Es war eine gelungene Veranstaltung im „Kettelerhaus“ in Vreden. Auf Einladung der KAB und des NABU Kreisverband Borken e. V. waren viele interessierte Bürger*innen zum Diskussionsabend zu dem Thema Landwirtschaft und Naturschutz und Politik gekommen. Die vier anwesenden Referent*innen Fr. Monika Ludwig (MdL) Die Grünen, Fr. Ursula Schulte (MdB) SPD, Herr Johannes Röring (MdB) CDU und WLV-Präsident sowie Herr Josef Tumbrick NABU-NRW konnten in vielen Fällen die sofort gestellten Fragen beantworten. Der Moderator Thorsten Ohm sorgte sehr überzeugend dafür das die Fragen und Antworten kurz und knapp aber dennoch informativ waren, das hat auch erheblich dazu beigetragen, das die Diskussionen bis auf wenige Ausnahmen frei von zu vielen Emotionen waren.

Ruhig und sachlich wurden verschiedene Themenbereiche angeschnitten. Es ging z. B. um die Belastung des Trinkwassers im Kreis Borken. Besorgte Bürger hinterfragten dieses. Ein Landwirt sagte, in Vreden sei man derzeit fast überall unter dem Grenzwert, dennoch ist es im Kreis Borken an vielen anderen Stellen nicht so gut. Herr Röring antwortete die zuständigen Stellen im Bereich, der Trinkwasseraufbereitung hätten nur Panik machen wollen, ob der Bürger für Trinkwasser mehr bezahlen müssen sollte man abwarten. Frau Ludwig von den Grünen und viele anwesende sahen das aber anders. Auch zu Thema Export von Lebensmitteln sorgt Herr Röring mit seiner Aussage: Ihm ist es lieber, dass Deutschland Lebensmittel anstatt Waffen exportiert, für etwas Aufregung und teilweise für Heiterkeit.Über die derzeitige Lebensmittelvernichtung, und den dadurch entstehenden Schaden für Mensch und Tier, waren alle Beteiligten einer Meinung. Das muss geändert werden. Frau Ludwig sagte wir, ALLE sind in der Verantwortung und das Jagen nach Billig führt vielfach zu dieser Misere. Die Verbraucher müssen verstehen das Lebensmittel ihren Wert haben. Für Gute Produkte sollte man einen angemessenen Preis zahlen und nannte das Beispiel von „Der Verbraucher stellt sich im Garten einen Tausend Euro Grill hin und zum Essen kommt das billig Fleisch von ALDI auf den Grill. Herr Röring sprach von mündigen Bürgern, aber Herr Tumbrinck und Frau Schulte sagten, hier muss Politik auch andere Maßstäbe setzen und Veränderungen im Verhalten auch zu ermöglichen.

Josef Tumbrinck Vorsitzender des NABU Landesverbandes NRW wurde zum Thema Pestizideinsatz gefragt, er stellte hier klar dass nicht zusätzliche Lichtquellen in den Städten, oder Flugverkehr, mit allen seinen negativen Auswirkungen der Hauptgrund für das Fehlen von Insekten verantwortlich sind, sondern die industrielle Landwirtschaft, das wäre belegbar. Als Herr Röring darauf hin zu der Aussage kam, dass man den Pestizideinsatz in der Landwirtschaft teilweise reduzieren könnte und das auch immer mehr von Landwirten gewollt wird, und er sogar dem NABU-Vorsitzenden sagte, die Landwirtschaft streckt dem NABU hier die Hand hin, staunten doch viele Anwesende. Es bleibt abzuwarten ob dass ernst gemeinte Worte waren oder wiedereinmal nur Wahlkampfgetöse. Frau Schulte sagte, man müsse die Landwirtschaft mit ins Boot nehmen. Es gibt noch einiges zu klären auch in Sachen Tierwohl. Warum müssen immer noch die Kälbertransporte in der EU weitergehen. Aber anders herum wird ein Schuh daraus. Jahrzehnte lang haben Politik und Landwirtschaft Dinge vereinbart, die, dem Natur,- und Artenschutz nicht gerade förderlich waren. Jetzt ist es an der Zeit den Rat und die Unterstützung der ehrenamtlichen Naturschützer in diese Entscheidungen mit einzubeziehen. So und nicht anders ist auch die Geste von Herrn Röring zu verstehen.

Ein wenig blitzten die verschiedenen Meinungen der Referenten auf und man konnte deutliche Unterschiede im Beantworten der Fragen feststellen. Von einem jungen Landwirt wurde der bürokratische Aufwand zum Beispiel bei der Anlage von Blühstreifen bemängelt, dafür gab es Applaus, aber Frau Ludwig fragte, warum denn das Förderprogramm im Kreis Steinfurt, Coesfeld und anderen Städten funktioniert, nur im Kreis Borken nicht, obwohl in den anderen Kreisen dieselben Vorgaben gelten. Die Biodiversität ist und bleibt ein wichtiges Thema, wo wir nicht dran rütteln dürfen. Wir brauchen unsere Insekten, denn wenn das so weitergeht, mit der intensiven Spritzerrei müssen Menschen bald die Bestäubung vornehmen. Wollen wir das? Auf die Frage des Moderators, wie sich denn wohl diese ganze Sachlage mit all den Problemen in Zukunft, vielleicht in ca. 5 Jahren darstellen könnte, antwortete Herr Tumbrinck, wenn die Landwirte für ihre erbrachten Leistungen und darüber hinaus zusätzlich für Naturpflegemaßnahmen entsprechend bezahlt werden, dann geht es in die richtige Richtung, Frau Ludwig sah das sehr skeptisch und faste noch mal zusammen, was gerade in Sachen Landwirtschaft noch an Hausaufgaben zu machen sei. Hier müssen wir mutiger werden und auf Augenhöhe miteinander Reden und die Dinge so umsetzten, dass sie auch einen Sinn ergeben. Herr Röring sah dass so wie Herr Tumbrinck und auch Frau Schulte sagte, dass eine Umverteilung von Geldmitteln zum Wohle der Natur und der für den Naturschutz tätigen Landwirt wichtig und notwendig ist. Als ein Landwirt sich zum Schluss zu Wort meldete, er macht alles Biogas, Windkraft ja sogar Schweinehaltung auf Stroh, wenn es nur vernünftig bezahlt wird, kam Freude auf im Saal. Es war klar zu erkennen, das es gemeinsames Ziel ist vom ehrenamtlichen Naturschutz und der Landwirtschaft, für die erbrachte Leistung eine entsprechende Bezahlung zu erhalten.

Der NABU-KV Borken e. V. möchte sich ganz herzlich bei der KAB und der NABU-Gruppe Vreden für die gut organisierte Veranstaltung bedanken. Es war ein sehr informativer Abend.

 

Text © Rudolf Souilljee (Kreisvorsitzender NABU-KV Borken e. V.)

Artikelbild © Thaddäus Bielefeld (Öffentlichkeitsarbeit, Kreisredakteur der NABU Zeitschrift Naturzeit, Webmaster und Ansprechpartner für Soziale Medien)

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