Allgemein Jagd — 08 Dezember 2013

Wir Menschen sollen ja früher alle Jäger und ,oder Sammler gewesen sein. Bei mir persönlich hat sich auf Dauer mehr der Sammler durchgesetzt, bei anderen ist es halt noch der Jäger.

Als ich gestern in meiner „Literatursammlung“ den Bericht Nr.16 der Deutschen Sektion des Internationalen Rates für Vogelschutz aus dem Jahre 1976 in die Finger bekam, viel mir insbesondere der Bericht -Vogelwelt und Jagd- von Rudolf Berndt und Wolfgang Winkel auf.

Jaeger _MG_7605 H Glader

Hier wurden exemplarisch 6 negative Auswirkungen der Jagd diskutiert und beschrieben.

  • Die Jagd als Reduktionsfaktor
  • Die Jagd als Populationsfaktor
  • Die Jagd als Biozönosefaktor
  • Die Jagd als Risikofaktor
  • Die Jagd als Störfaktor
  • und die Jagd als Fluchtdistanzfaktor

Ich möchte hier nicht im einzelnen auf die beschriebenen Nachteile für Tier- und Natur eingehen. Nur eines ist mir aufgefallen, im Jahre 1976 waren diese negativen Auswirkungen schon bekannt.

Man beendete den Bericht mit der hoffnungsvollen Anmerkung, dass in Zukunft das Problem “ Vogelwelt und Jagd“ mit weit besserem ökologischen Verständnis und erheblich größerem Verantwortungsgefühl behandelt werden sollte.

Im Jahr 2013 wird immer noch darüber geredet was man verändern sollte und müsste.

NIX hat sich getan, es ist endlich an der Zeit zu handeln und nicht mehr nur drum herum zu reden.

Die Jagd in Naturschutzgebieten muss untersagt werden.

Nur noch mal ein Beispiel:
Am Samstag den 9.11.2013 war es  mal wieder so weit. Ca. 15 Jäger mit Flinten und sicherlich 10 Treiber trafen sich  nordwestlich des Naturschutzgebietes Kuhlenvenn um von ca. 14.30 bis 15.30 Uhr ihr Verständnis von „Naturschutz mit der Waffe“ zu betreiben.

Und das alles im und am Naturschutzgebiet Kuhlenvenn an der Grenze zum Kreis Coesfeld. Seit gut einer Woche rasteten hier und im nahen Umfeld ca. 10.000 sog. Nordischer Gänse, die z.T. viele 100 Flugkilometer bereits zurück gelegt hatten. Neben den Bläßgänsen hielten sich auch Grau- und einige Nilgänse auf.

Es dauerte  nicht lange, da knallte es  und wie zu befürchten, erhoben sich mit dem ersten Schuss auch alle Gänse und flogen gestört und verstört scheinbar rast und ziellos umher. Weitere Schüsse taten ihr übriges und führten zu heilloser Unruhe und schreckten natürlich neben den Wildgänsen auch alles andere Getier auf.

Einzelne Silberreiher, Eisvögel, Kormorane, Reiher- und Stockenten wurden bei ihrer  Nahrungssuche gestört und verscheucht. Es ist doch klar, dass Fliegen und Aufscheuchten Energieverbrauch heißt und dieser wieder ausgeglichen werden muss.

Ein  Schuß scheucht 10.000 Gänse auf und 10.000 Wildgänse müssen ihren Energieverbrauch auf Grünland oder Wintergetreideflächen durch Fressen von Gras wieder  wettmachen. Und das finden logischerweise Landwirte gar nicht so spaßig, aufgescheuchte Gänse im übrigen auch nicht.

Und verantwortungsvolle Naturschützer oder Naturbeobachter versuchen mit wandernden Tierarten und allen anderen Naturgütern sorgsam umzugehen. Nur wenige % der Kreisfläche sind Naturschutzgebiet. Kaum 4 % des Kreises Borken sind als Naturschutzgebiete „geschützt“, aber selbst diese verstreut liegenden Gebiete bieten kaum den tierischen Schutzobjekten deret wegen sie ausgewiesen worden sind,  Sicherheit, geschweige denn Schutz vor Beunruhigung oder Jagdstörungen.

