Stellungnahme des NABU-Kreisverbandes Borken e. V.  zum Zeitungsartikel vom 09.08.2017 im Westfalenteil des Bocholter Borkener Volksblatt.

 

Die Forderung nach einer Debatte zum Thema Wolf ist durchaus nachvollziehbar. Sie soll sicher zur Versachlichung beim Thema Jagd auf Wölfe beitragen, auch dass ist teilweise nachvollziehbar. Den ehrenamtlichen Natur-und Tierschützer*innen, hier insbesondere dem NABU, wird oft vorgeworfen sie sind bei den Thema viel zu emotional und nicht sachlich genug. Nur darf man denn nur sachlich über das Töten von Lebewesen in unserer Natur sprechen, oder gehört nicht gerade hier eine der menschlichsten Dinge „Gefühle“ mit zur Diskussionsgrundlage?

Es darf nicht abgleiten und schon gar nicht ins Persönliche abrutschen, wie es dabei leider immer mal wieder vorkommt, von vielen Seiten, nicht nur bei Naturschützer*innen. Dennoch sind wir der Meinung, vieles kann man so und so beleuchten, belegen und erklären. Fangen wir mal mit der Überschrift des Artikels an. Diese suggeriert doch den Eindruck, vielleicht soll er es ja auch, dass Weidehaltung in NRW durch den Wolf in Gefahr ist. Derzeit ist die Landwirtschaft großflächig dabei Weidetiere aufzustallen, dass heißt die Tiere sind in großen Ställen und brauchen nicht mehr auf Wiesen und Weiden, wo Sie vielleicht ungewollte Nahrung zu sich nehmen könnten. In den Ställen wird genau berechnet, dass das Tier braucht und dann bekommt es das Futter auch im Stall. Kälber werden vielfach von ihren Eltern getrennt und in separaten Boxen gesichert und kontrolliert etc. Schauen Sie sich mal um, wo es noch Rinder oder Kuhherden gibt, die hier bei uns auf Weideland leben, und schauen Sie sich dann das Umfeld an, würde da ein Wolf hinwollen? Auf Maisflächen?

Zweitens haben Jäger und ihre Verbandslobbyisten jahrzehntelang immer und überall behauptet. Das Rot und Rehwild muss unbedingt durch Jäger reguliert werden, weil es keine natürlichen Feinde für diese Arten mehr gibt. Das alles nur um den Wald zu schonen. Jetzt, wo ganz langsam natürliche Prädatoren des Wildes es schaffen ein wenig Fuß in deutsche Wälder zu fassen, kommt sofort der Aufschrei von der Jägerschaft, der böse Wolf muss weg. Warum? Obwohl wissenschaftlich belegt ist, dass wo der Wolf sich aufhält, der Wald langsam gesundet. Dass der Wolf dabei vielleicht dem einen, oder anderen Jäger das Wildbret dabei streitig macht, ist nun mal so. Natürlich ist es besser sich rechtzeitig mit dem Thema Wolf zu beschäftigen, dass mal ein Wolf, für Schaf- und Ziegenhalter etc. auch in NRW zum Problemtier werden könnte, ist nicht ausgeschlossen. Noch gibt es hier wohl keine Rudel.

Schade ist nur, dass einigen Landwirten und Jägern leider nur einfällt, die Tiere schon im Vorfeld durch Abschuss zu töten. Begründung dafür: Damit niemand zu Schaden kommt, mit dieser Begründung könnte man sicher auch viele Hunde und noch einige andere Tiere töten. Gemäß unserer Naturschutzgesetzgebung bedarf es einen VERNÜNFTIGEN Grund Tiere zu töten, der ist hier so nicht gegeben. Hier sollte man gemeinsam, nach anderen Möglichkeiten suchen, um Mensch und Tier vor Wolfsschaden zu schützen. Es gibt in der Natur immer mehrerer Möglichkeiten etwas zu schützen, man muss es nur wollen. Noch schlimmer ist es, wenn Jäger sagen, der Wolf könnte für Menschen gefährlich werden, oder Weidetiere könnten durch den Wolf verängstigt auf die Straße laufen etc. Hier wird so getan, als wäre es die wichtigste Aufgabe der Jäger den Menschen zu schützen. Warum wird dann in Kauf genommen, dass fast jeden Tag Kinder und Erwachsene durch Autos getötet werden, viel mehr als es Wölfe in NRW jemals könnten.

Wo bleibt da der Aufschrei der Landwirte und der Jägerschaft bei unnötigen Straßenbaumaßnahmen, da sind es immer nur die Naturschutzverbände, die sich gegen zu viel Verkehr wehren. Das Straßen dazu führen, das ständig Menschen getötet werden, dass wird stillschweigend in Kauf genommen. Wenn das Wohl der Menschen im Vordergrund steht, wo bleibt der Aufschrei bei Naturzerstörung? Wo ist die Aussage der Jägerschaft und Landwirtschaft beim Thema Umweltgifte, Pestizideinsatz und Massentierhaltung. Lebensmittelskandale werden stillschweigend ausgesessen, oder verharmlost. Da ist es nicht so weit hin mit dem Menschen- und Tierschutz.

Wie viel Menschen werden durch Hunde verletzt, oder Weidetiere durch Mountainbiker oder freilaufende Hunde auf die Straßen getrieben? Das alles ein paar Wölfen unterstellen zu wollen, ist schon sehr merkwürdig. Abschließend noch mal, auch wir vom NABU-Kreisverband Borken e. V. finden es richtig rechtzeitig vorzusorgen, dass es nicht zu vermeidbaren Schäden durch Wölfe kommt, aber bitte dann gemeinsam und sachlich, emotional um das Beste für alle Beteiligten rauszuholen, nicht nur für ein paar Jäger und eventuell betroffene Landwirte.

 

Rudolf Souilljee (Kreisvorsitzender NABU-Kreisverband Borken e. V.)

Artikelbild © Thaddäus Bielefeld (Öffentlichkeitsarbeit, Kreisredakteur der NABU Zeitschrift Naturzeit,
Webmaster und Ansprechpartner für Soziale Medien im NABU-Kreisverband Borken e. V.)

 

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