Während in Großbritannien das „Birdwatching“ auf eine sehr lange Tradition zurück blicken kann, entwickelt sich derzeit bei uns in Deutschland eine vergleichbare Bewegung. Die Menschen wollen umso mehr Natur, je mehr sie durch ein urbanes, hektisches Leben davon entfremdet werden. Das Beobachten von Vögeln und anderen Tieren gewinnt zunehmend mehr Freunde. Das ist eine an für sich erfreuliche Entwicklung, die sich durch die Zuwächse bei der vom NABU erfolgreich initiierten „Stunde der Gartenvögel“ zu verschiedenen Jahreszeiten oder beim „Birdrace“, gut erkennen lässt. Auch Portale wie „naturgucker.de“ oder „ornitho.de“ haben sich sehr gut entwickelt und erfreuen sich einer großen Beliebtheit; gleiches gilt auch für die Möglichkeit, die wir auf unserer Homepage allen Naturfreunden bieten, ihre aktuellen Beobachtungen in der Natur online zu stellen. Doch einige Ereignisse in jüngere Vergangenheit müssen aus Sicht des organisierten Naturschutzes durchaus kritisch betrachtet werden. Da wird ein Raubwürger in der Dingdener Heide gesichtet, und kurze Zeit später stehen in diesem wichtigen Naturschutzgebiet zehn Fotografen mit ihren imposanten Objektiven in der Landschaft. Auch ein brütender Kranich in einem Venn im Kreis Borken machte schnell weitere Menschen auf diese Besonderheit aufmerksam. Die Liste der Beispiele ließe sich noch ergänzen. In beiden genannten Beispielen kam es zu Störungen der Tiere.

Selbstverständlich sind diese nicht gewollt. Ich kann auch jeden Naturfreund verstehen, der voller Begeisterung und vielleicht auch Stolz seine besonderen Beobachtungen vielen anderen, ähnlich empfindenden Menschen mitteilen möchte; in der heutigen Zeit ist das dank der Portale mit wenigen Zeilen und einigen Mausklicks getan. Doch jeder Naturfreund möge bedenken, was das Melden besonderer Beobachtung auslösen kann. Ein „Ansturm“ von Fotografen ist das Eine. Das Andere ist die Tatsache, dass auch Menschen, die dem Natur- und Artenschutz eher kritisch, wenn nicht gar ablehnend gegenüber stehen, auch die Naturbeobachtungen lesen – und wahrlich nicht jeder weiß einen elegant fliegenden Wanderfalken zu schätzen. Es ist auch kein Geheimnis, dass noch immer im Westmünsterland und vielen anderen Regionen Greifvogelhorste zerstört werden. Von daher kann an dieser Stelle nur an alle leidenschaftlichen Naturbeobachter appelliert werden, vor der Veröffentlichung gut zu überlegen, was sie ggf. mit dem Dokumentieren im Internet auslösen können und ob dies im Sinne der Tiere ist. Vielleicht wäre ein denkbarer Kompromiss den Fundort möglichst wenig konkret zu benennen, wohl wissend, dass andererseits auch die Beobachtungsportale für Biologen wichtige Informationsquellen sind. Von daher ist dies im wahrsten Sinne des Wortes ein Spagat. Ich würde mich freuen, wenn es innerhalb der Leserschaft der Naturzeit eine anregende Diskussion zu diesem sicherlich nicht abschließend zu bewertenden Problem gibt.

 

Text © Michael Kempkes, (Stellvertretender Kreisvorsitzender NABU KV-Borken)

Foto © Archiv (NABU KV-Borken)

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