Zamen voor de Patrijs – Gemeinsam für das Rebhuhn

„Zamen voor de patrijs“, wörtlich übersetzt „Gemeinsam für das Rebhuhn“, heißt ein Projekt in den Niederlanden, das den Bestand des auch in unserem Nachbarland stark gefährdeten Rebhuhns wieder nach vorne bringen soll und damit auch schon große Erfolge erzielt hat. Frans ter Bogt und Hermann Simmelink aus Aalten, also aus einer Nachbargemeinde direkt an der niederländischen Grenze, haben sich 2013 zusammen getan und ihnen bekannte Bauern um Mithilfe angesprochen.

Frans ist Vogelschützer bei „Vogelbescherming“, Herman ist Jäger. „Wir sind nicht immer einer Meinung“, sagt Frans, „aber wenn es um unsere Sache geht, sind wir uns einig.“ Sie haben sich mit den Lebensgewohnheiten und Bedürfnissen des Rebhuhns befasst. Es braucht keine großen Flächen, aber Deckung zum Fressen, am liebsten entlang von (Stoppel-) Äckern.

Wenn diese Randstreifen oder Restflächen miteinander vernetzt sind, ist es ideal. In Aalten und Umgebung haben in recht kurzer Zeit einige Landwirte mitgemacht. Ackerstückchen, die nicht so günstig zu bewirtschaften waren, oder sechs Meter breite Streifen entlang ihrer Felder wurden mit einer Blühmischung eingesät. Diese bleiben über Winter und auch im nächsten Jahr stehen. Nur ein Viertel bis ein Drittel davon wird im Frühjahr überackert und neu eingesät. Die teilnehmenden Landwirte erhalten für die Bereitstellung ihrer Flächen eine finanzielle Förderung.

Die Blühstreifen bieten nicht nur hervorragende Deckung und Brutmöglichkeit, sondern liefern auch Insektennahrung für die Zeit der Jungenaufzucht. Nicht nur das Rebhuhn profitiert von dem Projekt. „Es summt und brummt“ sagt Ornithologe Frans ter Bogt. „In dem Jahr, in dem wir angefangen haben, also 2013, habe ich in den Gebieten 42 verschiedene Vogelarten festgestellt. Im letzten Jahr waren es 80.“ Das sind beeindruckende Zahlen – und für das Rebhuhn, um das es ja geht, lief es mindestens so gut: Frans hatte 2012 rund um Aalten noch drei Rebhuhnpaare gezählt, 2015 waren es 42! Dies funktioniert in den Niederlanden vielleicht auch deswegen so gut, weil alle Beteiligten erkannt haben, wie wertvoll diese Bereicherung der Landschaft auch für die menschlichen Bewohner ist.

Frans ter Bogt und Herman Simmelink stellten ihr „Zamen voor de patrijs – Gemeinsam für das Rebhuhn“ – Projekt, das inzwischen auch in anderen Teilen der Niederlande ebenso erfolgreich ist, am 02.02. 2017 in einem Vortrag im Rahmen des Rheder NABU-Winterprogramms vor. Eingeladen waren alle Interessierten, besonders aber die Landwirte, die Jägerschaft, die Mitglieder des Rheder Arbeitskreises Natur und Umwelt und die Stadtverwaltung. Mehr als 60 Zuhörer, darunter viele Landwirte, einige Jäger und auch Politiker, verfolgten den Vortrag, bei dem die beiden niederländischen Naturschützer die Einzelheiten des Rebhuhnprojektes beschrieben.

Zwischendurch und anschließend wurde kontrovers diskutiert. Besonders die Themen „Jagd“ und „Bürokratismus“ in der landwirtschaftlichen Arbeit wurden kritisch hinterfragt. Am Ende gab es aber von allen Seiten die Aussage, dass man aufeinander zugehen und miteinander sprechen müsse, um im Naturschutz etwas zu bewegen.

Mehrere Landwirte signalisierten, dass sie (auch weiterhin) Blühstreifen anlegen wollten, aber neue Blühstreifen anzulegen könne dauern – dazu müsse ein Jahr im Voraus ein punktgenauer Antrag bei der Landwirtschaftskammer gestellt werden. NABU-Mitglied Martin Frenk, der im Arbeitskreis Natur und Umwelt und auch Mitglied der Naturfördergesellschaft des Kreises Borken ist, berichtete von einem finanziellen Förderprogramm, über das interessierte Landwirte noch in diesem Jahr Mittel für Feldrandstreifen beantragen könnten. Zurzeit sei noch Geld im Fördertopf, das bereit gestellt werden könne.

Das Förderprogramm ist ein gemeinsames Projekt der „Naturfördergesellschaft für den Kreis Borken“ und der „Stiftung Kulturlandschaft Kreis Borken“ und heißt „Feldstreifen für die Artenvielfalt“; mehr dazu ist in der Broschüre Faltblatt Feldstreifen 2016 nachzulesen. Bei Interesse ist Martin Frenk Ansprechpartner und unter der e-Mail-Adresse martinfrenk(at)web.de zu erreichen. Lothar Köhler appellierte an die Rheder Landwirte Blühstreifen anzulegen, besonders in der Mosse und am Spielberg, denn hier gäbe es noch Rebhühner, deren Bestand sich damit steigern ließe.

„Wir haben keine Zeit mehr zu verlieren“, sagte Marianne Harborg, die den Abend organisiert hatte, und appellierte an alle Anwesenden, etwas für den Naturschutz zu tun. „Und sei es nur ein paar heimische Pflanzen in den eigenen Garten zu setzen und auf karge Kiesvorgärten zu verzichten. Auch der Rückgang der Insekten ist alarmierend.“

Die Aaltener Blühstreifen sind übrigens jedes Jahr in einer eigens „komponierten“ Radtour von ca. 15 bis 20 km Länge zu besichtigen (mit möglicher Kaffeepause zwischendurch). Entsprechende Flyer sind ab Mai für 50 Cent beim „VVV Aalten-Bredevoort-Dinxperlo“, also in den regionalen Tourismusbüros, erhältlich. „Sie sind alle herzlich eingeladen zu kommen“, sagte Frans ter Bogt. „Wenn Sie möchten, begleiten wir Sie auch auf Ihrer Radtour“.

Frans hat sich inzwischen noch einmal gemeldet. Er bedankte sich dafür, dass Herman und er das Rebhuhnprojekt vorstellen durften und vor allem für das große Interesse. Herzlichen Dank an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer, vor allem an die Rheder Landwirte, die noch nach einem geselligen Ausflugstag den Weg in das NABU-Vereinsheim gefunden hatten.

Wer Kontakt zu Frans ter Bogt und Herman Simmelink aufnehmen möchte, kann dies über harborg(at)nabu-borken.de tun.

Marianne Harborg,
NABU Rhede

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