Februar ist Gülle-Monat im Kreis Borken:
„Riecht was kommt von draußen rein, es grüßen euch die Fäkalien von Rind und Schwein!“

Titel-Kulturlandschaft-Heek-Feb

Vielleicht kann man dieses jährlich wiederkehrende Schauspiel ja auch so erklären: Die Tiere waren froh – nach einem kurzen Leben in dem sie auf die jeweiligen Haltungsbedingungen zurecht Gestutzt wurden – endlich nicht mehr unter uns zu sein. Dann kann man den Duft der jetzt über den Kreis zieht auch als Erinnerung an sie ansehen, mit der Botschaft, bei den verbliebenen Nutztieren für bessere Haltungsbedingungen zu sorgen.

Alljährlich wieder zum Ende des Monats Februar werden die noch gefrorenen Ackerflächen mit Gülle aus der intensiven Massentierhaltung geflutet. Sind die Bevorratungsbehälter der landwirtschaftlichen Großbetriebe aufgrund einer längst überfälligen Änderung in der Gülle-Ausbringungsverordnung doch randvoll gefüllt und drohen zu bersten.

Im Spätherbst 2012 wurde den Agrarbetrieben erstmals untersagt, ihre überflüssige Nährstofffracht auf nicht bestellten Flächen aus zu bringen. Dieses führte nun zu einer bedrohlichen Verknappung der Gülle Lagerkapazität auf den verbliebenen Höfen. Gab es nach Angaben der Landwirtschaftskammer 2008 noch ca. 4.000 landwirtschaftliche Haupterwerbsbetriebe im Kreis Borken, so ist deren Anzahl durch eine rigorose Politik der Arbeitsplatzvernichtung der eigenen Lobbyverbände auf nunmehr ca. 1.745 Betriebe in 2012 geschrumpft.

Nach dem Ausbringen der Gülle, kann in manchen Bereichen ein Teil von ihr fast wieder direkt durch Regen-Abspülung in die kleinen oder mittelgroßen Vorfluter gelangen. In vielen Bereichen wird mittlerweile direkt bis an die Böschungskanten der Vorfluter oder Bäche heran gedüngt und bewirtschaftet. Dabei brechen die Böschungen/Böschungskanten unter der Last der schweren Ackerschlepper und Anhänger in sich Zusammen oder werden stark beschädigt. Von den Vorflutern und kleinen Bächen kann nun sehr schnell ein Teil dieser wasserverdünnten Brühe in die Flüsse gelangen, und sorgt dort dann für eine künstlich hervorgerufene Nährstoffanreicherung. Darauf freuen sich alljährlich dann immer wieder die verbliebenen Flusslebewesen in den immer noch mit Schwermetallen belasteten heimischen Flüssen. Ein Teil von ihnen überlebt diese regelmäßig wiederkehrende unkontrollierte Fäkaliendusche nicht.

Angelsportvereine im Nordkreis versuchten dieses Desaster immer wieder mit neuen Fischbesatz zu begegnen, anstatt die wahren Verursacher öffentlich zu Kommunizieren und praktikable Lösungen zu suchen. Dieses spricht für mich von völliger Konzeptlosigkeit und Unwilligkeit der jeweiligen Vorstände Probleme zu erkennen und anzugehen und zweitens zeigt es auch wie völlig sinnlos und verantwortungslos Vereinsmittel verschwendet werden können.

Herbert Moritz
für den NABU im Nordkreis Borken

Artikel teilen

About Author

Static Author Display Name