Der NABU-Kreisverband Borken e. V. möchte sich mit folgender ablehnender Stellungnahme zur Diskussion um den Nordring in Bocholt äußern. Anlässlich der Einstellung von Finanzen in den städtischen Haushalt 2018 zur Realisierung des ersten Teilstückes zwischen dem Barloer und dem Burloer Weg, geben wir hiermit folgende Argumente zu bedenken:

1. Zahllose Studien belegen, dass der Bau neuer Straßen zwar zur kurzfristigen Entlastung anderer, paralleler Straßen führt. Mittel und erst recht langfristig führen weitere Straßen zu einer weiteren massiven Zunahme des Individualverkehrs. Das ist kein nachhaltiges Konzept! Jede größere Stadt muss sich um moderne Verkehrskonzepte bemühen, die den Verkehr so lenken, dass es eine möglichst geringe Belastung der dort wohnenden Menschen gibt. Mehr Autoverkehr in die Stadt zu locken, vermindert die Qualität aller Bürgerinnen und Bürger.

2. Immer mehr Städte erkennen, dass die Belastungen ihrer Einwohner durch Unfälle, Lärm und Belastungen mit Abgasen (Gase, Feinstäube) deutlich reduziert werden müssen. Münster, mit seiner schwarz-grünen Ratsmehrheit überlegt derzeit, dass eine Maut zum Einfahren in die Stadt erhoben werden soll. Auch Städte wie Freiburg, München und Stuttgart bemühen sich beispielhaft den Individualverkehr signifikant einzudämmen, zum Wohle aller Menschen, denn der Schutz der Gesundheit der Menschen ist wesentlich wichtiger als die lobbyartigen Bemühungen um den Autoverkehr! Immer mehr Ärzte erkennen, wie sehr der Autoverkehr die Menschen in den Städten krankmacht, und fordern ebenfalls neue Verkehrskonzepte ein. Jeder Politiker ist dazu verpflichtet für die Rechte aller Menschen einzutreten und nicht nur für die Interessen der Auto- und Motorradfahrer!

3. Die bislang freigehaltene Trasse hat mittlerweile einen gewissen ökologischen Wert entwickeln können. Es wäre aus Sicht des Naturschutzes sehr bedauerlich, wenn die vielen ökologischen Nischen, die sich im Laufe der letzten Jahrzehnte entwickeln konnten, einer rückwärts gewandten Entscheidung zum Opfer fielen. Auch die Menschen brauchen in den Städten diese grünen Oasen für ihr Wohlbefinden! Nur Menschen in einem grünen Umfeld bleiben gesund! Asphalt und Beton machen dagegen depressiv und krank!

4. Auch die dem Individualverkehr sehr wohlwollend gegenüberstehenden Politiker sollten und müssen erkennen, dass die Lebensqualität einer Stadt dadurch erhalten bzw. gesteigert wird, indem Lärm und Abgase vermieden werden und anstelle von todbringenden Straßen grüne Oasen entstehen, die von allen Menschen aufgesucht werden können. In Zeiten des Klimawandels nur auf das Auto zu setzen und die Interessen vieler Bürger vor Ort völlig auszublenden, ist im Hinblick auf kommende Generationen ein unverantwortliches Verhalten!

5. Es gibt mittlerweile viele gute Konzepte zur Reduzierung des innerstädtischen Autoverkehrs. Wir als Naturschutzverband fragen uns, weshalb diese nicht mal in Betracht gezogen werden und stattdessen auf eine völlig veralterte Planung aus der Mitte des letzten Jahrhunderts bestanden, wird. Warum sperren sich die Politiker gegen neuere Erkenntnisse? Weshalb lädt sich der Rat vor dieser so wichtigen und möglicherweise sehr teuren Entscheidung keine externen Experten ein? Muss hier mit Gewalt eine Planung durchgesetzt werden, die das Stadtgebiet weiter zerschneidet und die Lebensqualität vielleicht einiger Menschen kurzfristig verbessert, aber für sehr viele Menschen auf Dauer drastisch verschlechtert? Wie schnell Politiker ihre Meinungen ändern können, wenn es darum geht, der Vorgängerpartei zu zeigen, was man besser kann, sehen wir ja jetzt am Beispiel Radschnellweg. Wo bleiben eigentlich die Proteste aus der Landwirtschaft, deren Flächen doch anscheinend so knapp bemessen sind, Straßenbau und mehr Baugebiete sind ok, aber für Ausgleichsflächen für Naturzerstörung sind angeblich keine Flächen da? Naturschutz ist auch immer Menschenschutz! Deshalb werden wir als Naturschützer*innen zu dieser Planung eine klare ablehnende Haltung einnehmen und uns für die Rechte und die Gesundheit aller Bocholter Bürger*innen einsetzen, vor allem im Sinne der jungen Generationen und ihren berechtigen Forderungen nach einer lebenswerten Stadt, ohne Belastungen durch Lärm und Feinstaub!

 

Rudolf Souilljee (Kreisvorsitzender NABU Kreisverband Borken e. V.)

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