10 Jahre nach der Ausweisung des NSG Versunken Bokelt sind am Nordufer umfangreiche Optimierungsmaßnahmen erfolgt. Sie sollen dazu dienen, dass die ausgewiesenen Schutzzwecke auch in Zukunft noch erfüllt werden und der Biotop- und Artenschutz verbessert wird. Das Gebiet hat ja eine große Bedeutung als Brut- und Überwinterungsgebiet für gefährdete Vogelarten, als Trittstein in der Aue der Bocholter Aa und als Rastplatz zahlreicher Vogelarten.

Lothar Köhler und Werner Bösing hatten zusammen mit der Unteren Landschaftsbehörde ein Konzept entwickelt. Die dicken Wurzelstubben an der gesamten 400 m langen Norduferkante sollten abgebaggert und teilweise Steil- und Flachufer hergestellt werden. Eine 1000 qm große Flachwasserzone sollte neu entstehen und die 4 Blänken optimiert werden. Um den Aufwuchs von Erlen, Weiden und Birken einzudämmen sollte die gesamte Norduferfläche bis zur Hecke an der B 67 gefräst werden. Die Hecke selbst soll in den nächsten 3 Jahren abschnittsweise auf Stock gesetzt werden. Um diese Maßnahmen zu finanzieren, erarbeiteten Lothar und Werner mit Hilfe der ULB einen Förderantrag, der Anfang des Jahres 2016 von unserem Kreiverband an die Bezirksregierung Münster geschickt wurde. Im Mai kam von dort die Bewilligung der Maßnahme und der Zuwendungsbescheid über 90 % der Kosten.

Im August sollten die Arbeiten starten. Leider wurden sie durch das Hochwasser verhindert. Der hohe Wasserstand hatte sogar Teile der Uferfläche überflutet, Mäh- und Baggerarbeiten waren unmöglich. Die lange Trockenperiode im August und September ließ den Wasserspiegel aber deutlich sinken. So konnten die geplanten Baggerarbeiten Anfang Oktober doch noch durchgeführt werden. Anfang Januar wurde nun auch das erste Drittel der Wallhecke zur B 67 auf Stock gesetzt. Wir können gespannt sein, wie sich der neu gestaltete Teil des NSG in Zukunft entwickeln wird.

Flussseeschwalbenkolonie

Anfang Mai war das Floß, das die Seeschwalben seit Jahren zum Brüten nutzen, an Land getrieben, die Ankerkette war gerissen. Der erste Versuch, es neu zu verankern, misslang wegen des starken Ostwindes. Am 13.5. schafften es Thomas Alfert mit Sohn Lino, Hubert Spogahn, Matthias Sell und Lothar Köhler. Sie waren gerade wieder an Land, als sich 10 Seeschwalben auf dem Floß niederließen. Leider ist die Kolonie in 2016 fast zusammengebrochen. Nur 5 Paare versuchten zu brüten. Erfolgreich aber war nur 1 Paar. 2 Junge konnten beringt werden. In 2015 brüteten noch 7 Paare, 9 Junge wurden flügge. Von 2007 bis 2012 bestand die Kolonie sogar aus 16-18 Brutpaaren. Die Ursachen für den Zusammenbruch sind nicht klar. Eine Rolle spielen sicher die Sturmmöwen, von denen 5 Paare auf den 3 Flößen brüteten. Bei ihnen wurden aber auch nur 3 ihrer 10 Pulli flügge.

Neue Tierarten

Erstmals brütete in 2016 ein Rostganspaar. Mitte Mai paddelten zur Überraschung 6 Pulli auf dem Wasser vor der Kanzel. Von Tag zu Tag wurden es aber weniger. So konnte einmal eine Großmöwe beim Verschlingen einer kleinen Rostgans beobachtet werden. 2 Junge konnten aber allen Prädatoren entkommen und wurden flügge. Seit 2015 ist die Rostgans neue Brutvogelart in Rhede. Am neuen See an der Külve hatte ein Paar gebrütet. In 2016 zog es dort sogar 8 Junge groß. Auch Nutrias haben Versunken Bokelt besiedelt. 4 Jungtiere konten beobachtet werden.

Hochwasser

Die gewaltigen Regenmassen im Juni, die im Aatal zu großen Überschwemmungen führten, wirkten sich auch auf den Wasserstand des Sees aus. Er stieg so stark an, dass beide Inseln und der mittlere Teil der Norduferfläche für längere Zeit überflutet waren. Ein Flussregenpfeiferpaar und zwei Haubentaucherpaare verloren dadurch ihre Gelege.

 

Text © Lothar Köhler, (NABU-Kreisverband Borken e. V. , NABU-Gruppe Rhede)

Artikelbild © Ludwig Brandl

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