Artenarme Feldflur im Westmünsterland aus Sicht eines Biologen

Das Westmünsterland außerhalb der Naturschutzgebiete ist wohl die am intensivsten bewirtschaftete Agrarlandschaft im Münsterland. Das war auch dem Münsteraner Biologen Dr. Thomas Hövelmann bekannt, als er sich in den Osterferien einen Eindruck über die Artenvielfalt in diesem Landschaftsraum im Vergleich zu anderen Bereichen des Münsterlandes verschaffen wollte. Das Ergebnis hat den Vorsitzenden des NABU-Bundesfachausschuss Botanik aber doch überrascht:

„Der Artenreichtum in der Agrarlandschaft des Münsterlandes ist überall stark rückläufig, aber so deutlich wie hier habe ich das noch nicht erlebt.“

Der Diplom-Biologe war vier Tage und mehr als 300 km mit dem Fahrrad im Westmünsterland und angrenzenden Gelderland unterwegs, hauptsächlich im südlichen Kreis Borken. „Ich habe in der Zeit mehr Biogasanlagen als Kiebitze gezählt, nicht eine Feldlerche gehört, dafür erstaunlich viele nagelneue Ställe und wirklich gewaltige Landmaschinen der neuesten Bauart gesehen“, so lautet sein ernüchterndes Fazit.

Besonders betroffen zeigte sich der Botaniker bei seinen Schützlingen aus der Pflanzenwelt: „Nur an acht Stellen wuchsen Sumpfdotterblumen in den Gräben, die um diese Jahreszeit nicht zu übersehen sind.“ Kein Wunder, sind doch die Fließgewässer und tiefen Gräben nach dem besten Stand der Technik ausgebaut, das restliche verbliebene Grünland ist jetzt schon gemäht. „Ich habe Schilder gesehen für den Wahlkampf mit dem Slogan: Für ein starkes Westmünsterland! Finde ich auch – stark im Geruch“, fasst Hövelmann seine Eindrücke zusammen. Einziger schwacher Trost für die Natur im Westen des Münsterlandes aus Sicht des Münsteraners: Auf niederländischer Seite im Gelderland sieht es noch schlimmer aus.

Sumpfdotterblume (Caltha-palustris) Foto: Egon Jürgenschellert

Sumpfdotterblume (Caltha-palustris) Foto: Egon Jürgenschellert

Wo wächst noch die Sumpfdotterblume?
Die „Butterblume“, wie die Sumpfdotterblume im Volksmund wegen ihrer fettig glänzenden Blütenblätter oft genannt wird, ist im Münsterland selten geworden. Wer noch weiß, wo welche wachsen, melde bitte den möglichst genauen Standort und ungefähre Anzahl der Blüten unter butterblume@NABU-Station.de, möglichst mit Einsendung eines Digitalfotos. Der NABU sammelt Daten über die Verbreitung dieser schönen Wildblume als Grundlage für die neue Rote Liste der bedrohten Pflanzenarten.

Dr. Thomas Hövelmann

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