Artenschutz Leserbriefe Presse — 02 September 2014

Folgender Leserbrief wird vom BBV lediglich als redaktionell veränderte Stellungnahme veröffentlicht. Hier das Original:

Mit großem Befremden habe ich den kleinen Artikel am Rande gelesen und fühlte mich dabei gleich um einige Jahrzehnte zurück versetzt. Helmut Wisniewski (USD) wird dort mit den Worten zitiert: „Der Bürger erwartet saubere Flächen.“ Hat Herr Wisniewski, der mit dieser Aussage auch den Bürgermeister Holger Schlierf unterstützen möchte (BBV, 28.08.14), noch nicht die Zeichen der Zeit erkannt?

Immer mehr Menschen sind besorgt ob des immer schnelleren, dramatischen Artensterbens, das im Übrigen in derselben Ausgabe des BBV im überregionalen Teil mit einem großen Artikel thematisiert wird. Und das sind nicht nur mehr Umwelt- und Naturschützer, die diese Entwicklung der abnehmenden Artenvielfalt bemerken, sondern eben auch in zunehmendem Maße „Otto Normalbürger“. Der Einsatz von Herbiziden vernichtet sogenannte „Unkräuter“, aber er schadet auch zahlreichen Tieren und nicht zuletzt auch dem Menschen!

Haben die Herren Schlierf und Wisniewski noch nichts vom Bienensterben gehört? Das steht auch in unmittelbarem Zusammenhang mit dem großflächigen Einsatz von Pestiziden! Und dabei stehen die Bienen nur stellvertretend für zahlreiche andere Arten. Schmetterlinge, Käfer, Hummeln, Libellen, sie alle nehmen ab, weil immer mehr Gifte eingesetzt werden (in den großflächigen Monokulturen der industrialisierten Landwirtschaft), aber auch, weil immer mehr Pflanzen durch den menschlichen Ordnungswahn verschwinden. Warum nicht mal den Mut haben, Disteln stehen zu lassen? Sie sind auch wunderschön und locken zahlreiche Insekten oder so schöne Vögel wie Stieglitze (Distelfinken!) an.

Saubere Flächen gibt es schon mehr als genug. Da sind die asphaltierten oder gepflasterten Flächen, da sind die sogenannten Kiesgärten (ohne jeglichen ökologischen Wert, also ist der Begriff „Garten“ in dem Zusammenhang völlig unpassend). Nun ist es an der Zeit umzudenken! Lasst endlich in den Städten mehr Artenvielfalt zu. Viele Großstädte machen es mittlerweile vor und so ist es nicht verwunderlich, dass bspw. Berlin mittlerweile die Großstadt mit der größten Biodiversität in ganz Europa ist. Dort dürfen auch Wildkräuter wachsen. Und der Berliner weiß das mittlerweile zu schätzen.

Eine bunte Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten kann nur bereichernd sein. Also, liebe Hamminkelner, lasst die Giftspritze im Schrank und führt die Pestizide der fachgerechten Entsorgung zu. Und wenn die Verwaltungsspitze und die Kommunalpolitiker dies nicht verstehen, dann entsorgt sie gleich mit, spätestens bei der nächsten Wahl.

Michael Kempkes,
Isselburg

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