Allgemein Öffentlichkeitsarbeit — 20 Februar 2014

Was tut sich gerade in der Klimakommune Bocholt? Die Artikel der vergangenen Tage im BBV können den Eindruck erwecken, als ob sich manche Kommunalpolitiker nicht mehr der besonderen Verantwortung bewusst sind, die sie als politische Lenker einer Klimakommune haben. Doch der Reihe nach.

Der Langenbergpark ist eine bedeutende innerstädtische Grünanlage, gewissermaßen eine der (wenigen) „Grünen Lungen“ Bocholts. Das sollte sie auch bei einer sich verändernden Nutzung bleiben. Das Abholzen alter Bäume kann keine Möglichkeit sein, um neuen Platz zu schaffen. Es gibt sicherlich intelligentere Alternativen zum Fällen. Sind sich diejenigen, die immer so schnell und so leichtfertig das Fällen (gesunder) Bäume empfehlen bzw. beschließen, sich darüber im Klaren, dass es sich bei Bäumen um Lebewesen handelt, die ein Recht auf Leben haben, und uns zudem mit Sauerstoff, gefilterter Luft, Schatten und viel Wohlfühlgefühl versorgen?  Und sind sich die Entscheidungsträger darüber im Klaren, für wie viele andere Pflanzen und Tiere ein einzelner Baum Lebensraum bietet?

Bäume tragen maßgeblich zur Biodiversität bei! Ich habe manchmal den Eindruck, als entscheide man nur über tote Materie. Anders lässt sich auch die Planung für zusätzliche Parkplätze am Georgsgymnasium nicht erklären. Für weitere Asphaltflächen werden mal eben so einige Bäume entfernt, die noch einige hundert Jahre leben könnten. In diesem Fall geht es allerdings nicht nur um die Mitgeschöpfe, sondern auch um das, was eine Klimakommune eben nicht auszeichnet.

Mehr Parkplätze bedeuten auch mehr Anreize zum Autofahren. Es ist ja so bequem das Kind morgens zur Schule zu bringen. Weshalb sollte es auch den Weg zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen? Gegen den Bewegungsdrang der Kinder gibt es doch schließlich Psychopharmaka! Warum wird hier ein weiterer Anreiz zum Autofahren gesetzt? Lasst doch die Kinder laufen oder mit dem Fahrrad fahren, das ist schließlich klimafreundlich und zudem pädagogisch mehrfach sinnvoll!

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Eine Essbare Stadt bringt jeden Menschen wieder näher an die natürlich gewachsenen Lebensmittel heran.

 

Auch die Ablehnung des Konzeptes zur „Essbaren Stadt“ kann ich aus ökologischen und pädagogischen Gründen nicht nachvollziehen. Eine Essbare Stadt bringt jeden Menschen wieder näher an die natürlich gewachsenen Lebensmittel heran. Welches Kind kennt heute noch das Erlebnis, eine Möhre aus der Erde zu ziehen? Stattdessen kennen sie Gemüse nur aus der Dose oder bestenfalls vom Marktstand.

In einer Zeit zunehmender Naturentfremdung wäre die Umsetzung des Konzeptes zur Essbaren Stadt ein wichtiges Signal gewesen. Es bedeutet klimafreundlichen Anbau gesunder Lebensmittel (im wahrsten Sinne des Wortes), das Kennenlernen und Wertschätzen hochwertiger Lebensmittel, die Versorgung ärmerer Mitbürger mit gesunden Lebensmitteln (nicht nur über den Tafelladen) und viele gemeinsame Aktivitäten von Bürgern bei der Pflege und beim Ernten. Stattdessen werden die möglichen Flächen mit lärmenden, stinkenden, klimaschädigenden Laubsaugern „gepflegt“. Bevor nun die Klimakommune Bocholt im Tiefschlaf versinkt, mögen die Damen und Herren Politiker wieder wachwerden und sich ihrer besonderen Verantwortung bewusst werden.

Michael Kempkes
für den NABU im Kreis Borken

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