Mit Befremden haben wir Ihren Artikel gelesen, der in zweierlei Hinsicht negativ auffällt. Zum einen wird der fragwürdigen Argumentation der Landwirte viel mehr Platz eingeräumt als den kritischen Aussagen des NABU. Zum anderen wird in Ihrem Artikel leider mit keinem Satz erwähnt, wie die Krebsforscher der Weltgesundheitsorganisation WHO Glyphosat einstufen, nämlich als „sehr wahrscheinlich krebserregend„! Selbstverständlich muss es jeden Bürger besorgen, dass wir ein dramatisches Insekensterben haben, an dem Glyphosat und andere Herbizide eine große Mitschuld tragen, denn diese todbringenden Mittel vernichten nun mal die Futterpflanzen der Insekten. Doch mit den Insekten sterben auch die Vögel! Wir haben eine immer eintönigere Landschaft mit immer weniger Blumen, Wildkräutern, Bodenorganismen, Insekten, Amphibien, Reptilien und Singvögeln. Das ist menschgemacht. Doch wenn unsere Mitgeschöpfe sterben, ist es nur eine Frage der Zeit, bis wir dran sind. Schon heute lässt sich in den Haarspitzen fast aller in Deutschland lebenden Menschen Glyphosat nachweisen, gleiches gilt auch für die meisten Lebensmittel, selbst beim ach so reinen Bier! In Europa gilt das Vorsorgeprinzip, das fest verankert im Umwelt- und Lebensmittelrecht ist! Der Gesundheitsschutz muss absoluten Vorrang haben, selbst wenn es keine wissenschaftliche Klarheit über die Risiken gibt. Dass die Bundesregierung Glyphosat für eher unbedenklich hält, liegt daran, dass sie die Unbedenklichkeit einer Monsanto-eigenen Studie entnommen haben. 73% der Bundesbürger lehnen laut foodwatch Glyphosat ab. Warum stand das nicht in Ihrem Artikel?

Neben dem Ausbringen von Glyphosat, anderen Herbiziden und weiteren Pestiziden (Insektizide, Fungizide) belasten die konventionell arbeitenden Landwirte die Böden und das Grundwasser zudem mit riesigen Mengen an Gülle. Auch das wird in dem Arikel nicht erwähnt! Dass die Landwirte froh sind, dass sie weiterhin die Landschaft vergiften dürfen, ist vielleicht aus kurzfristigen betriebswirtschaftlichen Überlegungen sogar nachvollziehbar. Mittel- und erst recht langfristig werden alle Lebewesen, einschließlich des Menschen, für diese Form des brachialen Wirtschaftens die Zeche bezahlen. Viele Arten verschwinden still und heimlich, von einer auf billigen Konsum, Gier und Geiz geprägten Gesellschaft kaum bemerkt, doch auch bei uns Menschen nehmen Allergien zu, Krebs tritt häufiger auf. Nicht zu vergessen die psychischen Erkrankungen von immer mehr Menschen, die auch auf eine Entfremdung zur Natur zurückgeht und das perverse Ausbeuten unserer Lebensgrundlagen. Diese Aspekte fehlen völlig!

 

Michael Kempkes, stellvertretender Kreisvorsitzender NABU-Kreisverband Borken e. V.

Artikelbild Screenshot bbv-net.de / E-Paper vom 09.12.2017 / Lokales  Foto © Sven Betz

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