Am 29.12.2012 war es endlich soweit: Ein Kasten für den seltenen Wanderfalken wurde im Turm der St. Gudula Kirche in Rhede installiert.

Einbau-Wanderfalkenkasten-Rhede

Der Wanderfalkenkasten an der St. Gudula Kirche in Rhede

Diesem Termin gingen eine Reihe von Beobachtungen und Gesprächen voraus, also der Reihe nach:
Nachdem der Wanderfalke in NRW von Ende der sechziger bis Ende der achtziger Jahre ausgestorben war, konnte er sich nach intensiven Schutzmaßnahmen wieder ansiedeln. Im letzten Jahr gab es in ganz Deutschland ca. 900 Paare, davon etwa 160 in NRW. Von diesem Bestand waren nur etwa 25 Paare im Regierungsbezirk Münster ansässig, es ist also schon eine Besonderheit diesen seltenen Vogel in unserer Stadt zu haben. In den 90er Jahren wurde an der St. Gudula Kirche in Rhede schon einmal einen Wanderfalkenkasten montiert, der bei Renovierungsarbeiten vor einigen Jahren leider entfernt wurde.

Bereits im Mai 2012 wurde von einigen NABU-Mitgliedern vereinzelt ein junger Wanderfalke an der St. Gudula Kirche beobachtet. Seit Juni 2012 habe ich dann jede Einzelbeobachtung notiert, insgesamt 107 mal wurde der Vogel von mir an der Kirche bis Ende Dezember gesichtet.

Schnell war klar, dass es sich um ein junges Weibchen handelt. Zu Beginn der Beobachtungen war der Vogel noch im Jugendkleid, inzwischen ist er ausgefärbt. Der Wanderfalke trägt keinen Ring, es ist also wohl kein Vogel aus dem benachbarten Bocholter Revier. Die Jungvögel dort wurden nämlich in den vergangenen Jahren alle mit einem Ring gekennzeichnet.

Da sich bereits im Sommer abzeichnete, dass der Wanderfalke beinahe täglich an St. Gudula rastet, wurde schon im Juli ein Gespräch mit Pfarrer Arndt Thielen geführt. Er zeigte sich sofort offen für unseren Vorschlag, einen Brutkasten zu installieren, auch wenn es zunächst kleinere Bedenken aufgrund von möglichen Denkmalschutzauflagen gab. Diese wurden aber in Gesprächen mit dem zuständigen Bauausschuss – Leo Borchers, Ludger Tacke, Walter Möllenbeck – sowie dem Architekten ausgeräumt.

Da die Kirchenfassade zu diesem Zeitpunkt renoviert wurde, waren die Zuständigen des Bauausschuss oft vor Ort und eine erste Turmbegehung konnte bereits Ende Juli statt finden. Hierbei suchten Christian Giese und ich nach geeigneten Plätzen im Turm. Es kristallisierte sich schnell der jetzige Standort heraus: Der nordwestliche kleine Seitenturm. Hier war genug Platz um den etwa 1m² großen Kasten, der von unserem NABU Mitglied und Tischlermeister Thomas Flinks gebaut wurde, zu errichten.

Nun bleibt zu hoffen, dass sich möglichst schnell ein passendes Männchen einfindet und sich das Wahrzeichen von Rhede, der „Dom“, als Wanderfalkenbrutplatz etabliert.

An dieser Stelle herzlichen Dank an Pfarrer Arndt Thielen für die Bereitschaft dem Wanderfalken „seine“ Kirche zur Verfügung zu stellen, den Mitgliedern der Pfarrgemeinde St. Gudula  Leo Borchers, Ludger Tacke und Walter Möllenbeck für die gute Zusammenarbeit, Thomas Flinks von der Hetkamp Tischlerei in Raesfeld für die Konzeption und den Bau des Wanderfalkenkastens, der Firma LUEB u. WOLTERS GmbH u. Co. KG für die Spende des Materials und den NABU Mitgliedern Marianne Harborg, Mariefa Robert, Georg Heisterkamp, Matthias Sell und Christian Giese für das „Hochschleppen“ der einzelnen Bauteile in den Kirchturm.

 Matthias Sell
für den NABU in Rhede

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