Das weitere Verschwinden der sogenannten „Parklandschaft des Münsterlandes“ macht ,dem NABU und dem BUND, zur Zeit große Sorge. Als ein Beispiel sei hier besonders die gerade vollzogene Totalabholzung einer landschaftsprägenden Baumreihe mit großen alten Eichen und einem Hecken-Unterwuchs an der Heeker Str. (K 32) am Ortsausgang von Legden-Asbeck (Ri. Heek) bzw. an einer kommunalen Nebenstraße Richtung Westen genannt.

Nahezu alle Hecken, die nun maschinell „gepflegt“ werden, werden zu schmalen, ökologisch unbedeutenden Spalieren zusammengeschnitten und häufig werden die Äste weggerissen und zerfetzt. In vielen Hecken werden alle großen alten Bäume geerntet, es bleiben kaum noch bedeutende Überhälter stehen. Die Bauhöfe der Kommunen und des Kreises scheinen sich nicht an eigene Vorgaben zu einer naturverträglichen Pflege der Gehölze im „Straßenbegleitgrün“ zu halten.

(vgl.: Hecken in der Kulturlandschaft (Kreis Borken), Gehölzpflege (Straßen NRW)).

Heeker-Str-Abholz (6) L-A-11.01.2015-028 Natur Heek-Legden 02.02.2014 013 L-A 11.01.2015 004 L-A-11.01.2015-030 Spezial Januar 2014 006

Fatal ist nun, dass bei weiter vordringenden Mais-Monokulturen und der weiteren Ausräumung der Landschaft die Hecken und Gehölzstreifen die einzigen verbliebenen für das Überleben der Tier- und Pflanzenarten wichtigen Biotopverbundlinien (Lebensadern) in der Landschaft darstellen!

Die Straßenbäume werden viel zu hoch (weit über die Notwendigkeiten der Verkehrssicherungspflicht hinaus!) abgeastet. Dabei werden den Bäumen viele Wunden zugefügt, die eine Erkrankung der Bäume wahrscheinlich machen. Es werden häufig regelrechte Baum-Karikaturen geschaffen. Es entstehen „schattenlose Bäume“ (d.h. Radfahrer haben in den heißen Monaten des Jahres unter solchen Bäumen so gut wie keine Beschattung mehr). Hier wird eher das öffentliche Eigentum beschädigt.

Besser könnte man an manchen Orten grün angestrichene Pfähle aufstellen. Selbst mitten im Feld wird zu hoch abgeastet.

Der NABU und der BUND im Kreis Borken erhalten gerade wieder zahlreiche Hinweise aus der Bevölkerung über Pflegemaßnahmen an Bäumen, Sträuchern und Straßenbegleitgrün. Die Menschen hier in unserer Region sind nicht mehr gewillt, die weitere Zertsörung unserer Kulturlandschaft einfach so hinzunehmen und bitten die zwei größten deutschen Naturschutzverbände, den NABU und den BUND, um Hilfe gegen diese Art Ökoterror in der Landschaft.

Von:
Herbert Moritz für den NABU im Kreis Borken
Jürgen Kruse für den BUND im Kreis Borken

Addendum:

Herbert Moritz (NABU) und Jürgen Kruse (BUND) haben aus dem Nordkreis über das Abholzen von Hecken und vielen älteren Bäumen darin berichtet. Auch im Südkreis dröhnen derzeit allerorten die Kettensägen und die Motoren der Fahrzeuge, die die Hecken beschneiden. Ebenso wie bspw. in Heek, bleibt es leider nicht nur beim Beschneiden, sondern es werden ganze Hecken entfernt.

In Werth ist entlang der Straße Münsterlandtor ebenfalls sehr viel „auf den Stock gesetzt“ worden (deutlich mehr als 10%). Dabei wurden auch viele größere Bäume gefällt. Wenn ich dort vorbei komme, stellt sich mir immer wieder die Frage, weshalb in Deutschland (vor allem im Kreis Borken!) kein Baum mehr alt werden darf. Wir Menschen räumen noch immer die Landschaft leer, spielen uns als Landschaftsgestalter auf und lassen kein bisschen Wildnis mehr zu. Jeder Quadratzentimeter Land wird verplant. Es gibt hier offenbar so gut wie keine Flächen mehr ohne anthropogene Einflüsse! Ist das nicht erschreckend? In Irland habe ich weite Flächen bestaunt, um die sich offensichtlich kein Mensch kümmert. Dort grasen nicht einmal Schafe. Dort kann sich Wildnis breit machen, Natur entwickeln.

Fehlt uns Deutschen, die wir ja ach so ordnungsliebend sind, der Mut dazu, Wildnis wieder zuzulassen? Warum hacken wir jeden Baum um, der sich so allmählich zu einem stattlichen Riesen entwickelt? Hat das noch mit der Zeit zu tun, als die christlichen Missionare die Germanen durch das Fällen der alten Eichen vom „richtigen Gott“ überzeugen wollten?

Ich frage mich immer wieder, was werden unsere Kinder und vor allem deren Kinder und Enkel irgendwann dazu sagen, dass es in Deutschland kaum noch Baumriesen gibt? Warum lassen wir das zu?

Gewiss, Bäume werfen ihr Laub ab, verschmutzen Fahrzeuge, werfen totes Geäst ab, aber … sie sind wunderschön, sie sind Lebensraum für zahllose Tiere und Pflanzen (Epiphyten), sie bieten unzähligen Lebewesen Nahrung (auch nach ihrem natürlichen Tod), sie spenden Schatten und Sauerstoff, filtern die Luft … und nochmal: sie sind wunderschön!

Auch das Abholzen der Hecken ist zu beklagen. Wie Herbert Moritz und Jürgen Kruse schon schrieben, es verschwinden in der zunehmend agrarindustriell geprägten Landschaft des Westmünsterlandes die Hecken, und es sind häufig die letzten Rückzugsmöglichkeiten für viele Tiere ohne Lebensraum. Auch das Wandern der Tiere wird dadurch verhindert, zumindest aber erschwert.

Das Bearbeiten der Hecken und Bäume während des Winters muss einem externen Monitoring unterliegen, d.h. es dürfen nicht diejenigen die Maßnahmen kontrollieren, die sie auch in Auftrag gegeben haben. Anders lässt sich der Raubbau nicht verhindern. Die Naturschutzorganisationen müssen dies vehement einfordern, um in Zukunft weitere Kahlschläge zu verhindern.

Michael Kempkes,
NABU Anholt

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