Seit 1976

Über 25 Jahre Naturschutzarbeit im Kreis Borken
Viele Märchen und Geschichten begannen früher mit den Worten „Es war einmal“. Die hier nun angesprochene Vereinsgeschichte kann also nicht so beginnen, sie soll nur einen kurzen Rückblick unserer Aktionen und unserer Vereinsarbeit darstellen.
Auf die guten alten Zeiten, nein nein, ich glaube, so kann man unsere Geschichte auch nicht beginnen. Es war einmal, nee das hatten wir auch schon ,vielleicht so.

Ja, nun ist es soweit, so geht’s wohl. Am 11. 11. 1976 trafen sich einige interessierte naturverbundene Menschen im Bocholter Kolpinghaus, um einen Verein zu gründen, eigentlich nichts besonderes, wenn es sich hier nicht um unsere Vereinsgründung gehandelt hätte.

Das Datum sagt eigentlich alles: 11. 11. 1976, da war doch noch was, ach ja, der Beginn der neuen Session im Karneval. Und der Geburtstag des Vereinsgründers Hans Glader, das passte ja wie die Faust aufs Auge. Es wurde schon bei einigen Veranstaltungen des NABU scherzhaft berichtet, dass man sich manchmal unter Narren fühle, oder dass es auch ohne unseren Verband schon genug Narren gibt.

Darum haben wir keinen neuen Karnevalsverein, sondern einen Naturschutzverein gegründet, der dem damaligen DBV, dem Deutschen Bund für Vogelschutz, angegliedert war. Um nicht nur in Bocholt tätig zu werden, hatten wir uns entschlossen, als Kreisverband des DBV tätig zu werden, keine leichte Aufgabe für die sieben Gründungsmitglieder.

Aber der Naturschutzverein Bocholt Borken e.V. war gegründet. Man könnte jetzt die chronologische Datenaufarbeitung unserer vielen Aufgaben und Aktionen aufführen, aber es war schon immer etwas Besonderes, einen anderen Geschmack zu haben, darum halte ich es hier auch etwas anders.

Denn wir sind etwas Besonderes, unser Verband hat im Laufe der letzten 25 Jahren einiges bewirkt und ist aber auch im Wandel dieser Zeit gewachsen. Höhen und Tiefen, wie in vielen Vereinen, haben wir durchgemacht und sind trotzdem kein Verein wie jeder andere.

Warum sind wir denn etwas Besonderes? Weil unser Verein zu einem Verband und Zusammenschluss vieler einzelner individuell denkender und handelnder Naturschützer geworden ist. Wir haben sehr unterschiedliche Interessensgebiete, vertreten durch unterschiedliche Charaktere. Auch wenn man ein gemeinsames Ziel verfolgt, so kann man doch viele verschiedene Wege dorthin gehen. Mit Blick in die Zukunft, ein Ziel vor Augen, die Natur zu schützen und vor Schaden zu bewahren, sind wir gemeinsam diesen schweren Weg gegangen.

In den vergangenen Jahren wurden viele Kontakte geknüpft, Mitglieder geworben, Aktionen der unterschiedlichsten Arten gestartet und Ortsgruppen im Kreisgebiet gegründet. Unsere Aufgabe bestand unter anderem darin, im gesamten Kreis mit einem gemeinsamen Namen aufzutreten, und im Sinne des Naturschutzes überall im Kreis Ansprechpartner zu haben und somit überall präsent zu sein. Das war ein großes Ziel, und immer wieder kam es auf dem Weg zum Ziel zu Interessenskonflikten mit sogenannten Naturnutzern. Wir alle sind Naturnutzer, auch die sogenannten Naturschützer. Aber es besteht doch ein großer Unterschied darin, Bäume zu fällen, um seltenen Pflanzen ein geeignetes Habitat zu bieten, oder ob man Bäume fällt, nur um Kaminholz zu erhalten, oder Geld damit zu erwirtschaften.

Das Ergebnis ist aber dasselbe, es gibt in beiden Fällen Kaminholz.

Viele Freunde haben sich in unserem Verband gefunden, und so manche Naturschutzaktion wurde bis in die späten Nachtstunden diskutiert und ausgearbeitet. So ist es immer weitergegangen, auch in den eigenen Reihen konnte man es nicht jedem recht machen, ein Wandel an Personen im Vorstand und stetiger Wechsel im Bereich der Mitgliederstruktur prägte unseren Verband.

In dieser Festschrift werden die vielen Aktivitäten noch genauer beschrieben, darum möchte ich in meinem Rückblick an dieser Stelle nicht weiter darauf eingehen. Aber auch hier kann man den Wandel der Gesellschaft in unserem Verband erkennen.

Seit 1976 hat sich einiges verändert, hier nur stichwortartig einige Besonderheiten. Nach der Vereinsgründung trafen wir uns anfangs noch im Kolpinghaus. Es zeigte sich auf Grund unserer enormen Bemühungen, etwas zu verändern, sehr schnell, dass wir auch Büroräume brauchten, eine Schreibmaschine, vereinseigenes Briefpapier, Informationsmaterial usw. usw. Rolf Spandern stellte uns einen seiner Kellerräume als Büro und Geschäftsstelle zur Verfügung, Hans Glader nutzte seine Kontakte zu den hiesigen Druckfirmen, Informationsmaterial stellte uns der DBV zur Verfügung, und durch tatkräftige Mitgliederwerbung und entsprechender Pressearbeit bekamen wir immer mehr Zulauf aus der Bevölkerung.

Ja, so war das früher, ganz einfach, oder?

Wie schon angesprochen, hat so ein Verein, auch unser Verein, bestimmte Vereinsstrukturen, und mit dem Wachsen des Vereins merkten wir schnell, das der Einsatz für den Erhalt der Natur, so eben nebenbei, eine mitunter sehr schwierige Angelegenheit war.

