Bocholt — 27 Februar 2016

Auch auf die Gefahr hin, dass der Eindruck erweckt wird, der NABU habe auch immer etwas zu meckern, sehen wir uns doch dazu gehalten, die weiteren innerstädtischen Baumfällungen zu kritisieren und die gravierenden ökologischen Folgen aufzuzeigen.

Wer, wenn nicht wir, setzt sich denn für den Erhalt von Natur in unserer Stadt und darüber hinaus ein? Von der Politik kommt da leider sehr wenig! Hat da keiner mehr den Mumm dagegen zu halten?
Wir fragen uns auch: muss erst immer alles zerstört werden, um dann mit viel Aufwand und doppelten Kosten wieder repariert zu werden?

Es scheint ja gerade so zu sein, dass nicht nur vielen Jugendlichen unter 23 Jahren das Umwelt- und Naturverständnis abhandengekommen ist, sondern einem Großteil der Bevölkerung.

Bei den Baumfällaktionen 2015 im Langenbergpark, da haben sich noch einige Bürger gemeldet. Doch wo bleibt der Aufschrei jetzt? Hallo, hier seid ihr und alle anderen Bürger in unserer Stadt wieder gefordert. Nehmt es nicht hin, dass in Bocholt immer mehr Natur verschwindet und Bäume für Baumaßnahmen gerodet werden.

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Kaum sind die letzten an der Aapromenade in Höhe des Textilmuseums gefällten 45 (!) Bäume zersägt und geschreddert, fallen in Bocholt reihenweise die nächsten Bäume. Am Theodor-Heuss-Ring sind am Aschermittwoch zahlreiche Bäume den Sägen und Baggern zum Opfer gefallen. Vergeblich war das Ringen des NABU um dieses letzte zusammenhängende innerstädtische Stück Natur Bocholts. Wir machten darauf aufmerksam, welche ökologische Bedeutung dieser letzte große innerstädtische Garten hatte. Doch jetzt stehen – mal wieder! – die kommerziellen Interessen im Vordergrund. Es soll ein modernes Gebäude für hochpreisige Wohnungen und Büros hochgezogen werden, koste es was es wolle!
Und der Preis ist verdammt hoch.

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Nicht nur für die künftigen, sicherlich solventen Mieter, sondern vor allem für die Natur. Mal wieder werden für kommerzielle Interessen Bäume in der Innenstadt geopfert. Darf in Bocholt kein Baum mehr alt werden?

Warum gibt es nur in anderen Städten und Dörfern 500-jährige Eichen und 1000-jährige Linden?
Nur in einer Stadt, die die Buche im Stadtwappen trägt und die zudem Klimakommune sein will, werden die Bäume recht jung gefällt!

Irgendwann werden unsere Urenkel fragen, wo die alten Bäume sind. Sie werden fragen, weshalb es in Bocholt keine Naturmonumente gibt. Warum berauben wir die kommenden Generationen um diese wichtigen Mitgeschöpfe?

Alle Klimaforscher und Stadtökologen heben immer und überall die Wichtigkeit von Bäumen für ein halbwegs gesundes innerstädtisches Klima hervor. Sie brechen den heftigen Wind, der zwischen den erhitzen Gebäuden unvorhersehbare Dynamiken entwickeln kann. Die Bäume sorgen für Schatten und für Sauerstoff in den aufgeheizten Betonwüsten. Sie filtern die Luft, schlucken Lärm. Und die Bäume haben auf die Menschen eine so beruhigende Wirkung, sie sind die Verbindung der Stadtmenschen zur Natur; ganz davon abgesehen, bieten Bäume zahllosen Tieren und Pflanzen Nahrung und Lebensraum.

Klar, das bedeutet auch viel Arbeit: Baumpflege, Laubbeseitigung, Verkehrssicherheitspflicht usw.
Aber sollte es das einer Klimakommune, die für diesen Status auch Geld erhalten hat, nicht wert sein?

In vielen Städten hat man dies bereits erkannt. In Berlin sind seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges fast 300.000 Stadtbäume gepflanzt worden. Und dennoch konnte die Stadt wachsen.
Das eine schließt also das andere keineswegs aus! Das haben die dort tätigen Stadtplaner offensichtlich gut erkannt.

In Bocholt agiert man dagegen leider erst immer mit der Kettensäge. Fehlt hier die Kreativität, um Bäume in neue Konzepte zu integrieren? Muss man erst immer eine kahle Fläche haben, um dann planen zu können? Dieses Eindrucks können wir uns nicht erwehren!

Wer mit wachem Blick unterwegs ist, muss allerdings feststellen, dass nicht nur innerstädtisch der Kahlschlag Programm ist, sondern auch an zahlreichen Straßen, auch außerhalb Bocholts. Hier wird das „Straßenbegleitgrün“ auf den Stock gesetzt. Nach unserem subjektiven Eindrücken erfolgt dies allerdings nicht mit dem gebotenen Augenmaß und entsprechend den allgemeinen Empfehlungen, sondern in einem erschreckenden Ausmaß. Statt 10% der Hecken auf den Stock zu setzen, bleiben hier allenfalls 10% stehen!

Nach Aussagen des Landesstraßenbauamtes ist das nicht so, sondern normaler Pflegealltag. Es darf nicht sein, dass unsere Lebensgrundlagen immer mehr zerstört werden und die Mehrzahl der Bürger nimmt das alles wortlos in Kauf.

Gutes Trinkwasser und saubere Luft sind die wichtigsten Grundlagen für das Überleben unserer nachfolgenden Generationen, und insbesondere zu letzterem tragen Bäume, Sträucher und Hecken in höchstem Maße bei.

Rudolf Souilljee
für den NABU KV. Borken e.V.

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