Pressemitteilung des Naturschutzbundes (NABU), Kreisverband Borken

Die Firma Jemako möchte erneut ihren Gebäudekomplex erweitern. Dazu sollen etwa 10.000 Quadratmeter Mischwald gerodet werden, so dass die Fläche anschließend bebaut werden kann. Wir als Naturschutzbund haben uns als Träger öffentlicher Belange unmissverständlich und eindeutig gegen die Vernichtung des ökologisch wertvollen Mischwaldes ausgesprochen und dazu auch eine ablehnende Stellungnahme eingereicht. Die Fa. Jemako hat selbst Artenschutzgutachten in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse die hohe ökologische Bedeutung dieses Gebietes verdeutlichen:

Amphibien: eine größere Population Erdkröten, die den angrenzenden See als Laichgewässer nutzen, haben im Wald ihren Landlebensraum. Alle heimischen Lurcharten leiden massiv unter dem noch immer ungebrochen fortschreitenden Flächenverlust durch Straßen- und Siedlungsbau.
Avifauna: als gefährdete Brutvogelarten konnten Star und Feldsperling nachgewiesen werden. NABU-Mitglieder konnten dort jedoch auch den Schwarzspecht, den Buntspecht und den Habicht nachweisen. Der angrenzende See bietet zudem ein hohes Potenzial für durchziehende und rastende Wasservögel verschiedener Arten, was auch durch ein von der Jemako Holding GmbH in Auftrag gegebenes avifaunistisches Gutachten belegt wird. Dort sind insgesamt 42 Vogelarten nachgewiesen, was nochmals die hohe ökologische Bedeutung dieses Mischwaldes dokumentiert. Auch seltene Arten wie Sommer- und Wintergoldhähnchen, Sumpf- und Schwanzmeise wurden beobachtet.
Fledermäuse: 9 Arten (!) wurden nachgewiesen; der Wald dient dem Nahrungserwerb und ist eine wichtige Flugstraße.

Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass dieser Mischwald einen hohen ökologischen Wert hat und seine Vernichtung für viele bedrohte Tierarten einen weiteren, nicht wieder gutzumachenden Lebensraumverlust bedeuten würde. Die Vögel mögen aufgrund ihrer Mobilität möglicherweise noch Alternativen finden, für die recht standorttreuen Fledermäuse und erst recht für die vergleichsweise wenig mobilen Lurche ist die Vernichtung des Mischwaldes katastrophal. Der Mischwald weist einiges an Totholz auf, was seinen ökologischen Wert nochmals erhöht. Allerdings wurde zu unserem Befremden bereits mit Fällarbeiten begonnen, bei denen nicht nur Kiefern und Birken gefällt wurden, sondern auch einige Buchen! Offensichtlich will man Fakten schaffen. Doch wir fragen uns, warum nicht der naheliegende, ökologisch wertlose Maisacker bebaut wird anstelle eines vergleichsweise wertvollen Gebietes.

Soweit wir wissen, ist die Ausgleichsfläche (Naturzerstörung kann man nicht einfach so ausgleichen!) nicht in Rhede bzw. dem Umland angedacht, sondern im rund 80 Kilometer entfernten Ascheberg, nahe Münster. Somit kommt der Ausgleich auch nicht den Tieren zugute, denen man zuvor gewaltsam ihren Lebensraum zerstört hat. Wir fragen uns, weshalb ein Unternehmen, das auf seiner Homepage auch den Gedanken des Umweltschutzes demonstrativ für sich reklamiert, eine derartige Natur zerstörende Maßnahme allen Ernstes umsetzen will.

Aus dem Rat der Stadt Rhede kommt, bis auf die Bekundungen der Grünen, kein Widerstand, sondern eine allgemeine Zustimmung. Haben diese Damen und Herren noch immer nicht verstanden, dass wir Menschen nicht alles dem Wirtschaftswachstum unterordnen dürfen? Im Sinne der Nachhaltigkeit müssen wir allmählich erkennen, dass der Fetisch „Wirtschaftswachstum“ künftigen Generationen die Lebensgrundlagen entzieht. Was haben die Kinder von morgen davon, wenn wir heute durch weitere irreparable Naturzerstörungen einige wenige Arbeitsplätze schaffen? Sie werden uns vielmehr danach fragen, weshalb wir bei einer abnehmenden Bevölkerungsdichte immer weiter Flächen versiegelt haben. Sie werden uns fragen, weshalb wir zahlreiche Tier- und Pflanzenarten vernichtet haben. Auch die katholische Kirche greift das Thema auf. Der Papst hat mit seiner Enzyklika „Laudato si“ ein klares Bekenntnis zum Erhalt der Schöpfung gegeben und den Wert der Schöpfung klar vor den der Wirtschaft gestellt. Diesem Aufruf des Papstes sollten wir in unserer christlich-abendländischen Kultur endlich folgen!

Michael Kempkes

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