Informationen zu Hecken, Feldgehölzen und dem sogenannten Straßenbegleitgrün.

So wunderbar schön wuchernde Hecken, üppige Büsche und stattliche Bäume auch sind – ragen sie auf Bürgersteige, Straßen und Radwege können sie lästig, im schlimmsten Fall sogar gefährlich werden. Niemand läuft auf dem Gehweg gern Slalom, erst recht nicht mit Kinderwagen oder Rollator. Um die Sicherheit zu gewährleisten braucht es freie Sicht und freie Flächen für alle, die am Verkehr teilnehmen. Noch bis Ende Februar sind Kreisweit in den Kommunen die Mitarbeiter von Bauhöfen oder beauftragte Lohnunternehmer mit der Pflege des Straßenbegleitgrüns beschäftigt.

Nordkreis Borken Jan. 2014 018

Hier gilt es besonders ein sogenanntes Lichtraumprofil an den Straßen 4,50 m und an den Gehwegen 2,25 m in der Höhe frei zu schneiden. Sind in den Städten und Gemeinden ausgearbeitete Baumschutzsatzungen vorhanden so sind diese für alle Personen die hier tätig werden zu beachten. Auf öffentlichen Flächen tragen oft die Kommunen die Sorgfaltspflicht, auf Privatgrundstücken kann der Eigentümer haftbar gemacht werden sollte es durch Pflanzen auf seinem Grundstück zu Schäden kommen. Das Straßenbegleitgrün in Form von Bäumen und Sträuchern bildet ein Stück Lebensqualität für die Menschen, und liefert die Lebensgrundlage für Insekten, Vögel und Kleinsäuger. Es macht die Jahreszeiten erlebbar, verschönert von Asphalt und Beton dominierte Straßen, regt durch ihre Farbe, ihren Blütenduft und das Blätterrauschen die Sinne an. Es spendet Schatten, schützt vor Wind und seine Blätter binden Stäube und kämt Schadgase aus und Verbessert damit die Atemluft.

Feldgehölze, Hecken und Wallhecken hingegen sind typische Bepflanzungen auf die sich der Name Münsterländer Parklandschaft bezieht. Feldgehölze sind Kleinbestände, d.h. Gruppen von Bäumen und Sträuchern in einer ansonsten offenen, von Grünland und Äckern beherrschten Landschaft. Sie bieten in hervorragender Weise vielen Lebewesen wie Insekten, Vögeln, und Niederwild Rückzugsmöglichkeiten aus der offenen und intensiv genutzten Agrarlandschaft. Der Kreis Borken ist in den vergangenen Jahren zur größten Tierveredelungsregion in NRW aufgestiegen Parallel dazu hat man in dieses Gebiet politisch gewollt die höchste Anzahl Agrargasanlagen bauen lassen. Eine Region, in der man seit Jahren Probleme hat die riesige Menge anfallender Gülle zu entsorgen, geschweige denn die Flächen hat, die benötigt werden für den Anbau der Futtermittel für Millionen auf Gestalter Nutztiere .

Das dieses nicht ohne fatale Folgen und Nebenwirkungen für unsere heimische Natur einherging lässt sich in der offenen Feldflur für jedermann leicht erkennen. Riesige Feldschläge aus Maismonokulturen sind entstanden und es ist kein Ende absehbar wann es endlich wieder besser werden könnte.

Ohne intakte Biotobverbundsysteme wie Feldgehölze, Heckensysteme, Flüsse und Bäche sowie Ackerrandstreifen die der Kulturlandschaft jahrzehntelang eine ökologische Ausrichtung gaben, haben unsere heimischen Wiesenvögel und das Niederwild keine Chance mehr länger zu überleben. Die weiterhin einseitige Ausrichtung unserer Agrarwirtschaft mit ihren hohen Einträgen von Herbiziden, riesigen Mengen von Wirtschaftsdüngern, und Luftschadstoffen kann die Natur schon lange nicht mehr ertragen und dass zeigt sie auch für alle die es sehen wollen.

Zu den legalen, gesetzlich erforderlichen Pflegemaßnahmen der Kommunen, kommt jedoch noch eine Dunkelziffer von stümperhaft und illegal beseitigter Bäume und Sträucher oder auf den Stock gesetzter Hecken durch die heimische Agrarwirtschaft. Mit sogenannten Teleskopladern werden Bäume fürchterlich verstümmelt und grundlos bis auf 8 Meter Höhe aufgeastet. Wird diesem Umweltfrevel nicht bald energisch Einhalt geboten, so werden die letzten Reste einer „Parklandschaft“ absurdum geführt und die Vernetzung von Lebensräumen total abgeschnitten sein.

Touristen die im Jahr 2013 den Kreis Borken auf Fahrradtouren durchquerten, waren sehr betroffen und entsetzt von dem monotonen Zustand der Landschaft als auch dem Fehlen jeglicher Wild- und Nutztiere in der offenen Feldflur. Sie rieten in Leserbriefen davon ab, ihren Urlaub hier zu verbringen und wollen hier so schnell auch nicht wieder herkommen. Aussagen die in die gleiche Richtung gingen haben unlängst statistische Veröffentlichungen in der Lokalpresse über sinkende Übernachtungszahlen im Kreis Borken ergeben.

Bürger die den Verdacht auf unerlaubtes Entfernen von Hecken und Bäume haben können sich jederzeit an den örtlich zuständigen NABU Vertreter wenden. Dieser wird dann unverzüglich Maßnahmen ergreifen oder einleiten um der Sache auf den Grund zu gehen.

Herbert Moritz
für den NABU im Kreis Borken
Ihr Ansprechpartner für
Gewässerschutz, Jagdwesen, Agrarwirtschaft
und ADFC-Radtourenleiter.

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