Landwirtschaft Leserbriefe Presse — 26 September 2014

Leserbrief zum Artikel in den Westfälischen Nachrichten vom 19. September 2014, Ausgabe Nr. 218, „Gute Ernte, schlechte Preise“, in dem MdB und WLV Präsident Johannes Röring aus Vreden den Verbrauchern vorschlägt, sie sollten doch darüber nachdenken, ob so manche Spende an den NABU oder BUND nicht eingestellt werden sollte: „Nehmen Sie das Geld und spenden Sie es an Menschen, die an Hunger und Vertreibung leiden. Dort ist es besser angelegt als bei denen, die immer noch über uns Landwirte herziehen.“

Dreistes Ablenkungsmanöver von absurder Agrarpolitik

WLV Präsident Johannes Röring muss wohl unter großem Druck stehen, wenn er versucht, mit unsachlicher Polemik einen Keil zwischen Verbraucher, Umweltschützer und Landwirte zu treiben. Fast dreißigtausend Teilnehmer an den Demonstrationen auf der grünen Woche in Berlin, die alljährlich gegen eine völlig übersubventionierte und intransparente Agrarpolitik protestieren, die verbraucher-, bauern- und nutztierfeindlich ist, sprechen für sich. Wenn Herr Röring den Armutsflüchtlingen, die regelmäßig an den südeuropäischen Grenzen unter lebensbedrohlichen Bedingungen anlanden, helfen möchte, dann kann er doch die 120.000.000 Euro dafür nehmen, die gerade mal wieder benötigt werden, um die angehäuften Exportüberschüsse in Kühlhäusern zu verstecken. Die überschüssigen Lebensmittel könnten dann zusätzlich an die Menschen, die unter Hunger und Vertreibung leiden, verteilt werden. Viele von ihnen kommen mittlerweile auch aus Staaten, in denen ihnen der langjährig subventionierte Fleischmüllexport aus Europa die Lebensgrundlage entzogen hat.

Anstatt nach der Verweigerung Russlands, weitere Importe aus den EU Staaten zuzulassen, das auf Dumpingpreise aufgebaute Exportsystem zu überdenken, fordern die Lobbyisten dieser Branche „Weiter produzieren wie bisher, Augen zu und durch“. In seiner hoch gelobten Initiative Tierwohl können die freiwilligen Teilnehmer wie auf einem Basar aussuchen, welche Dinge sie denn vielleicht verbessern möchten. Da das ganze Vorhaben unter dem Label QS integriert ist hat der Verbraucher keinerlei Chance zu erfahren, was denn wo bei wem verbessert wurde.

Angesichts der heute noch negativen Verhältnisse im Umgang mit Nutztieren will er dem Verbraucher doch tatsächlich weiß machen, dass Jahrzehnte lange Nutztierhaltung erforderlich waren, um zu der Einsicht zu gelangen, dass man mit lediglich 4 Cent mehr pro Kilo Fleisch (5-6 Euro pro Schwein) artgerechte Nutztierhaltung betreiben kann. Wenn es so wäre, dann käme es einer nachträglichen Verhöhnung all der Landwirte gleich, die Ihre Höfe bereits aufgegeben mussten.

Im Übrigen kann im Kreis Borken kein ehrenamtlicher Naturschützer mehr die Schäden und Spuren, die unsere hochgelobte Veredelungsindustrie hinterlässt, auch nur annähernd beseitigen. Eine staatlich subventionierte Naturzerstörung, wie sie im Wahlkreis von Herrn J. Röring mittlerweile betrieben wird, kann eine lediglich auf Spenden basierende ehrenamtliche Naturerhaltung nichts entgegensetzen.

Herbert Moritz
für den NABU im Nordkreis Borken

Info für alle NABU Hompage Besucher:
Um sich als Verbraucher über die intransparenten Geschehnisse in der Agrarbranche unabhängig und transparent zu informieren, empfehle ich als hervorragende Informationsquelle das jährlich immer wieder neu erscheinende Buch „Der kritische Agrarbericht“.
Herausgeber: AgrarBündnis e.V. Konstanz
Verlag ABL Bauernblatt Verlags-GmbH

Artikel teilen

About Author

Static Author Display Name