Gerade scheint sich der üble Geruch durch die Ausbringung von Gülle, Gärresten und anderen Arten sogenannter Wirtschaftsdünger zu legen, der seit Wochen mit seinem stechenden süß-sauren Ammoniakgeruch wie ein Leichentuch über der Kulturlandschaft schwebte, da bahnt sich schon das nächste negative flächendeckende Szenario an. Die erste Kiebitzbrut wurde hier in Heek bei der parallel stattfindenden Ackerbestellung komplett untergepflügt. Tagelang irrten die Vögel völlig verstört auf den kahlen Ackerflächen umher. Der überwiegende Teil der Maiseinsaat auf über der Hälfte der im Kreis Borken zur Verfügung stehenden landwirtschaftlich genutzten Flächen ist bereits gelegt.

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Nun zeigt bereits die nächste dauerhafte Naturerscheinung (Sandstürme) im Kreis Borken an, was flächendeckende monotone Anbauweise für die Landschaft bedeutet. Die Frühjahrsstürme wie vergangene Woche verwehten tonnenweise fruchtbaren Ackerboden von den Flächen in alle Himmelsrichtungen. Jetzt rächt sich die jahrelange Zerstörung heimischer Feldrandsäume und Heckensysteme, die nicht mehr in der Lage sind, der gigantischen Bodenerosion in Form ihrer Filterwirkung etwas entgegen zu setzen. Katastrophal wirkt sich auch besonders das Zusammenlegen immer weiterer Ackerflächen zu riesigen Feldschlägen aus.

In Niedersachsen und anderen Bundesländern stehen sie schon an den Autobahnen, die Hinweisschilder, die auf plötzlich auftretende Staubwolken und deren gefährdende Sichtbehinderung hinweisen. Der Kreis Borken hat sich in wenigen Jahren von einer Parklandschaft zu einer negativen, flächendeckenden Agrareinöde umgewandelt. Ursächlich hierfür sind die Überdüngung der Landschaft mit verschiedenen Sorten Wirtschaftsdünger, ungefilterte Ausgasungen von Millionen Kilogramm Ammoniak und Feinstäube aus den Mastställen, flächendeckende Ausbringung von giftigen Pflanzenschutzmitteln, monotone Nutzpflanzenkulturen (Mais), Bodenerosion, Zerstörung und falsche Pflege der letzten Heckengehölze und das Nichteinhalten von Gewässer- und Ackerrandstreifen, die sogar zum Teil im Eigentum der Kommune oder des Kreises stehen. Nicht zu vergessen sind die Krebs erregenden Schadstoffe (u.a. Formaldehyd), die aus unseren ca. 90 heimischen Biogasanlagen in die Umgebungsluft an 365 Tagen im Jahr frei gesetzt werden.

Die Anzahl der heutigen Vollerwerbslandwirte im Kreis Borken macht jedoch nicht einmal mehr 0,5 Prozent der Bevölkerung aus (etwa 1250 Betriebe bei ca. 364.271 Gesamtbevölkerung, Zensus 2013).

Mit einem noch nie dagewesenen Zerstörungspotential, das die konventionelle Bewirtschaftungsweise der heutigen Landwirte in unserer Kulturlandschaft hinterlässt, wird schon in wenigen Jahren die gesamte Vielfalt der heimischen Natur und ihrer Bestandteile ausgelöscht sein. Der Bereits jetzt spürbare Verlust von Niederwild, Insekten, Amphibien und Wiesenvögeln ist kaum noch aufzuhalten.

Eine politisch gewollte, legal subventionierte Landschaftszerstörung durch unsere Agrarwirte kann durch ehrenamtlichen, auf Spenden angewiesenen Natur- und Umweltschutz nicht mehr intakt gehalten werden. Es ist ein absoluter Skandal, dass wenige landwirtschaftliche Großbetriebe auf Kosten der Gesundheit und des Wohlbefindens der gesamten Bevölkerung im Kreis Borken ihr Einkommen erzielen dürfen.

Herbert Moritz
für den NABU im Kreis Borken

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