Als ich am mittags so um 14 Uhr auf der Terrasse saß und die vielen Tagpfauenaugen, Admirale, kleine Füchse, Zitronenfalter und C Falter an meinen Schmetterlingsfliederbüschen umherfliegen sah, kam in mir eine gewisse Freude auf. Ist schon toll, dachte ich so bei mir, dass die Schmetterlinge diese Büsche finden und das in der Anzahl, ich zählte über 20 Exemplare der verschiedenen Arten. Meine Augen verfolgten die Tiere, wie sie von Blüte zu Blüte fliegen, mal störten sie dabei eine Hummel, oder Schwebfliege, die vorher auf der Blüte saß, mal waren es Hummeln oder ein anderer Schmetterling, der einen anderen Schmetterling von der Blüte vertrieb. Mal flogen mehrere Schmetterlinge hoch in die Luft, mal zu zweit, mal zu dritt, auch ruhten sie sich manchmal auf der warmen Hauswand aus und breiteten ihre Flügel zum Sonne tanken weit auseinander, sodass man die vier bunten „Augen“ auf den Flügeln des Tagpfauenauges gut erkennen konnte.

Nach einer Weile viel mir auf, dass auch immer kleine Insekten, vom Boden aus startend fast senkrecht hoch in den Himmel flogen. Ich dachte erst Schwebfliegen oder Fliegen, bis ich mir die Sache mal genauer angesehen habe. AMEISEN, ja, es waren Ameisen, die zu Hunderten aus den Fugen meiner im Sand verlegten Gartensteine herauskrabbelten, viele hatten Flügel und starteten sogleich an mir vorbei rauschend in die Lüfte. Ich machte erst mal einen Schritt zurück. Ach du Schreck AMEISEN dachte ich zuerst, dann viel mein Blick auf unser mit Erdbeeren voll stehendes Hochbeet in unserem Garten. Ich traute meinen Augen nicht, da saß alles voller geflügelter Ameisen, hier waren es wohl gefühlte Tausende Exemplare, die es fast senkrecht aufsteigend in den Himmel zog. Das ging Schlag auf Schlag, wohl einige Minuten bis zu einer viertel Stunde schaute ich mir das an, dann waren fast alle verschwunden. Dann ging unsere Nachbarin mit ihrem Kind an unserem Garten vorbei und sagte, da hinten am Ende der Straße fliegen Tausende von kleinen Fliegen oder Ameisen umher, sie fand das nicht so schön, da waren „meine“, Gott sei Dank schon alle aufgestiegen. Nun ist es bei Ameisen so, nur bei ganz bestimmen Witterungsverhältnissen kommt es zum sogenannten Schwarmflug oder Hochzeitsflug, hierbei verlassen die zuvor geschlüpften Jungköniginnen und einige beflügelte Männchen die Kolonie, um sich zu paaren. Die Männchen verlieren die Flügel sehr schnell und sterben danach, die Jungköniginnen suchen nach neuen Standorten für Nester etc.

Am besagten Tag war es sehr, sehr warm und so kam es wohl an vielen Stellen in Bocholt Biemenhorst, und anderswo zu diesen Schwarmflügen. Mein Blick verfolgte die fliegenden Ameisen eine Weile und plötzlich fiel mir auf, dass nicht nur 3-4 Mauersegler, wie sonst immer über unserem Garten hoch oben umherflogen, sondern es waren 12 bis 15 Tiere, die laut rufend, auch im Schwarm, durch die Lüfte flogen und sich hier ihre Mahlzeit abholten.
Wo kommen die denn her? Es hatte sich unter den Vögeln wohl herumgesprochen, dass die Ameisen an diesem Tag „Schwarmflugtag“ hatten, sie fanden sicherlich reichlich Nahrung für sich und ihre Jungen. Meine Freude kehrte zurück, denn mir wurde wieder mal klar, dass in unserer Natur alles geregelt ist. Leider greift der Mensch viel zu oft in diese natürlichen Kreisläufe ein. Auch das wurde mir bewusst, als ich im Internet Genaueres über Ameisen erfahren wollte. Bei meiner Suche nach AMEISEN wurden mir als erste 10 Seiten, nur Ameisenbefall, Giftköder und andere Vernichtungsmöglichkeiten von Ameisen angezeigt. Meine gute Laune war plötzlich wieder weg. Die meisten Menschen kennen sich mit Ameisen und deren Leben gar nicht aus, es gibt in Deutschland über 100 Arten.

