Der aktuelle Entwurf für ein neues Jagdgesetz sieht vor, daß der Abschuß wildernder Katzen in Zukunft verboten und bei Hunden nur noch im Ausnahmefall erlaubt sein soll. Das führt zu der Befürchtung, daß die Population verwilderter Katzen stark zunehmen wird und daß sich diese freilaufenden Katzen folglich zu einer Plage entwickeln werden.

Natürlich ist es aus Sicht von Tierfreunden zu begrüßen, daß das Töten von Katzen und Hunden eingestellt werden soll. Der NABU lehnt den Abschuß von Hunden und Katzen ab, nicht zuletzt wegen der Verwechslungsgefahr mit stark bedrohten Wildtieren wie Wolf und Wildkatze, aber auch weil der Abschuß dieser Tiere nur einen begrenzt positiven Effekt auf den Erhalt der biologischen Vielfalt hat; das tausendfache Töten dieser Tiere ist daher unverhältnismäßig grausam. Allein im Kreis Borken werden nach vom Landesumweltministerium veröffentlichen Zahlen derzeit etwa 1400 Katzen pro Jahr abgeschossen!

Es steht außer Frage, daß der Bestand verwilderter Katzen reduziert werden muß. Dies dient nicht nur dem Schutz der einheimischen Vogelwelt sondern verhindert auch, daß tausende kranke, unterernährte und von Parasiten befallene Katzen einen langsamen und qualvollen Tod sterben müssen, wie es heute oft der Fall ist.

Dabei besteht das sogenannte ‚Katzenproblem‘ bereits heute, obwohl jedes Jahr tausende Katzen erschossen werden. Das Tierheim Bocholt beispielsweise ist beinahe ständig am Rande seiner Kapazität belegt und kann kaum noch Katzen aufnehmen.

Daher empfiehlt der NABU, im Interesse des Artenschutzes und für das Tierwohl eine Kastrationspflicht für alle Hauskatzen mit Freigang zu beschließen. Zusätzlich sollten verwilderte Katzen gefangen und ebenfalls kastriert werden. Auf diese Weise wird ein unkontrolliertes Ausbreiten der Population verhindert, ohne daß die Tiere massenhaft abgeschlachtet werden müssen.

Zusätzlich wird eine Kennzeichnungspflicht für alle Hauskatzen gefordert. So kann wirkungsvoll verhindert werden, daß Hauskatzen ausgesetzt werden. Der Erfolg dieser Maßnahmen ist ernsthaft gefährdet, wenn nicht kastrierte Hauskatzen ausgesetzt werden, denn so setzt erneut eine unkontrollierte Vermehrung ein.

Natürlich muß es Ausnahmen für solche Katzen geben, deren Halter sich eine kontrollierte Fortpflanzung ihrer Haustiere wünschen. Solchen Katzen sollte kein Freigang gewährt werde. Dies betrifft vor allem Kater, hier haben die Halter keine Möglichkeit der Kontrolle.

Bei kastrierten Katzen ist nicht nur der Jagdtrieb geringer ausgeprägt, so daß die vom Menschen hinreichend gefütterten Hauskatzen während ihres Freigangs nicht gar so viele Vögel und Kleinsäuger wie Fledermäuse, Mauswiesel oder Eichhörnchen erjagen. Zudem können sich kastrierte Hauskatzen nicht mit der einheimischen Wildkatze verpaaren, eine der größten Gefahren für diese Art, die aufgrund von genetischer Durchmischung vollkommen zu verschwinden droht.

Es wird daher ein dringender Handlungsbedarf seitens der Kommunen gesehen, die nach Analyse der Deutschen Juristischen Gesellschaft für Tierschutzrecht e.V. im Rahmen einer Gefahrenabwehrverordnung das Recht haben, sowohl eine Kastrationspflicht als euch eine Kennzeichnungspflicht für alle frei laufenden Hauskatzen zu bestimmen.

Ebenfalls wäre zu überlegen, ob man nicht auch eine Steuer für Katzen mit Freigang erheben sollte. Die Einnahmen aus dieser Abgabe können die Kastration verwilderter Bestände finanzieren und sie kann gleichzeitig als Anreiz verstanden werden, seine Katzen nicht mehr unbeaufsichtigt ins Freiland zu entlassen, wie es bei Hunden schließlich ebenfalls nicht gestattet ist.

Katzenfindling

Das Katzenbaby auf dem Foto oben war zum Zeitpunkt der Aufnahme etwa 6½ Wochen alt. Es wurde mit etwa 4 Wochen abgemagert, dehydriert, mit aufgeblähtem Bauch, verklebtem Gesicht und vereiterten Augen allein an der Dingdener Straße in Bocholt gefunden. Es ist nach 2½ Wochen medizinischer Versorgung und Pflege inzwischen auf dem Weg der Besserung, dennoch kann man deutlich erkennen, welches Leid das Tier hinter sich hat.

Da sowohl das Tierheim als auch alle Pflegestellen derzeit belegt sind, mußte die Katze privat untergebracht werden. Sie steht als Beispiel für die vielen Tausend verwilderten Katzen, die nicht das Glück haben, von fürsorglichen Menschen gefunden und aufgenommen zu werden.

Ein Katzenpaar kann sich bis zu dreimal im Jahr fortpflanzen, mit üblicherweise drei bis fünf Jungtieren pro Wurf. Die mögliche Vermehrungsrate verwilderter Katzen, unter der Annahme, daß die durchschnittliche Zahl der Nachkommen sich ebenfalls nach Erreichen der Geschlechtsreife fortpflanzt, führt so im Laufe von nur sieben Jahren von nur einem Pärchen bis hin zu über 420.000 Katzen! Allein daran läßt sich erkennen, wie wichtig eine Kastration ist, selbst eine einzelne Operation kann so viel Leid und Elend verhindern.

Sascha Heßeling
Anholt
für den NABU im Kreis Borken

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