Herbert Moritz schildert die aktuelle Lage im Nordkreis Borken zum Thema Blühstreifen.

Um einen positiven Dialog mit der Landwirtschaft auf Dauer aufrechtzuerhalten, habe ich etwa ab Juli 2017 dieses Jahres bewusst einen Artikel in die Presse (Münsterlandzeitung) auf der Seite für die Gemeinde Heek veröffentlicht, in dem ich die Anlage eines besonders großen Blühstreifen positiv dargestellt habe. Jetzt musste ich jedoch feststellen das dieser Blühstreifen direkt vor oder nach der Maisernte komplett verschwunden bzw. vernichtet worden ist. Ähnliches Vorgehen einiger Landwirte habe ich hier im Nordkreis Borken an vielen Ackerflächen beobachtet. Dabei ist es völlig unerheblich, ob die Blühstreifen unentgeltlich auf freiwilliger Basis der Landwirte angelegt wurden, oder ob die Landwirte sich die Blühstreifen haben fördern lassen. Man lockt die Insekten in die Blühstreifen in denen sie Schutz, Nahrung und Möglichkeiten zur Reproduktion suchten, um sie anschließend nach gewohnter Bewirtschaftung wieder zu dezimieren. (Viele Arten überwintern in den abgestorbenen Teilen der Pflanzen oder nutzen sie zur Eiablage).

Im Frühjahr dieses Jahres habe ich an einer kompetenten Beratung der Landwirtschaftskammer Borken in Heek-Ahle zum Thema ,,Anlage von Blühstreifen“ zur Steigerung der Biodiversität teilgenommen, an der auch 19 Landwirt*innen teilgenommen hatten. Da fühlt man sich als Naturschützer völlig falsch verstanden, wenn man jetzt noch nicht mal nach einem drei viertel Jahr merkt, das vielen Landwirten die Natur wirklich völlig egal zu sein scheint. Dabei steht es um der Artenvielfalt dramatischer als mancher Landwirt zu glauben vermag. 27 Jahre wurden Schutzgebiete untersucht – die Ergebnisse sind erschreckend: Mehr als 75 Prozent weniger Biomasse bei Fluginsekten. Es stellt sich nicht mehr die Frage, ob die Insektenwelt in Schwierigkeiten steckt, sondern wie das Insektensterben zu stoppen ist.

Der Rückgang bei Fluginsekten in Schutzgebieten wurde als Trend über alle untersuchten Standorte hinweg erkannt. Dieser Verlust ist nicht spezifisch für bestimmte Biotoptypen, er betrifft vielmehr das ganze Offenland. Die ermittelten Biomasseverluste betragen für die Sommerperiode 81,6 Prozent (79,7 bis 83,4 Prozent) und für die Vegetationsperiode von April bis Oktober 76,7 Prozent (74,8 bis 78,5). Die Verluste in der Sommerperiode sind höher, da die Insektenbiomasse in diesen Monaten am höchsten ist. Die Ergebnisse bestätigen auch, dass die bekannten Rückgänge von Artengruppen wie Schmetterlingen, Wildbienen und Nachtfaltern einhergehen mit den drastischen Biomasseverlusten bei Fluginsekten. Mehr zum Thema unter:

 

Völlig unverständlich für mich ist ein Artikel aus dem Landwirtschaftsmagazin topagrar der an Armseligkeit und größter Dummheit nicht mehr zu übertreffen ist. Komisch das auch wir bei unseren Infoständen immer öfter auf weniger gesichtete Vögel und Insekten angesprochen werden. Die Bevölkerung wird, was gerade den Artenschutz angeht, immer hellhöriger. Die völlig vom Geld vernebelten Ignoranten der Agrarwirtschaft ist es weiterhin völlig egal, was mit der Artenvielfalt geschieht. Für sie zählt nur der Gewinn. Dabei wird die Gesundheit der Bevölkerung in keinster Weise berücksichtigt.

 

Text und Fotos © Herbert Moritz, (NABU-Gruppensprecher; Ansprechpartner Agrarwirtschaft für den Nordkreis Borken, Jagdwesen, Gewässer- und Landschaftsschutz)

Bildunterschriften:

Bild 1: Landwirtschaft mit Naturschutz auf gemeinsamem Kurs, das war die Hoffnung im Frühsommer 2017 in Heek!
Bild 2: Mit der Maisernte ist wieder alles „plattgemacht“!
Bild 3: WLV Werbeschild

Artikel teilen

About Author

Static Author Display Name