In den vergangenen Wochen fanden sich mehrere Presseartikel zu dem oben genannten Thema. Unter anderem wurde seitens der Jäger beklagt, dass die Bestände der Fasane massiv abnehmen. Nach unseren Beobachtungen ist ein allgemeiner Rückgang sämtlicher Niederwild-Arten zu beobachten, und aus diesem Grund möchten wir aus Sicht des ehrenamtlichen Naturschutzes dazu Stellung nehmen.

Maismonokultur-Im-Bereich-Heek-Averbeck-2308

Es geht dem NABU Kreisverband Borken e.V. nicht um eine Schuldzuweisung an bestimmte Personengruppen, sondern es geht uns in erster Linie darum noch mehr die Öffentlichkeit zu informieren  und vor allem politisch Verantwortlichen den Hilferuf unserer Natur näher zu bringen. Es muss endlich gehandelt werden.

Naturerhalt,
nicht Naturvernichtung
brauchen wir.

Bereits seit vielen Jahren beklagen wir aus Sicht des Naturschutzes eine Abnahme der Biodiversität.

Dies beginnt mit Arten, deren langsames, stilles Verschwinden von kaum jemanden wahrgenommen wird: den Insekten und anderen wirbellosen Tieren. Durch den Wegfall der Beweidung auf den einstigen Wiesen ist dort auch die Vielfalt an Blumen und Wildkräutern stark rückläufig, und das führt zum Verschwinden zahlreicher Insektenarten wie Grillen, Heuschrecken, Hummeln, Wildbienen und Schmetterlingen.

Auch Libellenarten sind davon betroffen. Allerdings setzt nicht nur die massive Abnahme der Pflanzenarten den Insekten zu, sondern auch die zahlreichen Mahden pro Jahr. Sobald das Gras etwas höher ist und trockenes Wetter zu erwarten ist, ziehen die großen, schweren Traktoren die Kreiselmäher über das Gras, das sehr tief abgemäht wird. Über 90% der Insekten werden mitgehäckselt und landen anschließend in der Biogasanlage (eigentlich ist der Name Agrargas viel passender, denn mit „Bio“ hat das Ganze nichts zu tun!) oder in den Futtersilos, für die mittlerweile fast ganzjährig aufgestallten Nutztiere.

Die schweren Geräte verdichten die Böden und auch das Ausbringen großer Güllemengen setzt den Kleintieren zu. Nicht nur Insekten werden dadurch vernichtet bzw. vertrieben, sondern auch die wertvolle Bodenfauna leidet darunter. Mit jeder Gülleflut werden tausende Regenwürmer verätzt! Den wenigen überlebenden Würmern, Schnecken, Spinnen und Insekten wird schließlich der Garaus mit den anderen chemischen Keulen gemacht, sprich Herbizide, Fungizide, Insektizide!

Ackerflächen-Ahle-Sued-Feb

Was nach Meinung der Landnutzer nicht auf die Wiese oder den Acker gehört, wird vernichtet. Dass damit auch zahlreiche nützliche Tiere (die Kategorisierung nach schädlichen und nützlichen Pflanzen und Tieren ist aus Sicht des Naturschutzes nicht zulässig, da jede Art in einem intakten Ökosystem eine wichtige Rolle hat!) getötet werden, wird billigend als Kolateralschaden in Kauf genommen.

Unter dem Wegfall der Kleinfauna leidet auch das Niederwild. Der Fasan ernährt sich nicht nur von Samen und Früchten, sondern auch von Heuschrecken und zahlreichen anderen Insekten sowie anderen Wirbellosen. Diese fehlen ihm, und auch anderen Vögeln wie dem mittlerweile fast ganz verschwundenen Rebhuhn oder den seltener werdenden Kiebitzen.

Doch es ist nicht nur die fehlende Nahrungsgrundlage der Vögel, sondern auch die Form der Bewirtschaftung der Flächen. Die Maschinen werden immer größer und schwerer. Feldgehölze, Hecken und Bäumen stehen einer schnellen, rationellen Bewirtschaftung der Felder und Äcker nur im Weg. Doch gerade die Hecken bieten dem Niederwild Zufluchtsmöglichkeiten und teilweise auch Brutstätten. Hier können sie einigermaßen sicher ihren Nachwuchs versorgen.

Naturschutzgebiet-Fuechte-K-Januar-2014-011

Die Kiebitze haben es dagegen deutlich schwerer, denn sie brüten auf dem offenen Feld. Ihre Gelege werden immer öfter das Opfer der durch die Reihen fahrenden landwirtschaftlichen Geräte; die Nester mitsamt den Eiern werden schlichtweg überrollt. Allerdings kommt nicht nur der Nachwuchs diese sogenannten Kulturfolger unter die Räder, sondern während der Erntezeit müssen auch die Alttiere von Fasan & Co um ihr Überleben kämpfen.

