In unserer Region gibt es unübersehbar leider immer weniger Schwalben! Noch kennt sie jeder, die Flugkünstler, die das Ende des Winters verkünden und von je her als Glücksbringer bei uns willkommen waren. Anfang April kehren die ersten Rauchschwalben aus ihren afrikanischen Überwinterungsgebieten „heim“ um bei uns, vorzugsweise in Ställen, Tennen, Scheunen oder auch Carports wieder zu brüten. Die etwas kleineren Mehlschwalben folgen dann gegen Ende April, um bei uns ebenfalls ihrem Brutgeschäft nachzugehen.

Leider sind Schwalben nicht mehr überall willkommen, sei es durch überzogene Hygiene- und Sauberkeitsvorstellungen einiger Hausbesitzer, die sich häufig an den sichtbaren Hinterlassenschaften an ihren Wänden stören. Oder, besonders auch die Rauchschwalben betreffend, führen aufgegebene Bauernhöfe, verschlossene Ställe oder abgeschlagene Nester zu einem Rückgang. Ursächlich dafür sind übertriebene EU-Hygienerichtlinien, folglich der Massentierhaltung, die dazu führen, dass die Nistmöglichkeiten in und an Gebäuden für die traditionellen Sommerboten immer knapper werden.

Als Abhilfe gegen das verschmutzen der Hauswände, gibt es eine einfache Lösung: Etwa 1 m unterhalb des Nestes ein einfaches Brettchen befestigen, das den Schwalbendreck auffängt. Wichtig ist jedoch, dass der Abstand zwischen Nest und Schmutzbrettchen mindestens einen Meter beträgt, da die Mehlschwalben während der Jungenaufzucht das Nest immer, in einem eleganten mauernahen Bogen, von unten anfliegen.

Umso mehr ist es zu begrüßen, dass auch in unserer Region sich Schwalbenfreunde an der Aktion „Schwalben- freundliches Haus 2012“ beteiligt haben. Zwei davon wurden nun am 22.09.2012, seitens eines Vorstands-mitgliedes des NABU Kreisverbandes Borken ausgezeichnet.

Als erste wurden mit einer Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ die Betreiber der Reitschule Bancken-Brinks in Heiden-Nordick ausgezeichnet. Hier waren 4-6 saisonal bewohnte Rauchschwalbennester zu zählen. Die Begeisterung über die kostenlosen Fliegenfänger war den nun ausgezeichneten Schwalbenfreunden buchstäblich ins Gesicht geschrieben.

Die nächste Auszeichnung wurde danach an Josef Niehues in Ramsdorf-Holthausen vergeben. Was der Über-bringer einer weiteren Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ dort zu sehen bekam, verschlug ihm buch-stäblich die Sprache. Eine ganze Galerie selbstgefertigter Mehlschwalbennester hing an der Fassade des Stallgebäudes, wobei mindestens 20 Nester in dieser Saison bewohnt waren, in einem dieser Nester fütterte noch ein Nachzüglerpaar bald flugfähigen Nachwuchs. Josef Niehues wandte bei der Konstruktion der Nester einen einfachen Trick an. Er fertigt die Nester so, dass die Ein- und Ausfluglöcher mit ca. 14 cm Wandent- fernung verhindern, dass die Ausscheidungen nicht an die Wände, sondern direkt auf den Boden fallen. Dass die Familie Niehues besonders naturfreundlich ist, wurde bewundernswert dadurch kenntlich, dass an allen nur möglichen Stellen der Hofanlage Nisthilfen für Vögel aller Art angebracht waren – Nachahmung ist im Sinne des Naturschutzes dringend empfohlen!

August Sühling,
NABU-Kreisverband Borken

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