Anlässlich der aktuellen Diskussionen um Glyphosat fordert der NABU-Kreisverband Borken e.V. alle 17 Kommunen im Kreis Borken dazu auf, freiwillig auf glyphosathaltige Pestizide bei der Pflege öffentlicher Grünanlagen wie Verkehrsinseln, Beete, Friedhöfe und Parks zu verzichten. Diesen dringenden Appell richten wir als Naturschützer nicht nur wegen der verheerenden Auswirkungen dieses Giftes auf die Biodiversität (Artenvielfalt), sondern auch aus der Besorgnis um die Gesundheit der Bevölkerung!

Glyphosat ist das weltweit am meisten eingesetzte Herbizid. Bedenkenlos wird es unter dem Handelsnamen „Roundup“ versprüht, in der Hoffnung auf „unkraut“freie Blumenbeete und Gartenwege. Dabei schadet es Mensch und Natur erheblich. So gilt das Mittel laut Weltgesundheitsorganisation als wahrscheinlich krebserregend. Die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC), eine Unterorganisation der Weltgesundheitsorganisation (WHO), hatte den Stoff Glyphosat im März als „wahrscheinlich“ krebserregend eingestuft. Auch treten endokrine Störungen wie verminderte Fruchtbarkeit und Störungen der Embryonalentwicklung auf. Mehrere wissenschaftliche Studien belegen deutliche Auswirkungen auf die Reproduktionsfähigkeit von Amphibien und Fischen. Neben den direkten toxischen Effekten gefährdet die Wirkung als Breitbandherbizid auch zahlreiche andere Organismen, denn durch die Vernichtung der Wildkrautflora gehen Nahrungsquellen und Lebensräume verloren.

Eine zunehmende Zahl an Experten hält daher eine umfassende Neubewertung der Risiken des Pflanzengifts für überfällig. Erst kürzlich hatte auch die Verbraucherschutzministerkonferenz der Länder den Bund aufgefordert, die Abgabe von Glyphosat an Privatpersonen für Haus- und Kleingärten zu verbieten. Die Grünen im Bundestag hatten Baumärkte im Mai dieses Jahres zu einem freiwilligen Verzicht auf Glyphosat aufgerufen. Einige Unternehmen hatten erklärt, künftig auf den Verkauf von Glyphosat-Produkten zu verzichten. Die Baumarktkette Toom ist mit gutem Beispiel vorangegangen und hat angekündigt, bis Ende September sämtliche Produkte mit dem Pestizidwirkstoff Glyphosat auszulisten.

Unser Nachbarland Frankreich geht ebenfalls mit gutem Beispiel voran. Frankreichs Landwirtschaftsministerin Ségolène Royal hat ein Verkaufsverbot für das umstrittene Pflanzenschutzmittel „Roundup“, das Glyphosat enthält, in Gartenzentren verkündet. Auch die amerikanische Umweltschutzbehörde EPA überprüft momentan die Zulassung von Glyphosat und will noch in diesem Jahr entscheiden, ob der Einsatz des Pestizids begrenzt werden soll.
Wir vom Naturschutzbund im Kreis Borken fordern deshalb alle Kommunen im Kreis Borken und den Kreis selbst dazu auf: Setzen Sie sich für giftfreies Gärtnern ein und schützen Sie Mensch und Natur vor weiteren Pestizidbelastungen! Ein freiwilliger, dauerhafter Verzicht auf diese gefährlichen Mittel hat auch eine beispielgebende Signalwirkung in die Bevölkerung.

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