Sieht so ein verantwortungsvoller Umgang mit den Naturgütern aus? Ist das die Art wie (von Jägern) mit wandernden Tierarten umgegangen wird?  Wirbt man mit solch einem Verhalten für Akzeptanz  einer ökologisch vertretbaren Jagd?   Wird so versucht, eine breite Bevölkerungsschicht für eine notwendige Jagd zu überzeugen?

In einer Zeit , in der intensiv über Sinn und Unsinn von Jägern oder Jagd diskutiert wird, muß man sich nicht wundern, wenn derartiges Verhalten und Beharren auf liebgewonnene Besitzstände in gut begründete naturschutzfachliche Forderungen  münden: Die Jagd in Naturschutzgebieten grundsätzlich zu verbieten!

Das wäre doch wohl ein realistischer Beitrag der Jägerschaft auf 4 % der Landesfläche in NRW zu verzichten!  Notfalls könnte man in NRW ein Pilotprojekt auf  vielleicht 4 % Naturschutzgebietsflächen starten und feststellen, ob nach 10 Jahren Versuchszeit NRW mit Raubzeug,oder durch  Raubwild völlig Niederwildfrei geworden ist, oder ob es in den Naturschutzgebieten endlich die Ruhestätten, Rast- und Brutgebiete gibt, als die sie ursprünglich ausgewiesen worden sind.

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Blessgaense auf der Flucht. Foto: Hans Glader

 

Niederwildjagd schön und gut, aber bei einer zu bejagenden Fläche von über 600 ha Größe müsste man doch auch einige Bereiche außerhalb von Schutzgebieten finden, in der man die paar Hasen und Fasane , die es noch zu bejagen gibt erlegen kann, ohne unnötige Unruhe in ein Schutzgebiet zu bringen.

Im Übrigen waren hier die Schutzgebiets- und angrenzenden Wiesenflächen sehr feucht und nass, sicher kein idealer Lebensraum für Hasen, Kaninchen und Fasane, dass müsste man doch auch als Jäger vorher erkennen, oder ist man hier gezielt nur um zu provozieren zur Jagd gegangen ?

Es wäre gut auch mal zu erfahren, was denn in dieser Jagdstunde im Kuhlenvenn erbeutet würde und ob das diese massive Störung rechtfertigt ?

Viele Jäger reden zwar über Naturschutz, aber solches handeln und das zum wiederholten male, hat mit „Schutz“ von Natur nichts, aber auch garnichts zu tun.

Von Seiten der Jägerschaft wirft man dem ehrenamtlichen Naturschutz vor, sie haben zu hohe Schutzansprüche wenn es um jagdliches Brauchtum geht.

Aber das ist doch wieder mal ein Beispiel, warum nur ein generelles Verbot der Jagd in Naturschutzgebieten den Tieren die notwendige Ruhe gibt, die sie auch im Herbst und Winter brauchen.

Nicht nur die nordischen Wintergäste, viele unserer heimischen Vogel- und Tierarten brauchen den Schutz in den bei uns noch viel zu kleinen Naturschutzgebieten und deren Pufferflächen.

Nur wenn die Jägerschaft erkennt, wie wichtig diese Schutzinseln für Mensch und Tier sind, kann sich hier auf Dauer etwas verändern.

Es geht uns nicht darum einer Gruppe etwas zu verbieten, aber wenn man als Naturschützer akzeptiert werden möchte, dann sollte man auch Naturschutz betreiben.

Gerade in den kleinen Naturschutzgebieten des Kreises Borken könnte man doch den Tieren, auch wenn sie teilweise jagdbares Wild sind, ihre Ruhe lassen.

Rudolf Souilljee
für NABU Kreisverband Borken e.V.

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