Abendvortrag beim NABU-Kreisverband Borken in Rhede

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Straßen- und Wegränder sind die letzten Refugien unserer Wiesenblumen mit ihren zahlreichen Blütenbesuchern. Bei richtiger Unterhaltung lässt sich hier noch ein bisschen Artenvielfalt erhalten, die auch das Auge des Betrachters erfreut. Das waren die wichtigsten Thesen, die Dr. Thomas Hövelmann von der NABU-Naturschutzstation Münsterland bei seinem Abendvortrag in Rhede am vergangenen Donnerstag vorstellte.

Die Industrialisierung der Landwirtschaft im Münsterland der letzten Jahrzehnte hat zu einem weitgehenden Verlust blütenreicher Wiesen und vieler Strukturen der Münsterländer Parklandschaft gesorgt. Als Folge sind nicht nur die „Vermaisung“ der Landschaft und die Überdüngung von Luft, Wasser und Boden zu beklagen, sondern auch ein dramatischer Rückgang von Insekten als Nahrungsgrundlage der heimischen Vogelwelt.

Damit steigt die Bedeutung der Weg- und Straßenränder, die als letzte verbliebene Refugien für eine Vielzahl von Pflanzen- und Tierarten dienen. Viele der charakteristischen Pflanzen stellte der Botaniker und Diplom-Biologe in schönen Bildern vor, verbunden mit einem kleinen Ratespiel, um die botanischen Kenntnisse der Besucher auf die Probe zu stellen. Das gemütliche Vereinsheim der NABU-Ortsgruppe Rhede war fast bis auf den letzten Platz gefüllt, und unter den ca. 30 Interessierten waren nicht nur NABU-Aktive, sondern auch Vertreter der Landwirtschaft, der Stadt Rhede, der Wasser- und Bodenverbände und Imker.

Leider ist jedoch auch diese an den Rand gedrängte Restnatur gefährdet. Aus wirtschaftlichen Gründen vorgenommenes Mulchen der Weg- und Straßenränder mit Verbleib des Schnittguts auf der Fläche, Nährstoffeinträge aus benachbarten landwirtschaftlichen Intensivflächen und das Wegpflügen öffentlichen Grund und Bodens gefährden die Vielfalt am Straßenrand. Für eine Verbesserung der Situation setzt sich die NABU-Naturschutzstation Münsterland intensiv ein, beispielsweise mit der Erarbeitung von Nutzungskonzepten des anfallenden Mahdgutes in Biogasanlagen und für Mahdgutübertragung auf Naturschutzflächen. Seit vielen Jahren pflegt der NABU in Münster mit Hilfe von ehrenamtlichen Kräften in überschaubarem Umfang einzelne Strecken an Straßen und Wegen, mit beachtlichem Erfolg.

Aber auch im Kreis Borken gibt es vielversprechende und lobenswerte Ansätze, wie sich aus der angeregten Diskussion im Anschluss ergab. So hat die Stadt Rhede u.a. aus ökologischen Gründen die Straßenunterhaltung jüngst von zwei- auf einschürigen Schnitt umgestellt und den Mahdzeitpunkt nach hinten verlegt. Auch einer der anwesenden Wasser- und Bodenverbände hat aus ökologischen Gründen die Unterhaltungsmahd im Jahr nach hinten verlegt, zudem wurde betont, dass bei der Gewässerunterhaltung das Mahdgut ohnehin abgeräumt und – im vorgestellten Fall – zur Kompostieranlage verbracht wird.

Abschließend warb Hövelmann für die derzeit laufende Florenkartierung NRW. Mit Hilfe zahlreicher ehrenamtlicher Helfer wird damit die Datengrundlage für die kommende Neuauflage der Roten Liste der gefährdeten Farn- und Blütenpflanzen NRW erarbeitet, die 2020 vorliegen soll. Interessenten können sich auf der Internetseite der NABU-Naturschutzstation Münsterland über weitere Einzelheiten informieren. Unter den Besucher waren einige hinreichend fachkundige Personen, wie die Probe beim Vortrag ergab – voll motiviert versprachen sie sofort, die Florenkartierung NRW zu unterstützen.

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