Derzeit kann man bei Facebook unter vielen anderen Seiten auch eine Seite mit dem Titel,“Gärten des Grauens“ finden. Auch ohne sich mit Facebook und anderen online Dingen zu beschäftigen, hört man aktuell in den Medien, oder liest es manchmal in der Tageszeitung, mit unserer „Mutter Natur“ geht es immer schneller bergab. Schaut man sich als Natur interessierter Mensch im eigenen Garten um und vergleicht das mit einigen Gärten in der Nachbarschaft, dann erkennt man, es hat sich auch hier etwas verändert. Leider wohl nicht nur zum Vorteil.

Auch einige wenige Politiker erkennen das und wollen auch Veränderungen umsetzen, vielfach ohne erkennbaren Erfolg. Es ist von belegbarem Insektensterben und Artenschwund die Rede, nicht erst seit vorgestern. Viele Naturschützer haben das schon vor Jahrzehnten vorausgesehen und davor gewarnt, kaum einen hat das interessiert. Nahezu befremdlich erscheinen oftmals die Berichte von Freunden und Bekannten aus dem jüngst verlebten Urlaub in südlichen Gefilden, wo wild bewachsene Ruinen und eine surrende Artenvielfalt von Schmetterlingen und bunten Käfern sowie kriechenden Eidechsen zur beschriebenen Romantik beisteuern. Gibt es denn diese Art von Romantik nicht auch im heimischen Garten? Woher kommt darüber hinaus diese Artenvielfalt, die man im Urlaub bewundert?

Gibt es dann da keinen Nachbarn, der gerne darauf verweist, dass er kein ungeliebtes „Unkraut“auf seinem Grundstück duldet und schon gar nicht, wenn es sich vom Nachbar Grundstück ausbreitet. Wir haben unzählige Wildkräuter und Wildblumen vor unserer Haustüre, die mehr Vitamine haben als die unökologisch produzierten Südfrüchte. Sie sind reichhaltig an Ölen, Vitaminen, Bitterstoffen und Extrakten, die unserem Körper mehr schützen als so manche chemisch produzierte Pille. Dagegen sehen die Kiesbeete doch eher aus wie Friedhöfe. Und eben das sind sie halt auch. Also macht es doch durchaus Sinn sich die Romantik des Urlaubes in den heimischen Garten zu holen, in dem wir ja bestimmt viele Stunden mehr verbringen als in den südlichen Gefilden. Aber was sind denn die Gründe für diese negativen Trend in unseren Gärten?

Klimawandel? Sicher trägt auch dieser von Menschen gemachte Wandel dazu bei. Nun weiß aber auch jeder, dass der Schwund der Lebensräume durch Wohnung, – Industrie, – und Straßenbau etc. immer mehr um sich greift. Fast überall in jedem Teil von Bocholt und in allen anderen Städten und Gemeinden auch gibt es weitere Neubebauungen und Straßenplanungen. Dass die Industrialisierung in der Landwirtschaft mit allen Ihren Arbeitstechniken und dem Agrochemieeinsatz dazu beigetragen hat, dass Artenschwund stattfindet, ist unbestritten. Es heißt ja, es sei bewiesen, das wohl immer mehr Tiere aus ihrem natürlichem Umfeld in die Städte ziehen, weil ihre vorhandenen Lebensräume in der freien Landschaft für viele Arten nicht mehr nutzbar sind.

Noch vor wenigen Jahren waren unsere Grünanlagen, Gärten, Kleingärten und Blumenbeete Lebensräume, die diese Arten aus dem Umland besiedeln konnten. Hier fanden Schmetterlinge, Wild- und Honigbienen und viele andere Kleinlebewesen ein neues zu Hause. Auch Vögel und andere Tiere fanden hier entsprechende Nahrung. Als die ersten Kiesbeete in Hausgärten angelegt wurden, meldeten sich einige Naturschützer wieder und meldeten Bedenken an. Mittlerweile ist es jetzt schon so weit gekommen, dass immer mehr Kiesbeete, Schotter- und Schlackeflächen unsere Vor- und Hausgärten in Beschlag nehmen. Darum melden wir uns nochmals, wir dürfen nicht sehenden Auges die Natur auf dem Lande zerstören und schon gar nicht das bisschen Natur vor unserer eigenen Haustür. Als Hauptgrund für das Beseitigen von bestehenden Lebensräumen und deren Ersatz durch Kies, oder Schotterflächen wird oft gesagt, es ist viel leichter zu pflegen und es sieht doch so sauber aus. Auch wenn immer wieder behauptet wird so ein Kies,- oder Schotterbeet ist so leicht zu pflegen, die Erfahrung zeigt, auch hier muss man immer wieder was rauszupfen, oder noch schlimmer immer mal wieder die Giftspritze drauf halten. Ein naturbelassener Garten macht auch kaum Arbeit, hier darf man den Garten dann aber auch als Lebensraum bezeichnen, was man bei vielen sterilen Schotterflächen wohl nicht behaupten kann.

Es kann dann zwar vorkommen, das ein Nachbar sagt, das sieht aber nicht sauber, sondern ungepflegt aus, aber das ist hier nicht die Frage von oberflächlicher Optik, sondern es geht hier darum den letzten Lebensraum für die Tiere, deren Überleben wir in der Landschaft um uns herum schon verhindert haben, nicht abermals, jetzt vor unserer Haustür, zu zerstören. Wenn man dann auch noch hört, dass Politiker den Bürgern empfehlen das letzte Grün aus Ihren Vorgärten zu entfernen, um einen gepflasterten Stellplatz für den Zweitwagen zu erhalten, dann fragt man sich doch, wie es um die Verantwortung für die Zukunft unserer Kinder bestellt ist. Hier sollte sich unserer Meinung nach aber auch der Berufszweig der Gärtner mal zu Worte melden, es darf nicht sein, das Pflasterarbeiten, anstatt Pflanzarbeiten, das Berufsbild so verändert, das die Natur und letztendlich wir Menschen darunter leiden, nur weil man nicht rechtzeitig erkannt hatte, wohin dieser gepflasterte Weg hinführt. Und sagen Sie nicht, das konnte man ja nicht ahnen.

Diese Zeilen sollen ein Aufruf an unseren gesunden Menschenverstand sein, er ist nicht, wie vielen Naturschützern immer unterstellt wird, als besserwisserischer und drohender Zeigefinger zu verstehen. Wer, wenn nicht wir, haben die Pflicht darauf hinzuweisen, dass wir wieder mal dabei sind, mehr auf andere zu hören, als auf den eigenen Verstand. Denn wir sind, was wir tun.
Text und Fotos © Rudolf Souilljee, (Kreisvorsitzender NABU-Kreisverband Borken e. V.)

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