Das Familienleben veränderte sich, denn wenn man ständig abends an der Geschäftsstelle war und dann am Wochenende noch Naturschutzaktionen zu betreuen hatte, dann kam auch vor 25 Jahren schon teilweise Stress auf, nur hat man das nicht so genau genommen weil viele Mitglieder und Aktive relativ jung waren.

In nachfolgenden Jahren wechselten einige Vorstandspersonen und Aktivisten bis auf den Vorsitzenden Hans Glader, er hielt das Naturschutzruder in der Hand und steuerte den Verein über Jahre hinweg souverän gegen den ständig wachsenden Wind, der im Laufe der Zeit dem Naturschutz ins Gesicht blies. Die Zusammenarbeit mit anderen naturverbundenen Vereinigungen im Kreis ließ nicht lange auf sich warten.

Patenschaftliche Beziehungen zur Naturschutzgruppe in Rathenow im Westhavelland wurden aufgebaut. Um den Menschen im Kreis Borken die Natur näher zu bringen, wurden Exkursionen zu verschiedenen Naturschutzgebieten etc. angeboten. In Zusammenarbeit mit der VHS wurden Fahrten zum Neusiedlersee, nach Texel usw. veranstaltet. Viele Presseberichte wurden veröffentlicht und viele Gespräche mit Behörden geführt.

Wenn man so zurückschaut, haben wir in den vergangenen Jahren einiges erreicht, doch Achtung: wenn man so zurückschaut, ist auch trotz alledem viel zuviel verloren gegangen von unserer Natur. Wirtschaftswachstum, Wohlstand und teilweise unnötige Errungenschaften haben ein weiteres Umdenken im ehrenamtlichen Naturschutz erforderlich gemacht.

Im Laufe der Zeit ist aus dem damaligen DBV ein Natur und Umweltschutzverband entstanden, der nicht nur mit der Namensänderung verdeutlicht, was zwischenzeitlich so alles gelaufen ist.

NABU bedeutet: N für Naturschutz, A für Artenschutz, B für Biotopschutz und U für Umweltschutz. Aus dem Naturschutzverein Bocholt Borken hat sich der NABU Kreisverband Borken e.V. entwickelt. Haben wir uns vor 25 Jahren mit dem Artenschutz befasst, bedeutete das unter anderem, Nistkastenbau für Eulen oder Hohltauben. Das ist teilweise auch heute noch so.

Nehmen wir aber das Thema Biotopschutz, so ging es damals zum Beispiel darum, im Gespräch mit Eigentümern
Kleinstbiotope wie Tümpel etc. zu pachten, um diese Fläche für den Biotopschutz zu sichern. Heute sind Stellungnahmen zu Planfeststellungsverfahren, Gutachten bei Gebietsentwicklungsplänen oder Stellungnahmen zu Baumaßnahmen im Außenbereich unumgänglich.

Der sogenannte theoretische Naturschutz ist um ein Vielfaches angewachsen, den Aufwand für diese Arbeit und die Wertigkeit dieser Dinge ist teilweise kaum nachvollziehbar. Umweltschutz war vor 25 Jahren der Schwerpunkt anderer Umweltverbände, aber man hat auch hier rechtzeitig erkannt, dass man diese Dinge in der Natur schwer trennen kann.

Der Gedanke, dass Umwelt-, und Naturschutz Arbeitsplätze vernichtet, wie es vor 20 Jahren noch behauptet wurde, hat sich nicht bestätigt, sondern seitdem man mit Umweltschutz Geld verdienen kann, ist dieser sogar akzeptabel.

Merken Sie den Wertewandel, spüren Sie auch, dass trotz vieler Bemühungen vom NABU und von zuständigen Behörden etc. sich nicht alles nur zum Positiven entwickelt hat. Die Natur braucht immer noch „Aktivisten“ im ehrenamtlichen Naturschutz, sie braucht uns !

Ich spüre es ganz deutlich, wenn ich zurückblicke auf unsere erste Schreibmaschine und nun unseren Computer vor mir stehen sehe, oder wenn ich in unserer Kreisgeschäftsstelle am Bocholter Aasee bin, die uns die Stadt Bocholt zur Verfügung stellt, auf den Vereinswagen blicke, den wir mit Unterstützung der Kreissparkasse Borken kaufen konnten, oder im vor mir liegenden Infoblatt unseres Verbandes die Internetadresse lese und dann daran denke, was wir schon alles bewirkt haben.

Dann kann ich nur sagen, dass ich stolz bin, nun der Vorsitzende dieses Verbandes zu sein. Ich kann mich nur bei allen Beteiligten in den letzen 25 Jahren unseres Vereinslebens bedanken, die unseren Verband zu dem gemacht haben, was er nun wirklich ist:

Der mitgliederstärkste und aktivste Naturschutzverband auf Kreisebene!

Leute, die nicht nur reden, sondern auch handeln, die mit Herzblut und Ideologie sich auch noch in der heutigen Zeit dafür einsetzen, dass in die Zukunft gedacht wird, nicht für sich selbst, sondern für nachfolgende Generationen.

Denn wir haben diese Welt nur von unseren Vorfahren geliehen. Es war zwar kein Rückblick der „normalen“ Art, aber wie ich ebenfalls schon erwähnte, sind die Mitglieder und Freunde dieses Verbandes auch etwas Besonderes, ich hoffe, dass das noch lange so bleibt.

In diesem Sinne bedanke ich mich für Ihre Aufmerksamkeit, bis zur nächsten Festschrift nach den nächsten 25 Jahren.

Rudolf Souilljee
Kreisvorsitzender des NABU Kreisverband Borken. e.V.

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