Westmünsterländer Maiswüste bald Vergangenheit?

Eine Staudenpflanze Namens Silphie (Silphium perfoliatum) könnte in Zukunft einen Teil der monotonen Maisfelder, deren Pflanzen oft als Energiepflanzen in den ca. 90 heimischen Agrargasanlagen landen, zumindest zum Teil ersetzen. Sie wird als potenzielle Energiepflanze angesehen und ist vor allem aufgrund ihrer Anpassung an trockene Standorte interessant, da sie, anders als etwa Mais, ihre Feuchtigkeit nicht nur aus dem Boden, sondern auch aus den Blattbechern beziehen kann.

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Ihr Anbau würde nicht nur einen positiven optischen Reiz in der Kulturlandschaft hinterlassen, sondern vor allem für einen ökologischen Fortschritt sorgen. Mit ihren 6 – 8 Zentimeter großen Blütenständen könnte die bis zu 3 Meter groß werdende Staude mit den Namen Durchwachsende Silphie nicht nur für Methangasertrag in den Agrargasanlagen sorgen, sondern auch aus ökologischer Sicht für unsere Insekten große Bedeutung erlangen.

Noch wird sie relativ zaghaft als Test von einigen Biogasanlagenbetreibern im Kreis Borken angebaut. In ihrer Blütezeit von Juli bis September kann diese Staudenpflanze über einen längeren Zeitraum hin ein riesiges Nahrungsangebot für Bienen, Schmetterlinge und viele andere Insekten liefern. Dieses ist gerade in unserer heutigen Situation bei den geringen Fruchtfolgen und den steril gespritzten Feldschlägen der industriellen Agrarwirtschaft von größter Bedeutung zum Erhalt der Biodiversität. Trotz ihres starken Wachstums braucht die Pflanze nur 350 bis 450 Millimeter Jahresniederschlag.

Die Pflanze kann als Futter- und Silagepflanze angebaut werden, ab dem zweiten Jahr kann die Pflanze dann etwa zwischen 13 bis 25 Tonnen Biomasseertrag pro Hektar liefern. Da die Pflanzen im Herbst nicht vollständig abgeerntet werden gewähren sie den Wildtieren auch über den Winter Schutz. Bei der etwas aufwendigen Neuanpflanzung der Silphie werden 4 Pflanzen pro Quadratmeter von Hand in den Boden gesetzt, der Stückpreis pro Pflanze liegt bei etwa 10 Cent.

Eine mit Silphie bepflanzte Ackerfläche kann dann über 10 Jahre lang am gleichen Standort ohne Neuanpflanzungen genutzt werden. Bereits ab dem zweiten Jahr sind keine Herbizidmaßnahmen mehr erforderlich. Die Pflanzen können dann Ende September – Anfang Oktober ähnlich wie der Mais mit einem Häcksler geerntet werden.

(Nach einigen Diskussionen und Gesprächen unter Naturfreunden und NABU Mitgliedern im Kreis Borken bleibt bezüglich der oben erwähnten Maßnahme festzuhalten: Es ist sicher keine Lösung eine Monokultur durch eine andere abzulösen, jedoch sollte man den ökologischen Vorteil für die Insekten und den langjährigen Nichtgebrauch von Pestiziden als positiven Wandel anerkennen. Bei aller Kritik, die man der Agrarwirtschaft und ihren negativen Auswirkungen auf die Biodervisität auch vorwerfen muss, darf man nicht vergessen, der Landwirt muss von seinem Einkommen leben können und macht vieles aus wirtschaftlichen Druck einer völlig verfehlten, nicht nachhaltigen Politik auf Bundesebene.)

Herbert Moritz, Heek
heek@nabu-borken.de
für den NABU im Kreis Borken

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