Landwirtschaft Leserbriefe Presse — 22 September 2014

MdB Röring ruft die Verbraucher im Münsterland dazu auf, darüber nachzudenken, ob sie statt dem NABU oder dem BUND zu spenden, nicht lieber dieses Geld an Menschen geben, die an Hunger oder Vertreibung leiden. Ich habe selbstverständlich überhaupt nichts dagegen, wenn wir reichen Erdenbürger den armen Menschen etwas von unserem (materiellen) Reichtum abgeben. Allerdings stört mich dieser die Gesellschaft spaltende Aufruf Rörings massiv, denn alleine der NABU vertritt über eine halbe Millionen Mitglieder und auch der BUND hat eine Mitgliederzahl im sechsstelligen Bereich! Und noch viel mehr ärgert mich Rörings Aufruf für die hungernden Menschen zu spenden, weil gerade er als Schweinemäster durch seinen Broterwerb in erheblichem Maße zum Welthunger beiträgt. Zur Erinnerung: Für die Produktion von einem Kilo Fleisch werden gut 12 Kilo Getreide verbraucht. Würden wir in Europa und Nordamerika deutlich weniger Fleisch konsumieren, müssten weltweit nicht immer noch 800.000 Menschen an Hunger leiden.

Rörings Aufruf, den anerkannten Naturschutzverbänden keine Spenden zukommen zu lassen, ist auch deshalb an Dreistigkeit nicht zu überbieten, weil die Naturschützer durch ihr Handeln die Fehlentwicklungen in der Landschaft korrigieren müssen, die durch die industrialisierte Landwirtschaft in zunehmendem Maße verursacht werden. Durch immer mehr Pestizideinsätze, immer mehr Gülle und immer mehr Monokulturen ist der ehrenamtliche Naturschutz in ebenso zunehmendem Maße gefordert, da ohne ihn immer mehr heimische Tier- und Pflanzenarten abnehmen bzw. aussterben und die Böden und das Trinkwasser immer stärker belastet werden. Diese massiven Fehlentwicklungen, an denen sich Röring als großer konventioneller Landwirt auch aktiv beteiligt, berauben künftige Generationen ihrer Lebensgrundlagen. Wenn also nicht der Naturschutz etwas dagegen setzt, macht es keiner. Naturschutz ist Menschenschutz, das sollte Röring endlich begreifen, anstatt gegen eine immer größer werdende Gruppe in der Bevölkerung Stimmung zu machen!

Michael Kempkes

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