Der gestrigen Ausgabe des BBV war zu entnehmen, dass die Stadtverwaltung nun offensichtlich doch bereit ist, sich dem Willen eines Unternehmers zu unterwerfen, der seinerseits noch nie in irgendeiner Weise eine gewisse Form von Lokalpatriotismus bzw. Identifikation mit der Stadt Bocholt erkennen lassen hat. Im Gegenteil: die Haltung gegenüber der Kommune, wenn Ihr meinen Wünschen nicht folgt, dann gehe ich eben woanders hin, verdeutlicht einmal mehr, dass man auf solche Unternehmer, die nur auf ihren eigenen Vorteil schauen, getrost verzichten kann!

Aus Sicht engagierter Bürger können wir hier nur festhalten, dass sich weder eine Stadt noch der Staat von irgendwem erpressen lassen darf. Sollte der Rat dem Vorschlag der Stadtverwaltung folgen, so öffnet dies auf für andere nur auf den eigenen Vorteil bedachte Unternehmer Tür und Tor. Von daher können wir nur hoffen, dass der Rat hier eine unmissverständliche Position einnimmt und sich nicht von einem Unternehmer erpressen lässt. Dies umso mehr, als dass es hier auch um wichtige Belange des Naturschutzes geht. Hier sollen fünf „jugendliche“ Eichen im Alter von circa 40 Jahren geopfert werden, die gerade erst am Anfang ihres Lebens stehen. Sie dürfen ebenso wenig auf dem Altar der immer weiter fortschreitenden Gewinnmaximierung geopfert werden, wie die bereits unter dem Schutz der städtischen Baumschutzrichtlinie stehende ältere Eiche. Uns als Naturschützer geht es jedoch nicht ausschließlich um den Schutz der Eichen, sondern auch um die Durchgängigkeit der miteinander vernetzten Grünflächen als Biotopverbund! Wie viele Flächen wollen wir noch dem Wirtschaftswachstum opfern? Bereits jetzt gibt es viele Inseln, sodass es immer weniger zum Austausch der Populationen untereinander kommt. Der Industriepark Bocholt hat vor Jahrzehnten eine Tiefe Wunde gerissen. Doch kann und darf es ein immer weiter so geben, zulasten aller anderen Mitgeschöpfe, von denen nicht wenige mittlerweile vom Aussterben bedroht sind?

 

Michael Kempkes, stellvertretender Kreisvorsitzender NABU-Kreisverband Borken e. V.

Artikelbild Screenshot bbv-net.de / E-Paper vom 11.12.2017 / Lokales  Foto © Sven Betz

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