Der Kreis Borken beabsichtigt an einigen Flüssen und Bächen im Kreisgebiet (z. B. Bochholter Aa, u. Playstrang) die bisherigen regelmäßigen Pflegemaßnahmen auszusetzen. Dieses nichts oder weniger tun, kann man begrüßen, jedoch wohl nicht als Strategie bezeichnen.

Die untere Wasserbehörde ist zuständig für ca.3200km Gewässerstrecke im Kreis Borken, hierzu bedient sie sich der Wasser und Bodenverbände die sie gleichzeitig überwacht, es gibt 29 Verbansgebiete im Kreis.

Die jährlichen Unterhaltskosten die dabei entstehen belaufen sich auf ca. 2.55 Millionen Euro.

Ein Schelm wer böses dabei denkt, schon erstaunlich wie lange man beim Kreis braucht um festzustellen, das weniger manchmal auch mehr sein kann. Man könnte aber auch schnell den Sinn dieser Maßnahme darin sehen, das hoher Bewuchs an den Böschungen heimischer Flüsse und Bäche deswegen wieder gewünscht ist, um zu verhindern das der Bürger mitbekommt, was sich da an manchen Tagen für eine stinkende Algenkloake durch die Flüsse schiebt. Entstanden größtenteils aus den großen Nährstoffüberschüssen überdüngter Äcker und Felder der Agrarwirtschaft die besonders nach Regenschauern über die Vorfluter den Bächen und Flüssen zugeführt werden.

Extra betont in der Presseveröffentlichung vom 01.08.2012 in den Ruhrnachrichten wurde von Herrn H.Gehling Fachbereich Natur und Umwelt des Kreises Borken, das der Hochwasserschutz auf jedenfall beachtet werde und die Vorfluter ihre funktionstüchtigkeit beibehalten würden. Anmerkung:Sie werden nämlich überwiegent als Ablaufrinnen für die landwirtschaftlichen Drainagen benötigt.
Stellt sich doch die Frage, was geschieht mit den durch diese bisherigen Unterhaltungsarbeiten gesparten finanziellen Mittel? Kommen sie dem Natur/Gewässerschutz an anderer Stelle wieder zu gute, oder wollte man unter dem Deckmantel ökologischer verbesserung der Qualität, den Etat in diesem Bereich kürzen?

Natürlich kann eine solche Maßnahme dazu beitragen, das Bäche und Flüsse sich vermehrt wieder zu attraktiveren Lebensräumen für Fische,Fischnährtiere und auch Wasserpflanzen entwickeln können, der größte Feind aller Gewässer jedoch im gesamten Kreisgebiet sind nach wie vor jedoch die Einträge von Nährstoffüberschüssen aus der intensiven Agrarwirtschaft.Durch die Drainage, dem wichtigsten und zuverlässigsten Verfahren zur Senkung des Grundwasserspiegels im Ackerland (hier überwiegend Rohrdrainage)werden die überschüssigen Nährstoffe über die Vorfluter den Bächen und dann den Flüssen zugeführt.

Das Plankton, kleine und große Algen und Pflanzen in Bächen und Flüssen reagieren auf Nährstoffe. Phosphor und Stickstoffverbindungen stammen größtenteils aus der Düngung landwirtschaftlicher Flächen, gelangen diese Düngemittel in die Gewässer, führt dies unweigerlich zu einem unnatürlichen Wachstum von Pflanzen und Algen. Strukturelle Defizite und eine fehlende Beschattung durch z.B. Bäume oder Sträucher verstärken diesen Effekt noch zusätzlich. Diesen Vorgang konnte man überaus deutlich am Heeker Ortseingang aus Richtung Averbeck komment ab dem 28.06. dieses Jahres über eine Woche lang in der Dinkel beobachten. Und das obwohl die Dinkel gerade hier am Oberlauf für ca. 180.000 Euro renaturiert wurde.

Beobachtet man im Sommer (sie Fotos im Anhang) unsere Flüsse und Bäche, dann kann man die großen stinkenden Algenteppiche die sich an manchen noch vorhandenen Staustufen anstauen beobachten. Hier könnte man vermutlich diese dicke Suppe gleich wieder absaugen, um sie dann als wertvollen Gründünger direckt wieder auf die Äcker und Felder zu verklappen.

Da kann der Kreis noch soviel finanzielle Mittel in die Sanierung oder Rekultivierung unserer heimischen Bäche und Flüsse stecken um sie naturnah zurückzubauen und um endlich der europäischen Wasserrahmenrichtlinie gerecht zu werden, so wird er es nie schaffen.

Ohne eine regelmäßig Kontrolle und Überwachung der Nährstoffüberschüsse und Einträge in unsere heimischen Flüsse und Bäche, wird der Zustand der Oberflächengewässer und des Grundwassers weiterhin stark negativ beeinträchtigt werden.

Gerade erst wieder werden im gesamten Kreisgebiet die Tierbestände im Bereich Schwein um ein großes Stückvollumen aufgestockt, was die zahlreichen Stallneubauten aller Orts belegen.

Eine Grundlage für die naturnahe Entwicklung der Gewässer in NRW ist die EU-Wasserrahmenrichtlinie (EG-WRRL). Zur Umsetzung wurde ein Bewirtschaftungsplan aufgestellt und das Programm „Lebendige Gewässer“ auf den Weg gebracht.

Ausführliche Hintergundinformationen und Publikationen zum Thema sind zu finden unter www.uvo.nrw.de

Herbert Moritz für den NABU im Nordkreis Borken / Heek

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