Der Titel dieses Artikels mag auf den ersten Blick provokant klingen, vielleicht sogar etwas zynisch anmuten. Doch so ist er gar nicht gemeint. Wie man unten stehenden Bildern entnehmen kann, hatte das Isselhochwasser der vergangenen Woche auch seine schönen Seiten. Bei einem Spaziergang konnte ich mich von der großen Artenvielfalt der Fläche überzeugen, die dort um das Haus Engbergen angelegt wurde. Für Mensch und Natur ein echter Gewinn!

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Entstanden sind die Aufnahmen direkt hinter der Grenze bei Gendringen, nur wenige Kilometer von der Stelle des Flusses entfernt, an dem die Isselburger sich gleichzeitig Sorgen machten, ob ihr Deich wohl halten würde. Natürlich hatte die Bevölkerung des beschaulichen Städtchens im niederländischen Achterhoek keinen Grund zur Sorge, denn sie hatten schon Jahre vorher durch einen weitsichtigen Gewässerausbau im Sinne des Hochwasser- und auch Umweltschutzes nicht nur ein Naherholungsgebiet erster Güte sondern auch Brutplätze für viele bei uns selten gewordene Vogelarten geschaffen, das im Falle von größeren Regenmengen diese Gefahr von bewohntem Gebiet abwendet.

Die Überflutungsflächen, die sich an Aa und Issel auf niederländischer Seite finden, sorgen dafür, daß sich beide Flüsse ausbreiten können, so daß das Wasser nicht gleichzeitig durch einen viel zu engen Kanal strömen muß, wie es zwischen Hamminkeln und Anholt bei der ins Korsett der nicht einmal einen Meter vom Fluß entfernt stehenden Deiche gezwungenen Issel der Fall ist – und auch entlang der Bocholter Aa sieht es meist nicht besser aus.

Welchen Experten für Wetterphänomene man auch befragt, alle sind sich einig: Starkregenereignisse wie die der vergangene Woche werden in Zukunft häufiger. Auch bisher wenig gefährliche Flußläufe werden immer öfter Hochwasser führen. Alle Städte und Gemeinden entlang von Aa und Issel sind aufgerufen, jetzt zu handeln! Beim nächsten Hochwasser ist es für Isselburg vielleicht schon zu spät.

Sascha Heßeling
NABU Anholt

Nachtrag:
Entgegen anders lautender Interpretationen (siehe Leserbrief im BBV vom 18.06.) soll dieser Artikel nicht so mißverstanden werden, daß das Hochwasser in allen seinen Auswirkungen ein Glücksfall für die Natur sei. Natürlich sind Ausschwemmungen belasteter Böden ein Problem, auch Ölfilme konnten auf Aa und Issel beobachtet werden (was sicherlich nicht allein der Landwirtschaft angelastet wird). Es geht in diesem Artikel darum zu zeigen, wie ein vorsorglicher wasserbaulicher Umgang mit der Hochwassergefahr dazu führt, daß betroffene Bürger im Ernstfall ruhig schlafen können und sich keine Sorgen machen müssen.

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