Landwirtschaft Öffentlichkeitsarbeit — 26 Dezember 2014

Als sich am Mittwoch, dem 17.12.2014, die Repräsentanten der Landwirte aus dem Kreis Borken in einem Ausflugslokal in Anholt trafen, muß Berichten zur Folge die Stimmung düster gewesen sein. So zitiert das BBV die Bauern mit „Wir sind ein Feindbild“.

Traurigerweise, und das kann im Prinzip nur an einer gestörten Kommunikation zwischen den Landwirten und anderen Teilen der Gesellschaft liegen, denn nicht die Bauern selbst sind die vielerorts in der Gesellschaft zu Recht gesehene Gefahr; viel mehr sind es die Riesen der Branche, die durch ihre marktbeherrschende Stellung das traditionelle Arbeiten der Landwirte auf kleinen Höfen und die über viele Generationen erfolgreiche landschaftspflegerische Tätigkeit zielgerichtet nahezu unmöglich gemacht haben.

„Ging es in den 1950er Jahren noch um ‚Wohlstand für alle‘, haben wir heute Lebensmittel im Überfluß“, wird Andreas Hemker aus Borken zitiert, und er hat Recht. Es besteht zweifelsohne eine hohe landwirtschaftliche Überproduktion, und die ist es auch, die sowohl den Bauern die Preise kaputt macht als auch für die fortschreitende Verödung unserer Kulturlandschaft verantwortlich ist, aus der ganze Artengemeinschaften durch Einwirkung von Gift oder durch Zerstörung des Lebensraums bereits verschwunden sind und auch weiterhin verschwinden.

„Familie, Freunde, Frieden und Freiheit“, so heißt es weiter, stünden auf der Liste der Prioritäten inzwischen ganz oben, weit vor Fleisch und Fortschritt, um zwei weitere F-Wörter dieser gelungenen Alliteration hinzuzufügen. Als Aktiver im NABU kann ich dem nur beipflichten.

Richtig wird erkannt, daß inzwischen fast die Hälfte aller Deutschen eingesehen hat, daß wir ohne eine industrielle Massentierhaltung auskommen können, wenn wir es denn wollen. Dieser Wert ist ausbaufähig, doch schon jetzt ist klar, daß auch die Landwirte gemeinsam mit dem Naturschutz eine Menge erreichen können.

Kommen wir weg von der die Preise drückenden Überproduktion der riesigen Agrarfabriken, werden auch die kleineren Betriebe dauerhaft überlebensfähig bleiben. Wird die Vergabe der EU-Subventionen im Sinne der bäuerlichen Familienbetriebe und der Landschaftspflege neu geregelt, so bieten sich den Landwirten bessere Arbeitsbedingungen, den Tieren und Pflanzen unserer Landschaft bessere Lebensgrundlagen und den Menschen in unserer Gesellschaft können gesunde Lebensmittel zur Verfügung gestellt werden, für die die Landwirte fair bezahlt werden.

Dies ist der neue „Wohlstand für alle“, den es sich anzustreben lohnt. Wenn die Gesellschaft gesund leben kann, mit gutem Essen, sauberer Luft, sauberem Trinkwasser und einer strukturreichen, lebendigen Landschaft, die man nach Feierabend oder an Wochenenden zur Erholung aufsuchen kann, um einfach mal die Seele baumeln zu lassen, ohne eine von Maisfeldern dominierte, industriell bewirtschaftete, ökologisch tote Umwelt vorzufinden, dann haben alle Menschen gewonnen.

Naturschutz ist auch Menschenschutz. Der Naturschutzbund spricht sich ausdrücklich für eine Landwirtschaft aus, die einen prägenden Einfluß auf die Landschaft haben soll, wie sie ihn über Jahrhunderte gehabt hat. Nur so ist überhaupt erst die strukturreiche und vielfältige Landschaft entstanden, in der auch die artenreichen Lebensgemeinschaften beispielsweise der Heide, der Wallhecke oder der Feuchtwiese existieren können.

Dies gilt es zusammen mit der Landwirtschaft zu bewahren und dort, wo es bereits der Flurbereinigung (man könnte es auch Sterbehilfe für die Effizienz störende Lebensräume nennen) zum Opfer gefallen ist, neu zu erschaffen.

Die Landwirte wünschen sich mehr Öffentlichkeitsarbeit. Auch dies begrüßt der NABU und es wird hiermit Hilfe angeboten, im Rahmen einer Zusammenarbeit zwischen Bauernverband und Naturschutz bei der Vermittlung der oben genannten Inhalte mitzuwirken.

Dafür müssen sich die Bauern nur der allein der Agrarindustrie nutzenden Vormundschaft durch ausgesprochen gerissene Machtpolitiker vom Schlag eines Johannes Röring entledigen, durch die sich Landwirte zur Zeit tatsächlich wirtschaftlich wie gesellschaftspolitisch ihr eigenes Grab schaufeln.

Sascha Heßeling
Anholt

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