rückgangs der heimischen Tiere u. Pflanzen. Besonders die Nutzungsintensivierungen u. der Nährstoffeintrag in die Ökosysteme durch Düngung zerstören ihre Lebensräume. Das aktuelle Fördersystem führt immer noch dazu, dass große Agrarbetriebe in ausgeräumten Landschaften Millionenbeträge vom Steuerzahler – aus dem EU-Agrarhaushalt rund 6 Milliarden Euro an Direktzahlungen – für eine nicht mehr zukunftsorientierte Wirtschaftsweise erhalten.

Die Anmerkungen der Agrarlobby aus dem Bereich des WLV, dass die Landwirte aus ethischen und moralischen Gründen an ihre Grenzen stoßen, wenn weiterhin Flächen als Ersatz für Naturschutz oder Bauvorhaben aus
der Produktion genommen werden, zeugt von großer Doppelmoral.

Sie dulden nämlich gleichzeitig, dass Tausende ha Flächen über Jahrzehnte lang für den fragwürdigen hochsubventionierten Anbau von Energiepflanzen für ihre Agrargasanlagen blockiert werden. Für den Flächenverbrauch von Agrargasanlagen sind feste wirtschaftliche Eigeninteressen der Landwirte maßgebend (auch und trotz Jammerns ob Entschädigungszahlungen… für Stromtrassen, die sie selber benötigen).

Der damit erzeugte hoch subventionierte teure Strom belastet gerade die Kleinverdiener besonders stark und ist damit unsozial.Es bleibt zu hoffen dass sich die wenigen ökologisch geführten Bauernhöfe in NRW (3,6% in NRW und gerade mal 0,6%im Kreis Borken)die sich von der Massentierhaltung abgekoppelt haben, weil sie diese „immer größer und mehr“- Produktion nicht mehr mittragen wollen, nicht vor den Werbekarren der Agrarlobbyisten spannen lassen.

Es gibt in ganz Deutschland wohl keinen widersprüchlicheren und undurchschaubareren Industriezweig wie die Agrarindustrie. Die deutsche Landwirtschaftsministerin Ilse Eigner fordert die Landwirtschaft auf, sie müsse sich mehr öffnen u. verstärkt den Kontakt zu den Verbrauchern suchen. Nach ihrer Ansicht hätten die Menschen – anders als früher, kaum noch einen persönlichen Bezug zur Landwirtschaft.

Doch wie soll hier mehr Offenheit und Transparenz aussehen, bei einer stetigen Steigerung der tierischen Massenproduktion in den sterilen Hightech-Ställen, die nur noch in Ganzkörperschutzanzügen betreten
werden können? Zum Schweine streicheln oder anschauen bei einem der wenigen Bio- oder Ökobauern und vor den restlichen 96,4% fast ausschließlich Großmastanlagen die Augen verschließen? So wie die Interessen-Vertreter der Agrarindustrie derzeit in der Öffentlichkeit auftreten, werden sie wohl kaum das Vertrauen oder die Akzeptanz der Bevölkerung erreichen.

Den deutschen Naturschutzorganisationen wird indes von ihren Kritikern aus Industrie und Landwirtschaft unterstellt, dass allein sie für deutsche Standortnachteile im weltweiten Wettbewerb um Innovation und
Produktionssteigerung die Schuld tragen würden. Dabei zeigt gerade erst wieder ein ganzer Industriezweig = die deutsche Kernenergie, dass ihre und die politischen Entscheidungsträger bis heute keine akzeptable Endlagerlösung parat haben. Da sei doch die Frage bzgl. Unfähig- und Unzuverlässigkeit des Staates weltweit gegenüber anderen Nationen erlaubt.

Herbert Moritz
NABU Ahaus/Heek

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