Bocholt Landwirtschaft — 26 Mai 2015

NABU-Mitglieder beim Bocholter City-Lauf – oder der Etikettenschwindel der Möchte-gern-Grünen!

In diesem Jahr beteiligten sich aktive Naturschützer am Bocholter City-Lauf. Dabei ging es nicht so sehr um gute Zeiten, sondern vielmehr darum, durch das NABU-T-Shirt Farbe zu bekennen und den Gedanken des Naturschutzes nach außen hin zu tragen. Das ist offensichtlich gelungen. Sonja kam dabei in ihrem blauen Shirt als Wolfsbotschafterin eine besondere Rolle zu.

Farbe bekennen wollten offensichtlich auch die Landwirte, die in grünen Shirts aufliefen und dabei den Slogan „Wir sind die wahren Grünen“ auf dem Rücken zur Schau trugen. Doch wenn man in den vergangenen Wochen aufmerksam verfolgt hat, wie viel Grünland in Bocholt und Umgebung unter den Pflug gekommen ist und noch immer kommt, dann muss man an dieser Botschaft wohl arge Zweifel haben.

Bevor das Grünland umgebrochen wird, erfolgt noch schnell eine Mahd kurz oberhalb der einstigen Grasnarbe. Den scharfen, sich schnell drehenden Mähwerkzeugen dürfte wohl kaum ein Tier entkommen: Insekten, Amphibien, Vogeljunge (Kiebitze) und auch Säugetiere bis hin zum Rehkitz kommen auf bestialische Art und Weise ums Leben.

Das Grünland ist, trotz der Gras-Monokultur und der damit einhergehenden Artenarmut, ein wichtiger CO2-Speicher. Doch der Anbau von klimaschädlichem Mais ist wohl erträglicher! Doch bevor umgepflügt wird, ergießt sich erst noch eine üppige Gülleflut über das ausgebeutete Land.

Nein, Ihr Landwirte seid nicht die wahren Grünen! Wer Grünland in diesen Dimensionen umbricht, wer die Böden mit Gülle flutet und dabei alles Leben im Boden abtötet, wer zur Lebensmittelproduktion krebserregendes Glyphosat auf den Feldern versprüht, wer eine nie dagewesene Artenarmut verursacht, der kann nicht allen Ernstes behaupten, ein „wahrer Grüner“ zu sein. Das ist Etikettenschwindel!

Die Naturschützer sind die einzig wahren Grünen. Wir müssen das versuchen zu reparieren, was die Menschheit in ihrem Konsum- und Wachstumswahn an ökologischem (und ökonomischem) Schaden anrichtet. Wir wissen natürlich auch, dass die Landwirte unter den niedrigen Preisen leiden und dass sie unter einem hohen wirtschaftlichen Druck stehen. Dies rechtfertigt aber nicht den Etikettenschwindel und das völlige Ausbeuten der Landschaft!

Michael Kempkes
NABU Bocholt

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