Landwirtschaft Startseite — 07 Juli 2012

Auch im Münsterland sind die Folgen der Industrialisierung ehemals landwirtschaftlicher Produktionsprozesse überall deutlich geworden und ganz besonders im Kreis Borken: Zunehmende „Vermaisung“ der Landschaft, weiterhin ständiger Neubau von Massentierhaltungsanlagen, Errichtung von hoch subventionierter Agrargasanlagen unter dem Deckmantel des Klimaschutzes – um nur einige Beispiele zu nennen.

In der Bevölkerung mehren sich die kritischen Stimmen inzwischen so deutlich, dass selbst aus den Chefetagen mancher der trationell CDU-regierten Landkreise des Münsterlandes warnende Stimmen erklingen, dass es so nicht weitergehen könne.

Das Foto zeigt den Fluss Dinkel am Ortsrand von Heek. Durch die völlig überhöhten Nährstoffüberschüsse aus der umliegenden Landwirtschaft wird ein riesiges Algenwachstum auslöst. Durch ihre weiterhin permanente Überdüngung der Ackerflächen werden die überschüssigen Nährstoffe über die Vorfluter und kleinen Bäche dann den größeren Flüssen zugeführt. Hier sorgen sie für großes Algenwachstum das dem Wasser gerade jetzt in der Sommerzeit bei niedrigen Wasserpegeln den Sauerstoff entzieht und damit viele Lebewesen im Fluss vernichtet.

Währenddessen predigen die Funktionäre der alten Landwirtschaftsverbände unverdrossen das „Weiter so“, also weiter so mit dem „Strukturwandel“, mit der Produktion für den „Weltmarkt“, mit der Vergrößerung der Betriebe und natürlich für den Einsatz von Gentechnik. Gleichzeitig haben diese Funktionäre den Naturschutz als angeblich relativ leicht an die Wand zu drückenden Gegner ins Visier genommen: Seit rund 7 Jahren wollen sie die Ausgleichsmaßnahmen (für den Verbrauch von Freifläche durch Straßen, Siedlungen, Gewerbeflächen) drastisch reduzieren und am liebsten ganz abschaffen.

Inzwischen registrieren die amtlichen und verbandlichen Naturschützer eine weiter zunehmende Verarmung der Artenvielfalt auf landwirtschaftlichen Nutzflächen. Und das trotz Feuchtwiesenschutzprogramm und Lerchenfenstern. Ehemalige „Allerweltsarten“ wie Kiebitz und Feldlerche sind weitesgehend verschwunden. Der stumme Frühling rückt in manchen Gegenden des Münsterlandes immer näher.

Der deutsche Bauernverband DBV läuft Sturm gegen die vorsichtigen Versuche aus der EU-Kommission, im Rahmen der anstehenden Neuausrichtung der GAP (Gemeinsame Agrarpolitik) stärker als bisher Umweltaspekte in die Landwirtschaft einfließen zu lassen und Zahlungen an die Bauern so zu gestalten, dass eine schonendere Bewirtschaftung der Fläche belohnt wird.

Hier sehen Sie einige der wenigen noch nicht Aufgestallten Schweine in einer Wiese in Heek-Nienborg. Diese Seltenheit wird man bald vermutlich wohl nur noch in einem Zoo erleben können.

Als in den 1980er Jahren vor dem Hintergrund von Butterbergen und Milchseen die Instrumente der Flächenstilllegung entwickelt wurden, hat man von amtlicher Seite die Naturschutzverbände tatsächlich gefragt, ob sie den Ideen hätten, was sie mit all den bald zur Verfügung stehenden Flächen anfangen sollten! Eine gigantische Fehleinschätzung, denn heute müssen wir um jeden Hektar erbittert kämpfen – nicht nur wegen der ungebrochenen Euphorie im Straßenbau, der Anlage neuer Siedlungs- und Industriegebiete und Abgrabungsflächen, sondern auch wegen des „Landhungers“ der Landwirtschaftsindustrie.
Anmerkung:Der Kreis Borken übernimmt pro Jahr für die Beseitigung und Entsorgung von ca. 10.000 t Tierkadavern 1,2 Mio Euro für die Agrarbetriebe. Warum wird hier nicht der Verursacher allein zur Kasse gebeten, anstatt jeden Bürger über die Kreisumlage daran zu beteiligen?

Mit freundlichem Gruß,
Herbert Moritz für den NABU im Nordkreis Borken

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