Leserbrief von unserem stellvertretenden NABU-Kreisvorsitzenden zum Zeitungsartikel im „Bocholter Borkener Volksblatt“ vom 09.08.2017 in ungekürzter Fassung

Bevor ich einige durch Studien belegbare Fakten zum Wolf wiedergebe, möchte ich die Frage stellen, ob Wölfe keine Geschöpfe Gottes sind, die ebenso wie alle anderen Mitgeschöpfe unseren tiefen Respekt verdienen. Jeder Christ ist dazu aufgerufen, die Schöpfung als Ganzes zu respektieren, ja gar zu ehren. Hören diejenigen, die in der Politik angeblich die christlichen Werte vertreten und sonntags in der ersten Reihe der Kirche sitzen, nicht das Wort des Papstes, der sich nicht grundlos Franziskus genannt hat und zu einem liebevollen, nachhaltigen Umgang mit der Schöpfung und allen Geschöpfen aufgerufen hat? Woher kommt dieser Hass auf Wölfe? Stecken da einige der Meinung bzw. eher Stimmung machenden Köpfe etwa noch tief im Mittelalter fest?

 

Doch nun zu den Fakten:
1. Der Wolf lebt schon viel länger als der Mensch in Mitteleuropa und ist demnach ein heimisches Tier, mit dem natürlichen Recht hier zu leben!
2. Die auch von Deutschland ratifizierten Berner Konventionen vom 19.9.1979 lassen keinen Abschuss von Wölfen zu, gleiches gilt auch durch die Europäische Habitatinitiative vom 21.5.1992. Von daher erübrigen sich die vorschnell geäußerten Rufe nach einem „Wolfsmanagement“ und lassen sich zudem als billige Wahlkampfmasche enttarnen!
3. Wo der Wolf lebt, gesundet der Wald! Er selektiert die Pflanzenfresser, wie dies kein menschlicher Jäger vermag. Vom Wolf profitieren die Baumbestände, ebenso aber auch die faunistische Artenvielfalt (selbst Insekten, Amphibien, Reptilien und Vögel!) sowie der gesamte Wildbestand.
4. In Deutschland sind fast alle ursprünglichen Weidetiere mittlerweile ganzjährig aufgestallt. Lediglich Schafe und Ziegen sowie einige wenige Rinder leben auf Weiden, doch diese landwirtschaftlichen Nutztiere können effektiv durch Elektroschutzzäune gesichert werden. Auch Herdenschutzhunde schrecken Wölfe ab, beide Maßnahmen werden subventioniert. Eventuelle Verluste durch Wölfe werden zudem finanziell entschädigt.
5. Doch diese Ängste muss kein Landwirt haben, denn jahrelange Studien haben belegt, dass 96% der Beute aus wilden Huftieren besteht (überwiegend Rehe), 3% Hasen und das restlische 1% besteht aus anderen Kleintieren. Da, wo Wölfe wieder gesichtet werden, stellt sich schnell ein Gleichgewicht ein, sofern der Mensch nicht störend eingreift!
6. Befürchtungen zu Übergriffen auf Menschen sind billige Polemik. Seit Jahrzehnten streunern Wölfe, durch menschliche Abfälle angelockt, nachts durch die Millionenstadt Rom. Dabei ist es noch nie zu einem Angriff eines Wolfes auf einen Menschen gekommen. Wölfe sind von Natur aus scheu. Das gelegentliche Vergrämen der Wölfe reicht schon aus, um die Sicherheit der Menschen zu gewährleisten.
7. Verschiedene Studien haben nachweislich gezeigt, dass eine Bejagung des Wolfes den Effekt hat, dass die Wölfe durch eine erhöhte Reproduktion auf die Nachstellungen reagieren, um darüber die Verluste in ihrer Population zu kompensieren; mit dem Ergebniss, dass durch die Bejagung tatsächlich die Gesamtzahl der Wölfe zunimmt.
Michael Kempkes, (stellvertretender Kreisvorsitzender NABU-KV Borken e. V.)
Artikelfoto © Jürgen Borris / NABU

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