Rodung Feldgehölz an der Schlossstraße in Rhede. Mitte April 2013.

Rodung Feldgehölz an der Schlossstraße in Rhede. Mitte April 2013.

 

Der NABU im Kreis Borken wird ständig von besorgten Bürgern darauf hingewiesen oder informiert, warum den wohl nach dem 1 März jeden Jahres immer noch in den heimischen Wäldern, kleinen Waldungen oder an Wallhecken und Biotop Verbundsystemen Rodungs- oder Forstarbeiten stattfinden würden.

Hierzu einige Informationen an unsere Bürger:

„Rodungsverbot“ ist das Schlagwort für das Verbot, in der Zeit vom 1. März bis 30. September „Bäume, die außerhalb des Waldes, von Kurzumtriebsplantagen oder gärtnerisch genutzten Grundflächen stehen, sowie Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze zu beschneiden oder auf Stock zu setzen“.

Im Zusammenhang mit diversen Baum- und anderen Gehölzmaßnahmen muss stets ein Blick auf das mittlerweile bundesrechtlich geregelte Artenschutzrecht geworfen werden. Die, nun in §§ 39 Abs. 5 S. 1 Nr. 2 BNatSchG zu findende Regelung dient vor allem dem Erhalt der Lebensstätten wild lebender Tiere (insbesondere Vögeln) und damit dem Artenschutz. Sie lässt deshalb in dem genannten Zeitraum nur „schonende Form- und Pflegeschnitte“ zu.

Ausnahmen davon sieht das BNatSchG vor z.B. bei einer Gefahr, bei Maßnahmen im öffentlichen Interesse die nicht auf andere Weise oder zu anderer Zeit durchgeführt werden können, oder für nach § 15 BNatSchG zulässige Eingriffe in Natur und Landschaft.

Diesen Ausnahmen kann entnommen werden, dass eine Abweichung von dem Rodungsverbot entweder eines guten Grundes bedarf oder überprüft worden sein muss.

Diese Verbot, das sich jedoch bei Bäumen auf solche beschränkt, die außerhalb des Waldes, bestimmte Plantagen oder gärtnerisch genutzter Grundflächen stehen, sorgt mit der Frage, ob der Privatgarten unter letztere zu fassen ist, für Diskussion. Das Landesbüro der Naturschutzverbände teilt nicht die Auslegung des Bundesministeriums für Umwelt. Denn das hieße, dass dort Bäume ganzjährig beschnitten und gefällt werden könnten. Die Bezeichnung dieser Flächen als „genutzt“ sowie ihre Aufzählung in einer Reihe mit Wald und Kurzumtriebsplantagen legt nahe, dass nur erwerbswirtschaftlich genutzte Flächen vom Baumschnittverbot ausgenommen werden sollten z.B. Baumschulen. Sinn und Zweck der Vorschrift, nämlich der Erhalt der Lebensräume wild lebender Tiere, sollte sich in bebauten Gebieten nicht auf nur wenige Restflächen beschränken.

Gegen das Fällen oder den Schnitt von Bäumen in Privatgärten sorgt ansonsten nur das Verbot, Fortpflanzungs- und Ruhestätten der besonders geschützten Arten zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören (44 Abs. 1 Nr. 3 BNatSchG) für einen – allerdings ganzjährigen – Schutz von z.B. Horstbäumen.

Auch Höhlenbäume (Specht und Fledermäuse) sind ganzjährig geschützt.

Diese Regelung bezweckt den Schutz der Örtlichkeiten, die entweder für die Reproduktion dieser Arten (Balz, Paarung, Nestbau, Eiablage oder Nachwuchspflege) oder ihr Überleben während einer nicht aktiven Phase (Schlaf, Versteck, Mauserung, Überwinterung) regelmäßig genutzt werden.

So können z.B. Nistplätze von Zugvögeln auch während ihrer Abwesenheit über den Winter geschützt sein.

Der NABU im Kreis Borken weist darauf hin, das in den einzelnen Kommunen des Kreises eigene Baumschutzsatzungen vorhanden sind, die Besonderheiten und Fragen zu diesem Thema detailliert regeln.

Jeder Bürger des Kreises Borken kann sich aber bei Unstimmigkeiten an den örtlichen Ansprechpartner für den NABU wenden, oder aber an den Verfasser dieses Artikels!

Bei Unstimmigkeiten oder Verdacht auf illegale Rodung oder Entfernen von Bäumen oder Wallhecken wenden sie sich bitte an uns. Wir sichern ihnen vertrauliche Entgegennahme ihrer Informationen zu, bearbeiten sie oder leiten sie an kompetente zuständige Stellen weiter, und bemühen uns die Angelegenheit zum Wohle der Natur zu regeln.

Sie können sich natürlich auch direkt an die Untere Landschaftsbehörde des Kreises Borken oder an die zuständigen Forstämter wenden!

Herbert Moritz
für den NABU im Kreis Borken

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