Alle frei lebende Tiere, auch Ameisen genießen als wild lebende Tierarten einen sogenannten Mindestschutz.
Dieser allgemeine Schutz ist im Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege (Bundesnaturschutzgesetz – BNatSchG) vom 29. Juli 2009 (BGBl. I S. 2542 / FNA 791- 9) geregelt.
„Kapitel 5. Schutz der wild lebenden Tier- und Pflanzenarten, ihrer Lebensstätten und Biotope
Abschnitt 2. Allgemeiner Artenschutz

§ 39 Allgemeiner Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen; Ermächtigung zum Erlass von Rechtsverordnungen.. (1) es ist verboten, wild lebende Tiere mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten,
wild lebende Pflanzen ohne vernünftigen Grund von ihrem Standort zu entnehmen oder zu nutzen oder ihre Bestände niederzuschlagen oder auf sonstige Weise zu verwüsten, Lebensstätten wild lebender Tiere und Pflanzen ohne vernünftigen Grund zu beeinträchtigen oder zu zerstören. Waldameisen stehen sogar unter besonderem Schutz, nicht ohne Grund.

Alle Ameisen sind wichtige Tiere im Ökosystem, obwohl die Ameisen manchmal im Garten lästig werden können, bringen sie dem Garten mehr Nutzen als Schaden. Der Wert der Ameisen im Ökosystem sollte nicht unterschätzt werden. Sie beseitigen im Garten pflanzliche Abfälle und tote Tiere, vertilgen Eier von Insekten und Schnecken, sie fressen unter anderen Milben, Asseln, Zecken usw. Auch für die Verbreitung von Samen spielen sie eine nicht unerhebliche Rolle. Es wird sogar vermutet, dass die Anwesenheit von Ameisen den Wuchs bestimmter Bäume begünstigt. Doch in einigen Fällen kann man sie im Garten nicht tolerieren. Ärgerlich sind Ameisenhügel auf Wegen. Wenn Ameisen Plattenbeläge unterhöhlen, werden diese locker, und die Unfallgefahr steigt. Nester im Rasen verursachen Kahlstellen. Zahlreich finden sich auch Ameisen auf läusebefallenen Pflanzen. Sie sammeln die süßen Ausscheidungen der Läuse, den Honigtau. Dafür beschützen Ameisen ihre „Melkkühe“ vor den natürlichen Fressfeinden wie Marienkäfer und Florfliegenlarven.

Wenn Ameisen zum Problem werden, kann man es mit Stören und Vergrämen versuchen, ein ständiges Stören der Ameisen, zum Beispiel durch Einebnen und Wässern der Hügel, führt zur Vernachlässigung der Brut. Am Ende können sie ganz verschwinden.

Bitte nicht sofort mit der Giftspritze oder Giftködern die Tiere töten!

Ausstreuen von Backpulver auf Ameisennester oder – Straßen gehört zu den altbekannten Tipps, um die Insekten zu dezimieren. Doch es zeigt meist nicht die gewünschte Wirkung, da in vielen neueren Backpulvern ein Stoff entfernt wurde, der früher mal zum Erfolg führte. Zum Schutz von Pflanzen bewirken Duftstoffe eine gewisse Abwehr. Die meisten Ameisenarten meiden Lorbeer-, Lavendel-, Eukalyptus- und Zedernduft. Für einige Ameisenarten sind Lavendel- und Eukalyptusöl sogar giftig. Die Ameisen folgen einer markierten Duftspur. Mit stark riechenden Pflanzenjauchen aus Brennnesseln und Beifuß oder Duftölen aus Orangenschalen, Pfefferminze und Thymian können Sie die Tiere verwirren. Wenn man die Ameisenstraßen, die eventuell ins Haus führen mit diesen Duftstoffen blockiert zum Beispiel durch Verteilen der Duftstoffe von dem Balkon, oder Terrassentür etc. kann das bewirken, dass die Ameisen nicht mehr in Haus wollen.

Eine altbewährte Methode ist auch das Umsiedeln der Nester. Dazu stellen Sie einen mit Holzwolle oder Erde gefüllten Tontopf umgekehrt auf das Nest. Nach einigen Tagen sind die Ameisen in den Blumentopf gezogen. Mit einer Schaufel kann nun das Volk im Topf angehoben und umgesetzt werden. Diese Prozedur muss man eventuell wiederholen. Denn wird die Ameisenkönigin bei der Umquartierung zurückgelassen, wird auch das Nest nicht verschwinden.Wie Sie erkennen können, ist es immer sinnvoll, sich mit Dingen in der Natur intensiver zu beschäftigen, als sofort das vermeintliche Ungeziefer mit Gift zu töten. Alles hat in der Natur einen höheren Sinn, schauen Sie sich mal um den Blick zum Boden und zum Himmel, hier gibt es immer etwas Interessantes zu finden.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

 

Mit freundlichem Gruß

Rudolf Souilljee (Kreisvorsitzender NABU-Kreisverband Borken)

 

Text und Fotos © Rudolf Souilljee (Kreisvorsitzender NABU-Kreisverband Borken)

Artikel teilen

About Author

Static Author Display Name