Nutzungskonflikte in Naturschutzgebieten im Nordkreis Borken

Nutzungskonflikte in Naturschutzgebieten im Nordkreis Borken

Nutzungskonflikte in Naturschutzgebieten im Nordkreis Borken

In einigen Kommunen (Vreden) gibt es derzeit wohl verschiedene Ansichten darüber, was ein Naturschutzgebiet durch den Bürger ertragen kann oder aushalten muss. Nachdem die Mitarbeiter der Biologischen Station Zwillbrock durch das Aufstellen von Verbotsschildern das Schlittschuhlaufen in ihrem Naturschutzgebiet verhindern wollten, zog sich ein tagelanger Reigen empörter Leserbriefe durch die örtliche Tagespresse.

Jahrzehnte lang konnten die Bürger doch angeblich im Zwillbrocker Venn ungezwungen Schlittschuhlaufen, ohne dass Institutionen wie ULB, Ordnungsamt oder Biologische Station sie jemals behelligt hatte. Da das Gebiet direkt an der Grenze zu den Niederlanden liegt, konnte hier doch mitunter sogar unregelmäßig eine Art Völkerverständigung stattfinden so die älteren Leserbriefschreiber.

Hierzu muss man wissen, das gerade die Kommune Vreden wegen der etwa 18 Agrargasanlagen – landesweit wohl einzigartig – von einer pflanzlichen Monokultur (Mais) auf ihrer landwirtschaftlich nutzbaren Fläche umgeben ist. Werben doch einige Höfe gar um Touristen anzulocken, mit ihren Maislabyrinthen.

„Wenn sich alle in der Natur erholen wollen,
wo und wann erholt sich dann die Natur?“

Einige Naturschutzgebiete im Nordkreis (Lüntener Fischteiche, Schwatte Gatt, und die Vechte in Schöppingen z.B.) sind mit besonders kostenintensiven Wegen und Aussichtsplattformen versehen worden. Dies geschah teilweise mit Fördermitteln der EU auf die weder Naturschützer noch die Bürgermeister der jeweiligen Kommunen Einfluss nehmen konnten. Die Besucher dieser Gebiete werden in Teilbereichen bei einem Rundgang über Holzbeplankte Stahlkonstruktionen geleitet. Hier wird von den Bürgern wiederum bemängelt, dass sich mit diesen Wegen wohl einige ehemalige Kommunalpolitiker ein Denkmal setzen wollten.

Einige Naturschutzgebiete im Nordkreis (Lüntener Fischteiche, Schwatte Gatt, und die Vechte in Schöppingen z.B.) sind mit besonders kostenintensiven Wegen und Aussichtsplattformen versehen worden.

Einige Naturschutzgebiete im Nordkreis (Lüntener Fischteiche, Schwatte Gatt, und die Vechte in Schöppingen z.B.) sind mit besonders kostenintensiven Wegen und Aussichtsplattformen versehen worden.

Für unsachkundige Bürger werden die Naturschützer des NABU, die Untere Landschafbehörde, der BUND, oder auch die Mitarbeiter der Biologischen Station Zwillbrock nur noch als Verhinderer oder Spaßverderber wahrgenommen.

In unserer Gesellschaft muss der Naturschutz leider immer wieder bei den verschiedenen Nutzergruppen nach Wegen suchen, um Verständnis für Naturschutzanliegen zu erreichen. Wenn hier keine angemessenen Strategien zur Konfliktlösung gefunden werden, führt dies nicht nur zu einer Beeinträchtigung von Natur und Landschaft, sondern auch zu einer nachlassenden Akzeptanz der Naturschutzanliegen in unserer Gesellschaft.

Allen Personen die sich bisher zu diesem Thema negativ geäußert haben, möchte ich als NABU-Mitglied und Ansprechpartner für den Nordkreis folgendes mitteilen:
In den letzten vierzig Jahren hat der Kreis Borken überwiegend aufgrund einer immer weiter intensivierten und industrialisierten Landwirtschaft , aber auch durch Flächenverbrauch der Kommunen für Industriegebiete , Neubaugebiete und Straßenbau nicht nur an landschaftlichen Reizen verloren, sondern auch ein Artensterben bezüglich Pflanzen und Tieren erfahren das seinesgleichen sucht.

Konnte man früher im Winter noch auf zahlreichen zugefrorenen Tümpel in landwirtschaftlichen Flächen Schlittschuhlaufen, so sind diese kleinen Stillgewässer mittlerweile alle zugeschüttet und eingeebnet worden.

Der Ausweisung von Flächen mit dem Status „Naturschutzgebiet“ ist in Deutschland die strengste gesetzliche Gebietsschutzkategorie. Wenn Verantwortliche jahrzehntelang die Augen zugedrückt haben vor diesem Treiben in den sensiblen Schutzgebieten, dann lässt sich hieraus jedoch kein Gewohnheitsrecht ableiten dass dieses weiterhin so bleiben kann.

Stellt sich doch hier die Frage, was ist höher zu bewerten? Die Natur selbst oder ihre Nutzung durch den Menschen?
Für ein Naturschutzgebiet wie z. B. Zwillbrock, das ganzjährig den Besuchermaßen offen steht, sollte man doch zumindest in den Wintermonaten eine kleine Erholungsphase gönnen. Gegen Wanderungen auf den vorhandenen Wegen ist sicherlich nichts zu einzuwenden, der Schlittschuhläufer hingegen hat die Möglichkeit in Bereiche einzudringen, wegen ihrer Unzugänglichkeit ansonsten von keinem Menschen betreten werden und als Rückzugsraum für die Tiere besonders sensibel sind. Das Zertreten von Vegetation und hinterlassen von Müll wären weitere Folgen. Emotionen und Erlebnisse scheinen in dieser Diskussion aber wichtiger als Fakten zu sein.

Wer unsere heimischen Naturschutzgebiete jedoch einmal in den Wintermonaten näher kennenlernen möchte, der kann sich bei einer freiwilligen Teilnahme an den Naturschutz-Pflegemaßnahmen gerne an den NABU wenden. Hier wird er dann in Gesprächen unter den Teilnehmern und durch Selbsterfahrung schnell erkennen, warum die letzten Reste ehemaliger Kulturlandschaft so bedroht sind, und strengstens vor ihrer Endgültigen Zerstörung durch menschliches Handeln geschützt werden müssen.

Das Motto des NABU lautet deshalb, lieber umfassend begeistern, als ständig umfassend belehren oder verbieten.

Herbert Moritz
für den NABU im Nordkreis

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