Derzeit wird in allen Gazetten wieder einmal Stimmung gegen die bevorstehende Gesetzesnovelle für ein ökologischeres Jagdgesetz in NRW gemacht. Da ich wöchentlich in allen Bereichen des Nordkreises Borken in der freien Natur unterwegs bin und unzählige Gespräche mit den Jägern/Jagdaufsehern/Jagdpächtern vor Ort habe, bekomme ich auch ein sehr realistisches Bild von dem, was sich da draußen abspielt. Man möge mich bitte lieber nicht reizen, die abscheulichen Geschichten, die mir dabei regelmäßig zu Ohren kommen, einmal zu veröffentlichen. Einige der Fotos, die man mir gezeigt hat, und das, was ich da regelmäßig zu sehen bekomme, hat sich in mein Gedächtnis gebrannt.

A-Mai 2014 086 Natur im Nordkreis B. 12.04.2014 009 Natur im Nordkreis B. 12.04.2014 048 Spezial Januar 2014 001

Es handelt sich leider nicht um Jägerlatein und viele der Jäger haben ihre Flinte schon an den sprichwörtlichen Nagel gehängt. Erstens, weil sie keine Lust mehr haben, bei den alljährlichen Treibjagden durch eine niederwildarme, steril gespritzte Agrarsteppe zu stolpern, und zweitens, weil sie sich für eine immer größer werdende Schar sogenannter Pseudojäger schämen. Dieses Hobbyistenklientel nimmt von § 1 Bundesjagdgesetz Absatz 2 (Hege) keine Notiz mehr und will in seiner knapp bemessenen Freizeit nur noch schießen.

Dazu fahren sie ins nahe Ausland, abseits vom Kreis Borken, in wildreichere Reviere, oder auf irgendwelche Schießstände. Wer, liebe Grünröcke, ist denn alljährlich in den Naturschutzgebieten des Kreises unterwegs und verhindert durch Entkusseln und Entfernen der unerwünschten Baum/Strauchvegetation deren komplettes Zuwuchern durch die nähstoffreiche Stickstoffwolke aus Ausgasungen unzähliger, ungefilterter Mastställe eurer Jagdkollegen? Selbst in diesen letzten Oasen der heimischen Natur außerhalb der todgespritzten Agrarsteppen darf sich das Wild nicht mehr erholen und es wird ihm bis in den letzten Winkel nachgestellt.

Das Misstrauen der Bevölkerung und die wachsende Kritik an den Methoden der Jäger ist selbstverursacht und begründet. Ausgenommen des Problems mit den herumstreuenden Katzen wird es höchste Zeit, dass sich die geistige Einstellung verändert. Es ist doch völlig absurd, dass jeder, der keinen Eintrag im polizeilichen Führungszeugnis hat, in einem Crashkurs den Jagdschein erwerben kann, ohne dass er sich anschließend um die heimische Natur kümmern muss, und einen Schrank voll Waffen sein Eigen nennt. Die Festplatte unserer heimischen Natur im Kreis Borken wird seit Jahren gelöscht und was haben die ca. 3000 Jagdscheininhaber bisher dagegen unternommen? Mit der Erkenntnis und der Ignoranz, den größten Prädator in den eigenen Reihen zu haben, lässt sich schwerlich gute Hege betreiben und die Natur erhalten. Bedauerlich, dass „§ 323 StGB-Unterlassene Hilfeleistung“ nicht auf die Natur anzuwenden ist und man die Verursacher für den katastrophalen Zustand nur selten belangen kann.

Herbert Moritz
48619 Heek

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