Mit immer größeren Maschinen werden in Rekordzeiten die in Monokulturen angebauten Feldfrüchte geerntet. Dabei spielt die Tageszeit keine Rolle mehr. Aus der Nacht wird mithilfe von Flutlichtern ein „Tag“ gemacht, geerntet wird über 24 Stunden und die Tiere haben keine Ruhezeiten mehr. Da sich Hühnervögel vor potentiellen Gefahren häufig auf den Boden ducken, wird so mancher Fasan und so manches Rebhuhn mitgeschreddert.

Auch für andere Niederwildarten wie Kaninchen und Hasen wird die industrialisierte Landwirtschaft zu einem immer bedrohlicheren Problem. Ihre Lebensräume schwinden zusehends und die Ruhezeiten fehlen, weil selbst im Winter auf den landwirtschaftlichen Flächen Betrieb herrscht.

Und auch in den Wäldern wird immer mehr ausgeräumt und geerntet, sodass der Wald bzw. vielmehr der Forst auch keine adäquate Rückzugsmöglichkeit mehr ist.

Zusammenfassend ist die Entwicklung in der „modernen“ Landwirtschaft größtenteils für den massiven Rückgang des Niederwildes und die allgemeine Abnahme der Artenvielfalt als hauptverantwortlicher Verursacher auszumachen. Weitere Faktoren sind im Flächenverbrauch für Stallbauten, Siedlungen, Industriegebiete und Straßenbau zu sehen. Es ist nicht nachvollziehbar, dass bei einer abnehmenden Bevölkerung noch täglich alleine in NRW 20ha Fläche verschwinden.

Der Straßenverkehr trägt im Übrigen auch seinen Teil dazu bei, dass das Niederwild zurückgeht, denn täglich lassen sich zahlreiche neue Verkehrsopfer unter den Hasen, Kaninchen und Fasanen auf dem Asphalt finden. Schließlich bleiben noch die Jäger. Trotz des Rückgangs des Niederwildes werden weiterhin Treibjagden durchgeführt. Es wird einerseits öffentlich beklagt, dass das Niederwild zurückgeht, und dann werden andererseits die Jagdstrecken veröffentlicht und trotz des besorgniserregenden Rückgangs des Niederwildes werden weiterhin Hasen, Fasanen und Kaninchen erlegt.

Wie lässt sich das mit der angeblichen Sorge um das Niederwild vereinbaren?

Zum Schutz des Niederwildes brauchen wir dringend folgendes:

  • Mehr Schutzzonen auf den Ackerflächen (Lerchenfenster, Kiebitzfenster)
  • Mindestens 10% jeder Wiese müssen mit einheimischen Wildblumen und Kräutern bewachsen sein
  • Mehr Hecken, Sträucher und Bäume entlang der Ackerflächen
  • Das verpflichtende Absuchen der Felder auf Kiebitznester, Rehkitze usw. vor dem Bearbeiten des Feldes
  • Den drastisch reduzierten Einsatz von Pestiziden und Kunstdünger
  • Das Ausbringen von Gülle und Mist ausschließlich während der gesetzlich festgeschriebenen Zeiten
  • Mehr naturverträgliche Landwirtschaft
    (kein weiterer Ausbau der Massentierhaltung, keine Güllesammlung, naturnahe Bewirtschaftung von Feldern, weniger Monokultur, Beweidung von Wiesen, deutlich mehr BIO!)
  • Das deutliche Reduzieren der Treibjagden
  • Das völlige Verbot von Jagden in Naturschutzgebieten
  • Mehr Tempolimits auf den Strecken durch wildreiche Gegenden
  • Besseres Bodenmanagement und ein drastisch reduzierter Flächenverbrauch

Wir wissen aus vielen Gesprächen und Rückmeldungen, dass wir in der Bevölkerung eine breite Mehrheit hinter uns und unseren Zielen haben. Immer mehr Menschen im Kreis Borken beklagen die „grünen Wände“ aus Mais oder das Fehlen von früher häufig zu beobachtenden Tieren und Pflanzen.

Die Entwicklungen verdeutlichen, dass es so nicht weitergehen kann. Man kann nicht noch mehr aus Mutter Erde herausholen. Der Boden, die Pflanzen und die Tiere werden schon bis aufs Äußerste ausgebeutet. Nun muss ein Umdenken erfolgen. Dies haben viele Menschen erkannt. Immer mehr Menschen konsumieren Bio-Produkte, verzichten auf Fleisch und andere Produkte tierischen Ursprungs. Es wird Zeit, dass sich auch einige Landwirte und Jäger eines Besseren besinnen und endlich wieder mit der Natur arbeiten, anstatt gegen sie.

Weitere Informationen:

Hohe Artenverluste in der Kulturlandschaft Nord- und Mitteldeutschlands
(Georg-August-Universität Göttingen)

Glyphosat – das Allestöter-Herbizid

Gift im Essen – Glyphosat – Das tägliche Gift – ZDFzoom

 

 

Rudolf Souilljee
für den Vorstand des NABU Kreisverband Borken.e.V.

Artikel teilen

About Author

Static Author Display Name