Der im April gefundene tote Rotmilan wurde vergiftet.

Im Kreis Borken (NRW) haben Unbekannte erneut zwei seltene Greifvögel mit Giftködern getötet. Wie der NABU Borken und das Komitee gegen den Vogelmord mitteilen, wurden in einen Mäusebussard und einem Rotmilan hohe Dosen eines verbotenen Pflanzenschutzmittels nachgewiesen.

Die beiden streng geschützten Tiere wurden Anfang April tot auf einem Acker an der Schöppinger Landstraße bei Ahaus von Spaziergängern gefunden, die umgehend den NABU alarmierten. „Weil die Fundumstände auf eine Vergiftung als Todesursache hinwiesen, wurden die Experten des Komitees gegen den Vogelmord hinzugezogen und eine Untersuchung der Tiere durch das Veterinäruntersuchungsamt in Münster veranlasst“, so Herbert Moritz, Sprecher der Gruppe Heek im NABU Borken.

Das Ergebnis der toxikologischen Analyse liegt nun vor: Beide Vögel sind mit dem europaweit geächteten Insektizid E605 (Parathion), das sowohl im Kropf als auch im Magen der Vögel festgestellt wurde, gezielt getötet worden. Obwohl Besitz, Verkauf und Anwendung dieses – im Volksmund auch als „Schwiegermuttergift“ bekannten – Kontaktgiftes seit vielen Jahren verboten sind, werden damit immer wieder Straftaten begangen. Im Kreis Borken wurde das Gift bereits mehrfach als „Tatwerkzeug“ bei Wildtiervergiftung nachgewiesen, zuletzt bei drei Mäusebussarden, die im Frühjahr 2016 bei Legden tot auf einem Feld entdeckt wurden. Da E605 auch für Menschen hochgefährlich ist, rufen die Naturschützer Spaziergänger und Hundebesitzer im Bereich Ahaus dazu auf, auf mögliche Köder zu achten und diese auf keinen Fall anzufassen. Wer weitere tote Greifvögel oder verdächtige Köder findet, wird gebeten, sich an den NABU Borken wenden.

Bussarde und Milane gehören zu den in Deutschland streng geschützten Vogelarten. Wer sie tötet, begeht eine Straftat nach dem Bundesnaturschutzgesetz und riskiert hohe Geldstrafen oder bis zu 5 Jahre Freiheitsentzug. Das Komitee gegen den Vogelmord hat angekündigt, noch in dieser Woche Strafanzeige gegen Unbekannt bei der Polizei Ahaus zu stellen.

Wichtige Verhaltenshinweise im Umgang mit toten oder verletzten Greifvögeln

So handeln Sie richtig, wenn sie einen toten oder verletzten Greifvogel finden, von dem sie glauben, dass ihm illegal nachgestellt worden ist.

  1. Fassen Sie den Vogel nicht an! Oftmals werden Greifvögel mit E 605 oder Carbofuran vergiftet. Bei diesen Stoffen handelt es sich um Kontaktgifte, die auch für den Menschen gefährlich sein können.
  2. Informieren Sie bitte das Komitee gegen den Vogelmord unter den Rufnummern: 0228 -66 55 21 (werktags von 9 bis 17 Uhr) oder 0160-581 34 45
  3. Wenn sie sicher sind, dass der Vogel Opfer illegaler Verfolgung geworden ist (sichtbare Verkrampfungen, Einschusslöcher, Fund in einer Falle) informieren Sie die Polizei unter der Notrufnummer 110 und bitten Sie sie einen Streifenwagen vorbeizuschicken. Wenn sich die Beamten weigern, dem Fall nachzugehen, weisen Sie sie darauf hin, dass es sich bei der Verfolgung von Greifvögeln um eine Straftat handelt. Die Polizei ist laut Strafprozessordnung (§ 163) zu unverzüglichen Maßnahmen verpflichtet.

Zudem können Sie sich an folgende Mitglieder des NABU-Kreisverbands Borken e. V. wenden. Sie sind für das Thema Greifvogelverfolgung sensibilisiert und stehen Ihnen gerne zur Seite:

  • Rudolf Souilljee: 02871 310029, rudolf.souilljee@nabu-borken.de
  • Thomas Flinks: 0171 7111618, borken@nabu-borken.de
  • Dr. Martin Steverding: 0151 22250379, steverding@nabu-borken.de

Das Komitee gegen den Vogelmord gibt auf seiner Internetseite komitee.de weitere Informationen zum Thema illegale Greifvogelverfolgung. Hier können Fälle von illegaler Greifvogelverfolgung zudem online gemeldet werden – auch anonym:  http://www.greifvogelverfolgung.de/content/meldeformular

Eine Broschüre mit vielen weiteren Informationen über illegale Greifvogelverfolgung kann auf den Seiten des Komitees heruntergeladen werden: http://www.komitee.de/sites/www.komitee.de/files/wiki/2010/11/illegale-verfolgung.pdf

Wir als NABU Kreisverband Borken e. V. stellen unter diesem Link zudem einen Flyer mit den wichtigsten Informationen und Ansprechpartnern vor Ort zum kostenlosen Download bereit.

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